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Aus der Stadt Wohnungssuche dauert bis zu drei Jahre
Hannover Aus der Stadt Wohnungssuche dauert bis zu drei Jahre
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00:15 29.04.2016
Von Jutta Rinas
Problemfall Kinderkrippe: Bei Weitem nicht alle Eltern, die ihr Kind mit einem Jahr oder sogar früher in die Krippe geben wollen, finden auch einen Platz.Foto: Katrin Kutter Quelle: Kutter
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Hannover

Das geht aus dem Familienbericht 2016 hervor, den Bildungs- und Jugenddezernentin Rita Maria Rzyski am Montag vorgestellt hat. Dem Bericht liegen die Ergebnisse einer Repräsentativerhebung, mehrerer Familienkonferenzen, Fachforen, wiederholte Familienmonitorings und der Stadtentwicklungsdialog 2030 zugrunde. Beteiligt haben sich rund 13 000 Hannoveraner zwischen vier und 88 Jahren.

Sie wurden gefragt, was die Stadt leisten muss, um familienfreundlicher zu werden. Die Verwaltung leitete daraus Empfehlungen für die kommenden fünf Jahre ab. In dem Familienbericht kommen nicht nur zentrale Fragen wie die Wohnungssituation, die Kinderbetreuung oder die Vereinbarkeit von Beruf und Bildung zur Sprache. Thema ist beispielsweise auch die Nutzung öffentlicher Räume und Grünflächen auch für Kinder, Jugendliche und Familien, der Wunsch nach mehr Bewegungsmöglichkeiten für Kinder vor allem bei schlechtem Wetter oder die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für arme Familien.

Es sei eine seltene und komfortable Situation, dass man familienpolitische Leitlinien nicht nur aufgrund von Expertenwissen, sondern auch auf der Grundlage des Dialogs mit den Familien selbst entwickeln könne, sagte Rzyski Montag.

Aufgefallen sei ihr besonders, wie stark der Wunsch hannoverscher Familien sei, über viele Jahre hinweg in ihrem Stadtviertel zu bleiben. Die Zeiten, in denen Familien abgeschottet an einem Ort am Stadtrand im Grünen leben wollten, seien vorbei. Die Familien hätten den Wert des Lebens im dicht besiedelten Stadtteil erkannt – und wählten ihn nicht nur wegen der leichteren Erreichbarkeit von Kita und Schule. Anke Broßat-Warschun, Leiterin des Fachbereichs Jugend und Familie, benannte gestern zwei konkrete Maßnahmen, die als Konsequenzen aus dem Dialog mit den Familien 2016 beziehungsweise 2017 kommen werden. Eine neue, zentrale Ferienbörse soll das breit gefächerte Angebot für Kinder in den Ferien leichter zugänglich machen.

Ein zentrales Anmeldesystem zur Kinderbetreuung soll es Eltern künftig ersparen, jede Einrichtung schon für die Frage nach freien Plätzen einzeln abzutelefonieren.

Die größten Probleme

Wohnungsbau

Die Wohnsituation in der Landeshauptstadt hat sich deutlich verschlechtert. 2007 betrug die Leerstandsquote noch 3 Prozent, 2013 lag sie bei 2 Prozent. Dennoch suchen rund 40 Prozent aller Familien derzeit eine größere Wohnung, viele darunter ein Einfamilienhaus. Oft brauchen sie zwei bis drei Jahre, bis sie etwas finden. Der Grund: Es fehlt an geeignetem Wohnraum, bezahlbare Wohnungen seien oft „in erschreckendem Zustand“, heißt es bei der Stadt. Die plant nun eine Wohnbauinitiative, um bis 2030 die Nachfrage zu befriedigen. Ziel ist die Schaffung von 1000 plus x neuen Wohneinheiten pro Jahr – Einfamilienhäuser und große Wohnungen sollen vor allem Familien zugutekommen.

Kinderbetreuung

Viele Eltern in Hannover wünschen sich schon früh Betreuungsplätze für ihr Kind – und eine Kontinuität der Betreuung über die Kindergartenzeit hinaus. Sie kritisieren, dass es für Kinder, die noch nicht ein Jahr oder älter als sechs Jahre alt sind, keinen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gibt. Außerdem sei nicht sicher, ob man zum gewünschten Betreuungsbeginn wohnortnah einen Platz bekomme. Die Stadt will bis 2017 eine Betreuung von 65 Prozent der Ein- bis Zweijährigen erreichen. Im Grundschulalter setzt sie vor allem auf den Ausbau von Ganztagsschulen. „Es darf Eltern nicht mehr vor Existenzfragen stellen, wenn Kinder in die Schule kommen“, sagte Rzyski gestern.

Zurück in den Job

Immer mehr Eltern wollen oder können für Kinder ihren Beruf nicht aufgeben. Das zeigen die Zahlen des Familienberichts eindrucksvoll. 75 Prozent aller Mütter ohne Migrationshintergrund und 50 Prozent aller Mütter mit Migrationshintergrund gehen in Hannover mittlerweile einer Arbeit nach. Bei den Vätern ohne Migrationshintergrund sind es 90, bei den Vätern mit Migrationshintergrund 75 Prozent. Viele Frauen wechseln nach der Geburt ihrer Kinder in Teilzeit: Vollzeit arbeitet nur jede fünfte hannoversche Mutter. Geplant ist deshalb vor allem, Frauen in allen Berufsgruppen (Hochschulabsolventinnen, Handwerkerinnen, Flüchtlinge) den (Wieder-)-Einstieg in den Beruf zu erleichtern.

Einwanderungsbüro

Hannovers Familien werden immer internationaler. In 22 000 Familienhaushalten mit Minderjährigen hat mindestens ein Familienmitglied einen Migrationshintergrund. Für etliche dieser Familien erwarten Experten laut Familienbericht Unterstützungsbedarf. Das gelte auch für die Flüchtlings­familien, die nach Hannover kommen, heißt es in dem Familienbericht. Die Stadt will nun für Flüchtlingsfamilien und Arbeitsmigranten ein Einwanderungsbüro einrichten. Es soll der zentrale Anlaufpunkt für alle Zu- und Eingewanderten sein. Sie sollen dort umfassende Hilfe bekommen – in Fragen der Kinderbetreuung, schulischer Bildung und sprachlicher Förderung von Kindern wie beim Gesundheitsschutz.

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