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Firma Pelikan eröffnet "Tinten-Turm" in Hannover

Traditionsfirma kehrt an Stammsitz zurück Firma Pelikan eröffnet "Tinten-Turm" in Hannover

Im Jahr 2003 verließ Pelikan die angestammten Räume an der Podbi. Jetzt zeigt das Unternehmen im Pelikan-Viertel wieder Flagge: Mehr als 100 Gäste feierten dort die Eröffnung des Tintenturms, in dem ein Shop und ein kleines Firmenmuseum untergebracht sind. Auch Veranstaltungen soll es hier geben.

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Traditionsbewusst: Mehr als 100 Gäste feierten die Eröffnung des Pelikan-Tintenturms.Traditionsbewusst: Pelikan kehrt in den Tintenturm zurück

Hannover. Er ist vielleicht der dienstälteste Angestellte Hannovers. Seinen ersten Arbeitstag bei Pelikan hatte Jürgen Dittmer am 24. Juni 1948. „Als Lehrling radelte ich zwischen Kriegstrümmern hindurch zur Arbeit“, sagt der 88-Jährige, der bis heute als Archivar bei Pelikan beschäftigt ist. Im Jahr 2003 verließ der Traditionsbetrieb seine angestammten Räume im Pelikan-Viertel. Auch Dittmer zog mit seinem Archiv in die nahe Werftstraße um. Jetzt ist er wieder zurückgekehrt: „Die Räume hier sind ein Gedicht – da geht einem einfach das Herz auf“, sagt der ansonsten eher nüchterne Archivar.

Pelikan hat im "Tinten-Turm" jetzt einen Shop, ein Museum und einen Raum fuer Events eingerichtet.

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Pelikan zeigt jetzt wieder Flagge im Pelikan-Viertel an der Podbielskistraße: „Wir kehren zurück zu unseren Wurzeln“, sagt Vorstandsmitglied Frauke Wandrey. Mehr als 100 illustre Gäste feierten am Dienstag die Eröffnung des „Tintenturms“ im ehemaligen Stammhaus am Pelikanplatz 21 - stilecht mit farbigen Drinks von der "Tintenbar". Ein Shop, ein moderner Showroom und Dittmers Archivschätze haben hier ihren neuen Platz gefunden. Rund 700 Quadratmeter hat Pelikan für diese Mischung aus Laden, Museum und Veranstaltungszentrum angemietet, von dem Luxemburger Fonds, der heute Eigentümer des alten Pelikan-Viertels ist.

Für Pelikan ist der Tintenturm eine Investition in die Marke. Ein Stück Traditionspflege. "Marken haben Leuchtturmfunktion, wenn sie gut gemanagt werden", sagte Christian Köhler, Hauptgeschäftsführer des Markenverbandes Berlin in seiner Eröffnungsrede - gerade in unruhigen Zeiten erlebten diese eine Renaissance. Der Pelikan-Pelikan wurde 1878 als Warenzeichen eingetragen: "Pelikan liefert seit Jahrzehnten", sagte Köhler.

Der Vorstandsvorsitzende der Pelikan AG, Claudio Seleguan, pries die Authentizität des historischen Ortes: "Tausende Mitarbeiter haben hier Arbeit und ein Zuhause gefunden", sagte er. Seleguan, selbst Nachkomme des legendären Conti-Direktors Siegmund Seligmann, erinnerte an den "mutigen, visionären" Pelikan-Chef Fritz Beindorff - und verschwieg nicht, dass dieser jüngst ins Zwielicht geraten war:  "Mit seiner bislang ungeklärten Verantwortung in der NS-Zeit setzen wir uns heute auseinander", versprach er.

Herzstück der neuen, alten Pelikan-Räume ist der historische Saal. Das architektonische Kleinod wurde zuletzt vom Staatsorchester genutzt. Fritz Beindorff ließ den repräsentativen Raum, der von fern an eine Kirche erinnert, 1913 einrichten. Zum 75-jährigen Firmenjubiläum schuf damals der Stararchitekt Karl Siebrecht, der auch am Neuen Rathaus und am Bahlsen-Bau mitwirkte, den heutigen Tintenturm. Für die Ausstattung engagierte Beindorff die Creme der Kunstschaffenden: Passend zu den reichen Jugendstil-Schnitzereien kreierte Bildhauer Ludwig Vierthaler Majoliken und Fliesen. Adolf Hölzel designte die Glasmosaikfenster, die den Saal in lichtvollen Glanz tauchen.

„Die Industrie, die lange genug als Feindin der Kunst betrachtet wurde, beginnt nun deren große Schützerin und Auftraggeberin zu werden“, schwärmte damals Paul Erich Küppers, der erste Direktor der Kestnergesellschaft. Fabrikant Beindorff inszenierte sich selbst als kunstsinniger, moderner Mäzen. In dem Saal ist nun der restaurierte Sessel, auf dem er einst thronte, wieder präsent – mit original Pelikan-Armlehne. "Ich fühle mich hier wieder wie zuhause", sagte Johann-Christoph Beindorff, der 88-jährige Enkel des Pelikan-Chefs.

„In diesem Saal soll es Veranstaltungen und Ausstellungen geben“, sagt Pelikan-Justitiar Detmar Schäfer. Schriftstellerin Elke Heidenreich hat schon für eine Lesung zugesagt. Derzeit präsentieren Studenten der Visuellen Kommunikation von der Hochschule Hannover dort ihre kreativen Interpretationen traditioneller Pelikan-Werbeplakate.  In Vitrinen sind historische Tintenfässer und der erste Pelikan-Kolbenfüllhalter von 1929 zu sehen.

Neben diesem kleinen Firmenmuseum liegt der Shop, in dem es (zeitgenössische) Wachsmalstifte und Pinsel zu Vorzugspreisen gibt. Zwar wird in den Tintenturm nur eine Handvoll der rund 120 Mitarbeiter einziehen, die Pelikan in Hannover hat; die Verwaltung bleibt am Kanal, die Produktion in Peine-Vöhrum. Und doch ist es, als wäre der Vogel in sein altes Nest zurückgekehrt. „In der Füllhalterfabrik habe ich 1948 angefangen“, sagt Archivar Dittmer. „Nur einen Steinwurf von meinem jetzigen Arbeitsplatz entfernt.“

Der Tintenturm ist auch Ausgangspunkt für Führungen über das Gelände. Nächster Termin ist am Donnerstag, 11 Uhr. Anmeldung per Mail unter Angabe einer Telefonnummer unter fuehrungen@tintenturm.de

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