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Aus der Stadt Filialleiterin gewinnt vor dem Arbeitsgericht gegen Rossmann
Hannover Aus der Stadt Filialleiterin gewinnt vor dem Arbeitsgericht gegen Rossmann
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22:21 07.12.2012
Von Michael Zgoll
Eine Filialleiterin hat vor dem Arbeitsgericht gegen die Drogeriemarktkette Rossmann gewonnen. Sie darf weiterhin im Unternehmen arbeiten. Quelle: Symbolfoto
Hannover

Das Unternehmen ist gehalten, die 44-Jährige weiterzubeschäftigen. Zwei Kündigungen - eine fristlose und eine ordentliche - seien unwirksam, so die 1. Kammer unter Vorsitz von Richterin Anke Kreß, weil es keinen „dringenden Tatverdacht“ einer Manipulation gebe. Der dreifachen Mutter war vorgeworfen worden, ihrem Sohn im März dieses Jahres anlässlich des 40. Geburtstags des Rossmann-Konzerns einen Gratiseinkauf zugeschanzt zu haben (die HAZ berichtete).

196,08 Euro war der Betrag, den eine Auszubildende an der Kasse einer Schwarmstedter Rossmann-Filiale am 17. März einbuchte. Vor ihr stand der 15-jährige Sohn der Filialleiterin, der eigentlich mit einem Einkaufsgutschein seiner Mutter bezahlen wollte; auf dem Laufband lagen unter anderem drei „Star Wars“-Masken für ihn und die beiden Geschwister. Doch weil der Konzern an diesem Jubiläumstag jedem 40. Kunden einen Gratiseinkauf versprochen hatte und der Jugendliche gerade ein solcher 40. war, musste er weder Gutschein noch Bargeld herausrücken. Der Vorgang wäre auch nicht beanstandet worden, weil Mitarbeiter und ihre Angehörigen durchaus an der Geburtstagslotterie teilnehmen durften. Außerdem war die Mutter zu diesem Zeitpunkt in einem weiter entfernten Gang an den Regalen beschäftigt.

Das Problem war allerdings, dass die Auszubildende zuvor sechsmal die Taste „Bon parken“ gedrückt hatte. Diese Taste weist Kunden als Käufer aus, die erst später zahlen wollen oder können. Schon bald fiel der Rossmann-Revision dieser merkwürdige Umstand auf. Kurze Zeit später wurde die Filialleiterin mit dem Verdacht konfrontiert, die Auszubildende zu der Manipulation an der Kasse angestiftet zu haben, am 3. April wurde die fristlose Kündigung gegen die langjährige Mitarbeiterin ausgesprochen.

Auf den entscheidenden Punkt, der die 44-Jährige entlastete, wies Rechtsanwältin Christina Zemann-Waldraff hin: Die Auszubildende hatte bereits vor der Staatsanwaltschaft betont, dass es von Seiten ihrer Chefin keine Aufforderung gegeben habe, dem Sohn den Gratiseinkauf zuzuschanzen. „Damit hat sie sich ja sogar ins eigene Fleisch geschnitten“, merkte Zemann-Waldraff an. Ob es zwischen dem Jugendlichen und der Auszubildenden irgendwelche Absprachen gegeben hat? Auch Richterin Kreß konnte hier nichts zur Aufklärung beisteuern: „Wir wissen es nicht.“ Auf jeden Fall dürfe der Mutter nicht auf der Grundlage von Vermutungen gekündigt werden.

Nach dem Urteilsspruch, der auch die Ausstellung eines Zwischenzeugnisses beinhaltete, standen der ehemaligen Filialleiterin Tränen in den Augen. 23 Jahre habe sie für Rossmann gearbeitet, immer „Riesenumsätze“ gemacht und gute Beurteilungen bekommen, sagte sie der HAZ. Dass ihr die Firma nach dieser langen Zeit mit so viel Misstrauen begegnet sei, habe sie zutiefst erschüttert: „Und ich hatte so oft um ein Gespräch mit der Geschäftsführung gebeten.“ Seit Oktober ist die dreifache Mutter bei einer anderen Firma befristet beschäftigt. Ihre monatlichen Einkommenseinbußen als „Hauptverdienerin“ der Familie beziffert sie mit bis zu 900 Euro. Ob sie in nächster Zeit tatsächlich wieder in einer Rossmann-Filiale arbeitet? Zunächst einmal muss sie abwarten, ob das Unternehmen in Berufung geht - bislang hat es an einer gütlichen Einigung kein Interesse gezeigt.

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