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Aus der Stadt Abschied von Jenisa
Hannover Aus der Stadt Abschied von Jenisa
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19:10 26.09.2014
Von Tobias Morchner
Familienmitglieder nehmen Abschied von Jenisa. Quelle: Dröse
Hannover

Unter großer Anteilnahme sind am Freitagmorgen die sterblichen Überreste von Jenisa Muja auf dem Stöckener Friedhof beigesetzt worden. Im September 2007 war das damals acht Jahre alte Mädchen in Linden verschwunden. Fast auf den Tag genau sieben Jahre später entdeckte die Polizei ihre Leiche in einem Waldstück bei Wunstorf. Ibrahim B., der ehemalige Lebensgefährte der Tante der Schülerin, hat gestanden, Jenisa getötet zu haben.

Vor knapp sieben Jahren verschwand die achtjährige Jenisa aus Hannover. Jetzt stehen die Ermittler möglicherweise vor der Aufklärung des Falls. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick:

Die Zeremonie auf dem muslimischen Teil des Friedhofs erfolgte in mehreren Teilen. Am Morgen hatten zunächst die Eltern und die Geschwister des Mädchens in den Räumen eines Bestattungsinstituts im engen Kreis von Jenisa Abschied genommen. Am Vormittag wurde der kleine, weiße Sarg dann zum Stöckener Friedhof gebracht. Dort wurde er bereits von den Männern der Familie, die aus dem Kosovo stammt, erwartet. Die Frauen nahmen an der Zeremonie nicht teil. Sie warteten in einem Saal in Linden auf das Eintreffen der Männer, um dann gemeinsam mit einem Geistlichen, einem Hodscha, zu beten. Die Tante des Mädchens, die ehemalige Lebensgefährtin des mutmaßlichen Täters, war zu der Beerdigung nicht eingeladen. „Sie hat ihm doch geholfen und ihn gedeckt, wir wollen mit ihr nichts mehr zu tun haben“, sagte einer der Trauergäste.

Ist es Jenisa? Eine Suchstaffel der Polizei hat am Dienstag am Galgenberg Leichenteile entdeckt. Das Mädchen soll 2007 von ihrem Onkel Ibrahim B. ermordet worden sein.

Wenige Meter vor dem Grab holten die Angehörigen den Sarg aus dem Leichenwagen und trugen ihn, wie es im Islam Brauch ist, auf ihren Schultern weiter. Auch Juliano Muja, der Vater des Mädchens beteiligte sich unter Tränen an dem Ritual, küsste weinend den Sarg seiner Tochter. Nach der Beerdigung reichten Verwandte den Trauergästen, die aus ganz Deutschland gekommen waren, Börek und Ayran zur Stärkung.

Unterdessen dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Ibrahim B. weiter an. Er sitzt in Bielefeld in Untersuchungshaft. Ibrahim B. hat gestanden, in Herford einen fünf Jahre alten Jungen getötet zu haben. In der Haft offenbarte er sich zwei Mitgefangenen und gab auch das Verbrechen an Jenisa Muja zu.

Chronologie: Der Fall Jenisa

Vor sieben Jahren verschwand die achtjährige Jenisa aus Hannover. Vor zwei Wochen gefundene Leichenteile wurden nun als die sterblichen Überreste des Mädchens identifiziert. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick:

7. September 2007: Jenisa (8) verschwindet. Das Mädchen bricht mittags von seinem Elternhaus in Hannover auf, um seine in der Nähe wohnende Tante zu besuchen. Diese ist aber nicht zu Hause.

10. September 2007: An einer Autobahnauffahrt rund 20 Kilometer vom Elternhaus des Mädchens entfernt werden Kinderkleidung und Schuhe entdeckt. Sie stammen von Jenisa, wie die Eltern bestätigen.

18. September 2007: Ein 36-Jähriger aus dem familiären Umfeld wird als Tatverdächtiger festgenommen. Der Mann sitzt wochenlang in Untersuchungshaft. Er hatte sich in Widersprüche verstrickt und kein Alibi für die mutmaßliche Tatzeit vorweisen können.

29. Oktober 2007: Mangels Beweisen kommt der Mann wieder auf freien Fuß.

14. März 2014: In Herford verschwindet der fünfjährige Dano.

4. April 2014: Der 2007 im Fall Jenisa verdächtigte Mann gibt zu, Dano getötet zu haben. Der 43-Jährige kommt wegen Mordverdachts in Haft.

4. Juli 2014: Die Staatsanwaltschaft teilt mit, dass wieder im Fall Jenisa ermittelt wird. Dano und Jenisa stammen aus Flüchtlingsfamilien aus dem Kosovo.

10. Juli 2014: Die Polizei sucht in einem Waldstück nahe Wunstorf nach der Leiche von Jenisa. Mithäftlinge des 43-Jährigen hatten der Justiz von einem angeblichen Geständnis des Mannes berichtet und davon, dass er die Leiche in dem Wald vergraben hatte.

2. September 2014: Bei einer erneuten Suche stößt die Polizei in dem Wald auf Leichenteile, bei denen es sich höchstwahrscheinlich um die sterblichen Überreste von Jenisa handelt.

16. September 2014: Ein DNA-Abgleich gibt letzte Gewissheit: Es handelt sich um Jenisa.

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