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Fehldiagnose raubt Patienten Augenlicht

Streit unter Ärzten Fehldiagnose raubt Patienten Augenlicht

Ein hannoverscher Augenarzt muss seinem Patienten 60.000 Euro zahlen, weil ihm mehrere grobe Behandlungsfehler nachgewiesen werden konnten. Das Geld ist für den Kläger, einen Chirurg im Ruhestand, nur ein schwacher Trost. Seine Sehnerven sind so schwer geschädigt, dass er sich in fremder Umgebung nicht mehr ohne eine Begleitperson gefahrlos bewegen kann.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Hannover. Der 75-jährige Geschädigte hatte sich vor sechs Jahren entschieden, seinen Augenarzt zu wechseln. Er wollte sich fortan bei einem jüngeren Kollegen behandeln lassen, dem er wohl eher zutraute, auf dem neuesten Stand der medizinischen Forschung zu sein. Eine verhängnisvolle Entscheidung. Der Senior litt zu dieser Zeit zwar schon an einer Glaukomerkrankung (grüner Star) – sie befand sich aber „in therapeutisch adäquat stabilem Zustand“, wie es in den Gerichtsakten heißt. Auch die Sehschärfe, die in Visuswerten gemessen wird, war mit 1,0 auf beiden Augen nicht beeinträchtigt. Dennoch ließ sich der Chirurg regelmäßig von seinem neuen Arzt untersuchen, und er entschied sich auch, bei der Medizinischen Hochschule (MHH) vorsorglich eine Laseroperation vornehmen zu lassen – dringlich war der Eingriff nicht. Die Ärzte hielten zu diesem Zeitpunkt fest: Der Patient hat in Bezug auf scharfes Sehen keine Beeinträchtigungen.

Ein halbes Jahr später allerdings verschlechterte sich die Sehfähigkeit des 75-Jährigen und er berichtete seinem Arzt von Beeinträchtigungen des Gesichtsfelds. Der Augenarzt beließ es dabei, den Visus zu prüfen und den Augeninnendruck zu messen. Die Klagen des Chirurgen aber nahm der junge Augenarzt offensichtlich nicht ernst.

„Grob ärztlich fehlerhaftem Verhalten“

Ein Patient ohne medizinische Vorkenntnisse hätte sich vielleicht in sein Schicksal gefügt. Der Mediziner im Ruhestand wurde jedoch ärgerlich, drängte auf sofortige Diagnostik und weitere Befunderhebung. Der Augenarzt empfahl daraufhin eine Katarakt-Operation. Wie sich später herausstellte eine eklatante Fehldiagnose, weil der Chirurg gar nicht an einem operationsreifen grauen Star litt.

Jetzt nahm der Patient die Dinge selbst in die Hand und ließ sich in der Augenklinik der MHH untersuchen. Mit einem niederschmetternden Ergebnis: Der Augeninnendruck war völlig überhöht, die Sehschärfe des rechten Auges war massiv beeinträchtigt, auf beiden Augen wurden zudem erhebliche Gesichtsausfälle diagnostiziert. Nur mit einer schnellen Operation in der MHH-Augenklinik konnte noch Schlimmeres verhindert werden.

Für Rechtsanwalt Frank Albert Sievers, der den Chirurg bei seinem Rechtsstreit vertreten hat, ist es „absolut unverständlich“, warum der Augenarzt fast zwei Jahre lang wichtige Untersuchungen und möglicherweise auch notwendige Operationen schlicht versäumte. In der Gesamtschau, so Sievers, müsse man in diesem Fall von „grob ärztlich fehlerhaftem Verhalten“ sprechen.

Dieser Einschätzung schlossen sich auch der Gutachter und schließlich das Gericht an. Bei einer korrekten Behandlung, so schreiben die Richter, wäre dem Patienten ein wesentlich besseres Sehvermögen erhalten geblieben.

Von Hans-Peter Wiechers

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