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Aus der Stadt Hundeleckerlis aus Milch
Hannover Aus der Stadt Hundeleckerlis aus Milch
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00:24 10.12.2015
Von Bernd Haase
Anke Domaske im Einsatz: Mittlerweile gehören auch Leckerlis für Hunde zum Produktportfolio bei Qmilk. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Im Sitzungsraum der Firma Qmilk im Gewerbepark an der Göttinger Chaussee hängen mittlerweile an der dritten Wand die ersten Urkunden; zwei andere sind schon gefüllt. Beim Durchzählen kommt man auf 17 Unternehmer- und Gründerpreise, die Inhaberin Anke Domaske seit 2011 gewonnen hat. Außerdem befinden sich dort die Patent­urkunden, die das wichtigste Kapital des Unternehmens bilden – das Wissen um das Verfahren, wie man aus dem Milcheiweiß Kasein ohne chemische Zusatzstoffe wetter-, reißfeste und waschbare Fasern etwa für die Modebranche herstellt. Es ist fast ein bisschen wie mit dem legendären Coca-Cola-Rezept: „Die Formeln liegen im Tresor und sind meines Wissens nach bisher weltweit nicht nachgeahmt worden“, sagt Domaske.

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Unternehmerin Anke Domas produziert mit ihrer in Ricklingen ansässigen Firma Qmilk Textilfasern aus Milch – mittlerweile stellt sie sogar Leckerlis für Hunde her.

Die 32-jährige Firmenchefin hat in den vergangenen Jahren ein Produktionsunternehmen auf die Beine gestellt, das gerade das Experimentierstadium hinter sich lässt und zum Laufen kommt. „Ich habe anfänglich nicht geahnt, was auf mich zukommt und zum Glück als komplette Quereinsteigerin einfach losgelegt“, sagt sie rückblickend. Die 17 Preisurkunden sind dabei nicht nur von ideellem Wert. „Mit dem gewonnenen Geld haben wir die Anfänge finanziert“, erklärt sie. Mittlerweile stecken 6 Millionen Euro in dem Unternehmen, ein Mix aus Venture-Kapital, Bankkrediten und stillen Beteiligungen. Zwei Dinge sind Domaske wichtig. „Die Firma ist mein Kind, ich will Entscheidungen unabhängig treffen können. Und ich will die Technik im Hause behalten, nichts auslagern“, sagt die Unternehmerin, die mittlerweile 20 Mitarbeiter je zur Hälfte in Produktion und Verwaltung beschäftigt.

Idee kam in der Küche

Weil das so ist, steht in der Fertigungshalle auch eine Werkstatt, in der der Maschinenbauer Andreas Dumler die Spinndüsen fertigt, Herzstück der Produktionsmaschine. „Wir stellen Fasern her, die halb so dick sind wie menschliche Haare“, schildert er. Domaske hat die Rezeptur dafür einst mit Freundinnen in der Küche ausgetüftelt und dafür Haushaltsutensilien wie Kochtopf und Einkochthermometer benutzt. Heute steht in der Halle in Oberricklingen ein sogenannter Extruder. „Man muss sich das vorstellen wie eine große Nudelmaschine“, erklärt der technische Leiter Christoph Nagler. Die Maschine wird mit Eiweißpulver befüllt – Domaske legt Wert darauf, dass dafür ausschließlich Milch genommen wird, die für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet ist –, dann mit Wasser und natürlichen Zusatzstoffen versetzt erhitzt. So entsteht eine mattweiße, knetgummiähnliche Masse, die zu Fasern ausgebildet, verzwirnt und versponnen und schließlich auf Spulen gewickelt wird.

Mit diesem Verfahren hat Domaske, die auch noch ein eigenes Modelabel unterhält und mittlerweile aus dem Ökostoff auch Hundeleckerlis und eine Kosmetikserie fertigt, weltweit Aufmerksamkeit erregt. Das gilt seit den ersten Berichten in der HAZ über Qmilk für das Medieninteresse, zuletzt waren Fernsehteams aus Japan und Kuweit in Oberricklingen. Auch im Discovery Channel läuft bald ein Beitrag. Wichtiger ist aber die Nachfrage nach dem Produkt. Allein für die Fasern aus dem Milchprotein gibt es mehrere Hundert Anfragen vor allem aus der Textilbranche. Mit einem Stoff, bei dem Allergiker keine chemischen Beigaben fürchten müssen, hat Qmilk eine echte Marktnische gefunden. Auch die Autoindustrie, die Medizintechnik und Raumausstatter haben schon Interesse bekundet.

„Mein Hobby ist die Firma“

Firmeninhaberin Domaske ist Mikrobiologin, was ihr bei der Entwicklung der Biofaser nutzte. Sie ist aber auch Wirtschaftswissenschaftlerin, was nun verstärkt in den Fokus rückt. „Wir haben die Forschungs- und Entwicklungsphase hinter uns. Jetzt geht es darum, die Produktion aufzubauen und die Prozesse stabil zu halten“, sagt sie. Sechs Stunden pro Tag fertigt der Extruder derzeit Fasern, das soll sich bald erheblich ausweiten. Über Umsätze redet Domaske noch nicht öffentlich, sagt aber, dass der Break-Even-Point, also die nachhaltige Gewinnschwelle, noch nicht erreicht ist.

Daran arbeitet die gebürtige Sachsen-Anhaltinerin, deren Unternehmergeist im zarten Alter von drei Jahren in Form des Verkaufs von Kirschblüten aus dem Garten ihrer Großeltern an Passanten aufblitzte, unermüdlich. Sie wohnt in der Nähe des Firmengeländes an der Göttinger Chaussee und beziffert ihr tägliches Pensum auf 16 Stunden von 6 bis 22 Uhr. Raum für Privatleben und Hobbys lässt das nicht mehr. „Mein Hobby ist die Firma, und ich will es auch gar nicht anders“, sagt sie, und zwar völlig ohne die Koketterie, die Arbeitswütigen manchmal zu eigen ist. Sie kann sich derzeit nicht vorstellen, Qmilk eines Tages in Richtung Börse zu manövrieren. Wie gesagt: Es ist ihr Kind und soll es auch bleiben.     

Mehr als nur Mode

„Ich liebe jedes unserer Produkte“, sagt Anke Domaske. Da muss sie ihre Zuneigung teilen. Die Palette, die Qmilk anbietet, hat zuletzt Zuwachs erhalten.

Textilindustrie und Mode: Die Herstellung von Fasern macht etwa 80 Prozent des Volumens bei Qmilk aus und ist auch für das große Interesse an der Firma verantwortlich. Sogar Hollywoodstars tragen Kleidung aus dem Ökoprodukt. Naturbewusste Modefans finden auf der Internetseite mcc-style.com Angebote und Anbieter. Das Kürzel MCC steht dabei für „Mademoiselle Chi Chi“. Unter diesem Namen hat Domaske als 19-Jährige ihr eigenes Modelabel gegründet.

Kosmetik: Cremes, Öle, Peelings – Qmilk ist mit einer eigenen Serie gestartet. Auch hier werden ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe verwendet. Die Produkte können über die Internetseite qmilk-cosmetics.com eingesehen und bestellt werden. Wer es handfester mag, geht in die Ernst-August-Galerie am Hauptbahnhof. Dort ist Qmilk im Erdgeschoss den gesamten Dezember über mit einem Stand vertreten.

Hundeleckerlis: Unter der Bezeichnung Qchefs hat die Firma in diesem Jahr Kauknochen für Hunde entwickelt. Sie basieren auf Hüttenkäse, sind laut Werbung eine Proteinbombe und befördern gleichzeitig Muskelaufbau und Zahnreinigung bei den Vierbeinern. Unter qchefs.de lässt sich Weiteres erfahren.

Biopolymere: Der nächste ambitionierte Plan – die Firma will aus natürlichen Rohstoffen elastische und harte Artikel entwickeln, die bisher noch aus Kunststoff gefertigt werden. Domaske denkt dabei beispielsweise an Kinderspielzeug, Behälter und Verpackungsmaterialien. Einzelne Prototypen existieren schon. se     

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