Beim Auswärtsspiel von Hannover 96 gegen den FC St. Pauli ist es am Sonnabend im Hamburger Millerntor-Stadion zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Schwarz gekleidete, zum Teil vermummte 96-Fans zündeten in der Halbzeitpause ein bengalisches Feuer, dichter grüner Nebel stieg auf der Tribüne empor. Als Ordner in den hannoverschen Fan-Block vordrangen, kam es zu einer Schlägerei. Mehrere 96-Fans gingen mit Fäusten und Fahnenstangen auf das Sicherheitspersonal los. Daraufhin griffen etwa 40 Polizeibeamte ein, und einige 96-Fans verließen fluchtartig das Stadion. Drei Hannoveraner wurden vorläufig festgenommen, wehrten sich aber so massiv, dass die Polizei Schlagstöcke einsetzen musste. Wegen der Unruhe auf der Tribüne entschied der Schiedsrichter, das Spiel zu unterbrechen. Nach einigen Minuten hatte die Polizei die Lage wieder im Griff, und die Partie konnte fortgesetzt werden.
Der Fanbeauftragte von Hannover 96, Frank Watermann, kritisierte am Sonntag das Verhalten der Fans. „Es ist unverantwortlich, was einige da im Fanblock gemacht haben.“ Die Täter seien ihm nicht bekannt. Nach den Vorfällen in den vergangenen Wochen sie klar angekündigt gewesen, dass die Polizei bei Ausschreitungen konsequent durchgreifen würde. Watermann äußerte sich aber auch zum Verhalten des Ordnungsdienstes kritisch. Seinen Angaben zufolge sollen die St.-Pauli-Ordner zu Tränengas gegriffen haben. „Das hat das Ganze zum Kochen gebracht“, sagte Watermann.
Anfang des Monats war es in der hannoverschen Altstadt zu einer Auseinandersetzung zwischen 96-Fans und Anhängern des VfL Wolfsburg gekommen. Etwa 50 gewaltbereite 96-Fans, sogenannte Ultras, griffen rund 140 radikale Wolfsburg-Anhänger an, die sich in der Kneipe „Schateke“ in der Kramerstraße aufhielten. Die Hannoveraner griffen zu Pflastersteinen und warfen sie gegen die Fensterscheiben, die Polizei konnte eine Eskalation gerade noch verhindern. Bereits am Abend zuvor war es nach einem Regionalliga-Spiel von Hannover 96 gegen den Bremer Verein Oberneuland in einem Regionalzug zu Randale zwischen den gegnerischen Fans gekommen. Die Bundespolizei kündigte daraufhin an, konsequent gegen die gewaltbereiten Fans vorgehen zu wollen.
So überprüften die Beamten am Sonnabend Hunderte 96-Fans, die mit dem Zug zum Spiel nach Hamburg fahren wollten. Dabei konzentrierten sich die Beamten auf jene 96-Anhänger, die an den Vorfällen in der Altstadt und in der Regionalbahn beteiligt waren. „Wir haben in 119 Fällen die Personalien überprüft“, sagte Polizeisprecher Frank Hasewinkel. 24 Personen seien durchsucht worden, außerdem hielten die Beamten 15 Gefährdeansprachen. „Wir haben fünf Personen die Weiterfahrt untersagt. Sie gelten als unbelehrbar“, sagte Hasewinkel. Am Abend kam es dennoch zu einem Vorfall. Nach der Rückkehr aus Hamburg zündete ein 18-Jähriger im Hauptbahnhof Hannover ein bengalisches Feuer. „Den haben wir gleich rausgezogen. Er muss sich nun in einem Strafverfahren verantworten“, sagte Hasewinkel. Der Fanbeauftragte Watermann appellierte an die Vernunft der 96-Anhänger. „Bei weiteren Vorfällen könnte die Strafe drohen, dass 96-Fans bei einem Auswärtsspiel komplett draußen bleiben müssen.“
Vivien-Marie Drews und Jörg Grußendorf
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