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Drei Chaoten mit dem Megabass

Fettes Brot auf der Parkbühne Drei Chaoten mit dem Megabass

Ausverkauft! 4500 Fans im Alter zwischen 20 und 40 Jahren waren am Freitagabend zur Gilde Parkbühne nach Hannover gekommen um Fettes Brot zu erleben. Mit ihrem wohl bekanntesten Song "Nordisch by Nature" wurde der Hip-Hop-Abend eingeleitet.

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Fettes Brot auf der Gilde Parkbühne.

Quelle: Petrow

Hannover. Es gibt Bands, die muss man nicht live gesehen haben. Da reicht das Foto auf dem Cover ihrer Platten. Denn mehr als die Stücke aus den Alben gibt's auf ihren Konzerten auch nicht zu erleben. Dann wiederum gibt es Bands, bei denen man besser gleich mehr Geld einkalkuliert, weil Platte und Liveauftritt gleichermaßen großartig sind. Und dann sind da noch die, deren Alben man nicht besitzen, aber sie wohl einmal im Leben gesehen haben muss. Zu diesen Bands gehört Fettes Brot.

Fettes Brot auf der Gilde Parkbühne in Hannover

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Dramatischer Opener vom neusten Album? Nicht bei Fettes Brot. Sie kramen ihren ersten Hit "Nordisch by Nature" von 1995 hervor und rappen ihn einfach auf die Melodien von "Ghostbusters" und "I like to Move it". Erfordert Konzentration, bringt aber gleich ordentlich Stimmung in das ausverkaufte Areal vor der Gilde-Parkbühne. Etwa 4500 Fans, die meisten zwischen 20 und 40 Jahren, will die drei Altmeister des deutschen Hip Hop sehen, etwa die Hälfte von ihnen sind Wiederholungstäter. Kein Wunder, bei so manchem werden Fettes Brot-Platten zu den ersten CDs nach den Kinderkassetten gehört haben.

Man schreibt das Jahr 1992, Eurodance und Technopop fluten die Charts. An einem Gymnasium im Landkreis Pinneberg treffen sich drei musikverrückte Teenager. Sie schließen sich zusammen und machen als Fettes Brot - na, klar - deutschen Hip Hop. Dass dieses junge Genre neben den populären Stampfbeats nicht nur existieren, sondern sich auch bestens behaupten kann, beweisen die Fantastischen Vier schließlich im selben Jahr mit ihrem Hit "Die da!?". 

24 Jahre ist das her, die Fantas werden langsam kahl auf dem Kopf und die drei "Brote" auch. Doch Alter macht weise und so wissen Martin Vandreier alias Doktor Renz, Boris Lauterbach als König Boris und Björn Warns, der sich auf der Bühne nur Björn Beton nennt, schon längst ganz genau, was ihr Publikum glücklich macht. Mitmachaktionen wie Arme-beugen zu deftigen Beats (Vandreier: "Mit unserem Sportprogramm werdet ihr 120 Jahre alt!"), kleine Anekdoten (Warns: "Ich hab' gestern im Internet ein Nacktbild von Angela Merkel gesehen." Vandreier: "Hashtag Romantik.") und natürlich Hits, Hits, Hits. Gern auch melodisch oder textlich ein bisschen abgewandelt. ("Ich liebte ein Mädchen in Hannover, sie ging mir gleich unter den Pullover", "Drei Chaoten mit dem Megabass saßen auf der Straße und spielten sich was".).

Quatsch machen und ein bisschen provozieren ("Schwule Mädchen", "Bettina, pack deine Brüste ein!") ist ein Markenzeichen von Fettes Brot, nicht nur auf der Bühne. Doch die Band kann auch ernst. Unverblümt, ehrlich und ohne Zeigefinger werden gesellschaftskritische Botschaften in eingängige Texte verpackt und rübergebracht ("An Tagen wie diesen"). Ungewöhnlich für eine Band ist allerdings, dass die Wahlhamburger die Songs ihres aktuellen Albums "Teenager vom Mars" weitgehend meiden. Eventuell, weil sie wissen, dass unbekannte Songs die Stimmung ziemlich abkühlen können. Zudem ist das neuste Werk nicht gerade das Populärste. Nach wenigen Wochen auf Platz sieben flog es schon wieder aus den Albumcharts. Vielleicht liegen mittlerweile einfach zu viele Jahre zwischen den Lebenswelten der Teens und den Alt-Hip-Hoppern.

Doch Sorgen, die "Brote" können bald verbrannt sein, muss man sich eher nicht machen. Solange sie ihre Hits so gekonnt immer neu in Szene setzen,   locken sie auch die nächsten 24 Jahre noch Fans hinter dem Ofen hervor.

 

Isabel Christian

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