Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Feinstaubwerte in Hannover trotz Umweltzone hoch
Hannover Aus der Stadt Feinstaubwerte in Hannover trotz Umweltzone hoch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:59 08.04.2010
Hier wird Hannovers Luft gemessen: Die Station in der Göttinger Straße. Quelle: Rainer Surrey

Neue Messergebnisse zur Feinstaubbelastung geben Kritikern der hannoverschen Umweltzone neue Nahrung: Obwohl die letzte Stufe der Fahrverbotsregelung seit 1. Januar eingeläutet ist, weist die Stadt Hannover in den ersten Monaten des Jahres die höchsten Feinstaubwerte seit Langem auf. Schon jetzt lagen die Messwerte an 23 Tagen über dem zugelassen Höchstwert – erlaubt sind nach EU-Vorgaben lediglich 35 Überschreitungen im Jahr. 2009 war der Feinstaubwert nur siebenmal zu hoch gewesen, 2008 dreizehnmal.

„Entscheidend für die Feinstaubwerte ist die Wetterlage“, sagt Stadtsprecher Karl-Heinz Utgenannt dazu. Die war in diesem Jahr bisher meist klar und trocken – typische Bedingungen für hohe Feinstaubwerte. Stefanie Becker, Sprecherin im niedersächsischen Umweltministerium, sieht das ähnlich. Sie verweist auf die Stadt Göttingen, die 24 Überschreitungen aufweist und keine Umweltzone hat. „Für den Feinstaubwert spielt die Umweltzone keine Rolle, da geht es um meteorologische Hintergründe“, sagt sie.

Hannovers Umweltdezernent Hans Mönninghoff (Grüne) betont daher schon lange die Bedeutung der Umweltzone für die Senkung der Stickstoffdioxidwerte. Ob die Fahrverbote eine solche aber bewirken, ist einigermaßen unklar. Die Messungen ergeben für das Jahr 2009 einen Mittelwert von 53 Mikrogramm pro Kubikmeter an der Messstation in der Göttinger Straße – erlaubt waren damals noch 42. Für den März diesen Jahres haben die Experten bei jetzt erlaubten 40 Mikrogramm gar einen Wert von 57 Mikrogramm gemessen. Die Werte sind also trotz Umweltzone hoch. Andererseits hatte das Verwaltungsgericht Hannover im vergangenen Jahr geurteilt, die Umweltzone sei eine geeignete Maßnahme, um den Belastungen entgegenzuwirken.

Auch der Blick auf andere deutsche Städte ergibt bei der Frage nach Sinn und Unsinn der Umweltzone ein diffuses Bild. Klaus Wichert, Leiter des Umweltamtes in Frankfurt am Main, sieht durchaus einen Erfolg, weil viele Bürger auf neue, umweltfreundliche Fahrzeuge umgestiegen sind. Hierbei aber, räumt er ein, habe neben der Umweltzone auch die Abwrackprämie eine Rolle gespielt. Messungen deuteten jedenfalls sinkende Stickstoffdioxidwerte an, sagt Wichert. In Frankfurt dürfen noch bis 2012 auch Autos mit gelber Plakette in die Umweltzone fahren. In Hannover ist das seit diesem Jahr nur noch solchen mit grünem Aufkleber gestattet.

In Köln wiederum liegt die Umweltzone bis auf Weiteres auf Eis. Noch sind nur Autos ganz ohne Plakette ausgesperrt. Das, heißt es im Rathaus hinter vorgehaltener Hand, wird bis zu den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen im Mai auch so bleiben – obwohl die nächste Stufe der Umweltzone eigentlich für Anfang 2010 vorgesehen war. Trotz der bisher sehr moderaten Regelung weist die Rheinmetropole in diesem Jahr wesentlich weniger Tage mit hoher Feinstaubbelastung auf als Hannover oder Frankfurt – nämlich acht. Was den Stickstoffdioxidwert angeht, hätten Messungen des Landes nach Einführung der ersten Stufe der Zone immerhin „minimalste Verbesserungen“ angezeigt, sagt Ludwig Arentz, Koordinator des Luftreinhalteplans der Stadt Köln. Gleichzeitig werkelt man am Rhein aber auch an anderen Ideen – etwa an variablen Ampelschaltungen, die auf den jeweiligen Schadstoffgehalt der Luft reagieren. Ergebnisse gibt es noch nicht.

Anderswo wiederum lehnt man die Umweltzone rundheraus ab. Viele Städte hätten „die Wirksamkeit der Umweltzonen überschätzt und sehr viel Zeit, Energie und Geld in dieses Konzept gesteckt“, erläutert etwa Klaus Meiners, Abteilungsleiter im Fachbereich Umwelt der Stadt Aachen, auf einer Internetseite der Stadt. Und weiter: „Schon jetzt zeigt sich aber: Städte mit Umweltzonen wie Köln, Hannover oder Stuttgart konnten damit die Feinstaubbelastungen nicht verändern, die Grenzwerte werden nach wie vor häufig überschritten.“ Erfolge könnten eventuell mit der letzten Stufe der Zone, die in Hannover jetzt erreicht ist, erzielt werden – dennoch habe man sich in Aachen gegen das Konzept entschieden. Stattdessen umfasst der Aachener Luftreinhalteplan 33 andere Maßnahmen. „Die werden in der Summe mindestens dieselbe Senkung der Schadstoffwerte bringen wie eine Umweltzone“, schätzt Meiners. „Die ist daher nur als letztes Mittel gedacht, wenn nichts anderes mehr geht.“ Auch in Hamburg verzögert sich die Einführung der Zone immer weiter. Zurzeit prüft die Stadt mal wieder, Ergebnisse stehen in den Sternen. Wirschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) ist skeptisch, dass eine Umweltzone der Luftreinhaltung dienlich sein wird.

Keinerlei Bedarf für eine Umweltzone hat die Stadt Hildesheim. „Die Durchlüftung ist auf unseren Hauptverkehrsstrecken so gut, dass eine Umweltzone bei uns nicht angedacht wird“, sagt ein Sprecher.

Felix Harbart

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Blick zurück auf den Blick nach vorn: Das Festival der Philosophie in Hannover beginnt mit einer Debatte zum Expo-Motto „Mensch – Natur – Technik“ – und bleibt oft an der Oberfläche.

08.04.2010

Heftiger Protest gegen die Aufgabe der Station Humboldtstraße: Das Diakoniekrankenhaus Friederikenstift in der Calenberger Neustadt protestiert vehement gegen die geplante Aufgabe der nahegelegenen Stadtbahnhaltestelle.

08.04.2010

Ein bisschen Freude bis ganz zum Schluss: Das Uhlhorn Hospiz begleitet seine Bewohner auf ihrem letzten Weg – und steht Freunden und Angehörigen stets offen. Jetzt feiert die Einrichtung ihr zehnjährige Bestehen.

08.04.2010