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So übt Hannovers Feuerwehr den Ernstfall

13. Fire Camp So übt Hannovers Feuerwehr den Ernstfall

Flammen ersticken, Autos bergen, Unfälle simulieren: Beim 13. Fire Camp haben 200 Feuerwehrleute aus Hannover auf dem Truppenübungsplatz Bergen trainiert. 100 verschiedene Übungen galt es dabei an fünf Tagen zu absolvieren. Die meisten davon wären in Hannover aus Platzgründen gar nicht möglich.

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Unter literweise Löschschaum ersticken die Feuerwehrleute die Flammen, die vorher einen VW Golf zerstörten. Das ausgemusterte Auto hatten die Brandbekämpfer zuvor selbst angezündet.

Quelle: Alexander Körner

Hannover/Bergen. Als das Feuerwehrauto auf der Rasenfläche neben den Bahnschienen anhält und die Einsatzkräfte aus dem Wagen springen, ist der dunkelrote VW nicht mehr zu retten. Meterhohe Flammen schlagen aus dem Golf, aus der kaputten Windschutzscheibe und dem Heck ragen zwei Europaletten, die der Brandstifter in den Wagen gesteckt haben muss, damit er noch besser brennt. Immer wieder knallt es, wenn Reifen platzen oder leicht entzündliche Stoffe verpuffen. Dennoch rollen die Feuerwehrleute so schnell sie können Schläuche aus, schließen sie an den Wassertank des Löschfahrzeugs an und bringen sich in Position. Unter den Augen von etwa einem Dutzend Kollegen, die plaudernd ein wenig abseits stehen - darunter auch der hannoversche Feuerwehrchef Claus Lange - schaffen sie es, die Flammen unter Löschschaum zu ersticken. Dass das Auto danach Schrott ist, interessiert nicht einmal den vermeintlichen Besitzer, der den Notruf wenige Minuten zuvor gewählt hatte. Denn die Feuerwehr selbst hat den Golf angezündet. Der Autobrand ist eine von mehr als 100 Übungen, die die Feuerwehr Hannover seit vergangenem Mittwoch im Rahmen des sogenannten Fire Camps absolviert.

Beim Trainingscamp in Osterheide trainierten rund 200 Feuerwehrleute, was zu tun ist, wenn es brenzlig wird. Ein Rundgang über den Truppenübungsplatz, der sonst von der Bundeswehr genutzt wird.

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Fünf Tage lang haben dafür rund 200 Auszubildende und Mitglieder der Berufsfeuerwehr und mehrerer Ortsfeuerwehren aus Hannover sowie ihre Kollegen aus Kassel den Nato- Truppenübungsplatz Bergen bezogen. „Hier herrscht gerade eine Art Sommerpause, in der die Bundeswehr Teile des Geländes wieder instand setzt“, erklärt Lange. „Netterweise dürfen wir bestimmte Bereiche zu Beginn dieser Zeit nutzen.“ Das Camp, das in diesem Jahr nach einer einjährigen Pause zum 13. Mal veranstaltet wird, dient vor allem dazu, Übungen durchzuführen, die in Hannover so nicht möglich wären. Das geht von einer schweren technischen Hilfeleistung, bei der ein tonnenschwerer Lastwagen nach einem Unfall mit einem Kran geborgen werden muss, bis hin zur Simulation eines Tiefbauunfalls. „Insgesamt können wir etwa 150 unterschiedliche Szenarien simulieren“, sagt Gregor Fleischmann, Leiter der Feuerwehrschulen der Berufsfeuerwehr Hannover.

Um die Übungen vor allem für die angehenden Feuerwehrleute in den Grundausbildungslehrgängen möglichst realistisch zu gestalten, hat die Feuerwehr in monatelanger Planung fünf Feuer- und Rettungswachen auf dem Gelände eingerichtet. „Dort haben die Feuerwehrleute von morgens bis abends Bereitschaft und werden dann zu den inszenierten Notfällen gerufen“, sagt Lange. Das können auch ganz alltägliche Szenarien sein.

Nur einen Steinwurf von dem gelöschten Autobrand entfernt müssen Feuerwehrleute gerade einen Opel Vectra aus einem Graben bergen. „Das ist ein typischer Einsatz, den jeder aus dem Alltag kennt“, erklärt Thomas Krohn. Der B-Dienstleiter, der sonst in der Feuerwache 10 arbeitet, fungiert während des Fire Camps als Schiedsrichter. „Wir schauen uns an, wie die Kollegen die ihnen gestellten Aufgaben lösen“, erklärt er. Dabei gebe es kein richtig oder falsch, nur effektivere und weniger effektivere Wege. „Im Fall des Autos können die Einsatzkräfte zum Beispiel entscheiden, ob sie die beiden unverletzten Insassen zuerst aus dem Wagen holen wollen, oder sie einfach beruhigen und dann mit dem Auto aus dem Graben ziehen“, erklärt Krohn. Nach dem Ende der Übung wird dann besprochen, was bei dem Einsatz gut lief und wo es Verbesserungsbedarf gibt. 

Als Rainer Hoffmann die jungen Feuerwehrleute per Funkgerät auffordert, mit ihrem Rettungswagen loszufahren, weiß er schon, dass sie seinen Test nicht bestehen werden. Als der Krankenwagen mit gerade einmal Tempo 20 an einem geparkten Lastwagen vorbeifährt, wirft Hoffmann einen gut zwei Meter langen und 40 Zentimeter dicken Schaumstoffklotz vor das Auto. Trotz Vollbremsung erfasst der Rettungswagen das Hindernis und rollt darüber. „Ich will den Kollegen nur zeigen, dass man selbst bei so einem geringen Tempo in bestimmten Situationen keine Chance hat“, sagt der Cheffahrausbilder der Berufsfeuerwehr Hannover.

Auf dem Übungsplatz gegenüber den Kasernen trainieren die Feuerwehrleute, wie sich die bis zu 18 Tonnen schweren Einsatzfahrzeuge in Extremsituationen verhalten, wie sie mit den riesigen Lastwagen unfallfrei durch enge Straßen kommen und, dass es manchmal ratsam ist, trotz Zeitdruck im Schritttempo auf eine Kreuzung zu fahren. „Vor zwei oder drei Jahren hatten wir genau so einen Unfall auf der Karl-Wiechert-Allee“, sagt Hoffmann. Da hatte ein Autofahrer das Martinshorn nicht gehört, weil er im Schatten eines Lastwagen stand. Als er auf die Kreuzung rollte, konnte der Fahrer des Rettungswagens trotz Tempo 20 nicht rechtzeitig bremsen. „So etwas merken wir uns, um es dann zu trainieren, damit es nicht mehr passiert“, sagt Hoffmann. „Dafür gibt es das Fire Camp.“

Die Feuerwehr in der Landeshauptstadt

Mehr als 800 hauptberufliche sowie 700 ehrenamtliche Einsatzkräfte sind für die Sicherstellung von Brandschutz, Hilfeleistung, Rettungsdienst und Katastrophenschutz in der Landeshauptstadt Hannover zuständig. Die Freiwillige Feuerwehr Hannover besteht aus 17 Ortsfeuerwehren. Neben den klassischen Aufgaben im Brandschutz und der Hilfeleistung nimmt die Freiwillige Feuerwehr auch Aufgaben im kulturellen Bereich und der Kinder- und Jugendarbeit in den Stadtteilen wahr. Die Berufsfeuerwehr betreibt derzeit sechs Feuer- und Rettungswachen (FRW) im Stadtgebiet. In jeder dieser Liegenschaften sind ein Löschzug und Rettungswagen stationiert. Darüber hinaus befinden sich dort verschiedene Sachgebiete der Feuerwehr sowie Sonderfahrzeuge für die Erledigung der Schwerpunktaufgaben.

  • FRW 1, Nordstadt: Information und Kommunikation bei Großschadenlagen, operative Aufgaben Werkfeuerwehr für das Continental-Werk Vahrenwald.
  • FRW 2, Stöcken: Feuerwehr-und Notfallsanitäterschulen, Großschadenlagen Rettungsdienst, Werkfeuerwehr für die Continental-Werke Stöcken und Vinnhorst.
  • FRW 3, Südstadt: ABC-Gefahrenabwehr sowie Gebäude- und Sicherheitstechnik und Atemschutz
  • FRW 4, Bornum, Tönniesberg: Logistikzentrum, Logistik, Wasserrettung und Tierrettung
  • FRW5, Roderbruch: Fahrzeug- und Gerätetechnik, persönliche Schutzausrüstung und schwere Technische Hilfeleistung
  • Feuer- und Rettungswache 10, Calenberger Neustadt: Zentrale Fachbereichsangelegenheiten und Rettungsdienst, Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz, Technische Einsatzführung und Kommunikation, Regionsleitstelle Hannover.
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