Dieses Mal sieht Michael Hemmerde, Personalchef der Mattheis GmbH, dem Beginn des Ausbildungsjahres optimistischer entgegen als sonst. Für die beiden Lehrstellen, die in der Tischlerei der Messebaufirma zu besetzen sind, gingen gute Bewerbungen ein, darunter die des 30-jährigen Gustavo Martinez, der ein Architekturstudium vorweisen kann. „Da muss ich wohl nicht mehr am Wochenende mit den Azubis Dreisatz üben“, sagt Hemmerde.
In den vergangenen Jahren hat der Personalchef das Rechentraining in der Not immer mal wieder zu seiner Aufgabe gemacht. Klagen über die Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen kann Hemmerde deshalb nachvollziehen. In der Ausbildungsumfrage 2010 der Industrie- und Handelskammer Hannover hatten zum ersten Mal mehr als 60 Prozent der Firmen mangelnde Leistungsbereitschaft und Motivation der Bewerber bemängelt.
Vieles davon entspricht Hemmerdes Erfahrungen. Manchen Auszubildenden falle es sogar schwer, einen kurzen Text zu schreiben oder eine schriftliche Arbeitsanweisung zu verstehen, sie seien auch in den Grundrechenarten und bei Textaufgaben nicht sicher. Wenn Lehrlinge in der Berufsschule absacken, lässt Hemmerde sie nacharbeiten, spricht mit den Eltern oder springt selbst als Nachhilfelehrer ein. „Wir wollen uns nicht die Blöße geben, dass unsere Azubis ihr Ziel nicht erreichen.“
Die Messebauer bilden seit 1997 aus, weil sie junge Leute gezielt auf die Anforderungen im eigenen Betrieb vorbereiten wollen. Und die sind durchaus speziell. Die Firma entwirft und baut Messestände für Kunden aus aller Welt. „Unsere Tischler bauen unsere Konstruktionen auf Messeplätzen wie München oder London auf, sie müssen schnell eine Lösung finden, wenn vor Ort Probleme auftauchen.“ Auf Hemmerdes Liste mit Anforderungen an Auszubildende tauchen deshalb auch Stichworte wie „Verständnis für andere Kulturen“, „Kreativität“ oder „Toleranz“ auf. „Und ohne Englisch geht es heutzutage gar nicht mehr.“
Doch an das Wunschbild reicht kaum ein Bewerber heran. Personalchef Hemmerde hat beobachtet, dass der Beginn der Lehre für Jugendliche oft einem Kulturschock gleichkommt. „In der Schule konnten sie im Unterricht abschalten. Hier stehen sie ständig unter Beobachtung, sind Stress ausgesetzt.“ In dem Betrieb mit 20 Mitarbeitern herrsche in der Saison oft großer Termindruck. „Und mancher Jugendliche versteht zunächst nicht, dass sein privates Handy mitten in der Arbeitszeit besser nicht klingeln sollte.“
In der Ausbildungsabteilung der Handwerkskammer Hannover mag man manches Urteil aus den Firmen nicht so recht teilen. „Die Qualität der Schulabgänger ist nicht schlechter geworden“, sagt Carl-Michael Vogt, Leiter Berufliche Bildung. Fremdsprachen- und EDV-Kenntnisse hätten sich generell sogar verbessert. Allerdings habe sich die Erziehung im Elternhaus verändert, sagt Vogt – aus Sicht von Handwerksmeistern zum Negativen. „Jugendliche lernen oft nicht mehr, Grenzen und Autoritäten anzuerkennen. Und das führt im Arbeitsalltag zu großen Problemen.“
In der Ausbildungsplatzvermittlung der Handwerkskammer beobachten Sonja Giesemann und Katharina Baier außerdem, dass viele Jugendliche in ihrer Freizeit in Passivität versinken. Als Beispiel führt Baier einen jungen Mann an, der seine Nachmittage mit Spielen am PC, Internetsurfen und dem Plausch mit Freunden verbringt. „Er trifft so nicht auf Anforderungen, setzt sich keine Ziele“, sagt Baier. Aktives Freizeitverhalten sei aber ein wichtiges Kriterium für eine erfolgreiche Ausbildung.
Vogt ist davon überzeugt, dass Betriebe angesichts zurückgehender Schulabgängerzahlen in Zukunft mit größerer Sorgfalt nach dem passenden Azubi suchen müssen. Doch gerade Handwerksbetriebe, die meist weniger als zehn Mitarbeiter zählen, haben sich darauf noch nicht vorbereitet. Die Kammer will die Unternehmen dabei unterstützen. „Sie sollten genau klären, was für sie ein guter Lehrling ist“, sagt Baier. Und in der Stellenausschreibung müsse die Firma sich selbst präzise beschreiben. „Es ist ein Unterschied, ob ein Malerbetrieb für einen exklusiven Kundenkreis Privatschwimmbäder gestaltet oder Spezialbeschichtungen auf Brücken und Windrädern aufträgt.“ Und auch Handwerksbetriebe sollten früh mit der Suche starten, sagt Vogt.
Große Firmen wie die Ricoh Deutschland GmbH mit bundesweit 2000 Mitarbeitern, davon 700 in der Hauptverwaltung in Hannover, haben das längst begriffen. Das IT-Unternehmen an der Vahrenwalder Straße vertreibt Multifunktionsgeräte für digitale Bürokommunikation, die drucken, scannen, kopieren und faxen können. Und das Unternehmen zieht alle Register, um sich selbst bei Jugendlichen bekannt zu machen. Ricoh-Mitarbeiter gehen dafür an Schulen und auf Ausbildungsmessen, laden Kinder zum Zukunftstag und veranstalten einen eigenen Tag der Ausbildung, an dem Azubis ihre Berufe Schülern vorstellen.
Jedes Jahr besetzt Ricoh rund 50 seiner derzeit 181 Lehrstellen neu – und kann sich unter guten Bewerbern die passenden aussuchen. So wie Antonia Backe, die Informationselektronikerin lernt. Die 18-Jährige arbeitet aktuell in der Abteilung, die Geräte für die Kunden vorinstalliert. Sie ist von der technischen Seite des Berufs begeistert und freut sich gleichzeitig sehr, ab August sechs Wochen im Servicecenter in Stuttgart zu arbeiten. „Wir dürfen schon in der Ausbildung zu den Kunden in den Betrieb. Damit wird uns viel Verantwortung übertragen“, sagt sie. Manchen Bewerbern lägen Kundenkontakt und bundesweiter Einsatz nicht, sagt Sabine Walterskötter aus der Personalabteilung. „Andere finden das toll. Und die nehmen wir.“
Wo liegen die Probleme?
Die Kritik von Ausbildungsbetrieben an der mangelnden Qualifikation der jugendlichen Bewerber ist nichts Neues. Dennoch weist die Ausbildungsumfrage 2010 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover auf neue Entwicklungen hin. Beinahe jedes dritte der rund 1850 befragten Unternehmen hat im Jahr 2009 im Vergleich zu den drei Vorjahren weniger Bewerbungen erhalten. Der Rückgang der jüngeren Bevölkerung zeichnet sich bereits ab.
Unternehmen mit mehr als 249 Mitarbeitern haben bisher keine Probleme, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Mittleren Unternehmen gelang das 2009 nur noch bei 92 Prozent der Stellen. Kleine Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern dagegen fanden nur für 82 Prozent ihrer Lehrstellen geeignete Bewerber.
Insgesamt konnten 91 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze besetzt werden. Sechs Prozent blieben frei, weil die Bewerber trotz abgeschlossenem Ausbildungsvertrag die Stelle nicht antraten. Die Betriebe vergaben drei Prozent der Lehrstellen nicht, weil sich keine geeigneten Bewerber fanden.
Bisher beginnen 57 Prozent der befragten Unternehmen ihre Suche nach Azubis sieben bis zwölf Monate vor Ausbildungsbeginn, 39 Prozent fangen sechs Monate vorher oder noch später an. Die IHK geht davon aus, dass viele Firmen dieses Vorgehen in Zukunft überdenken müssen.
Mehr als 60 Prozent der Unternehmen beklagten mangelnde Leistungsbereitschaft und Motivation ihrer Bewerber, rund 50 Prozent stellten deutliche Schwächen beim schriftlichen Ausdrucksvermögen und bei elementaren Rechenfähigkeiten fest. Über 40 Prozent der Unternehmen bemängelten auch fehlende Disziplin, Belastbarkeit und mündliches Ausdrucksvermögen.
Kommentare
@ Pattenser Pattex – 06.08.10
Man kann auch den Kopf in den Sand stecken und die Realität ignorieren, allerdings hilft das bekanntermaßen nicht und die Probleme werden dadurch nicht weniger.Ausbildungsgüte Pattenser – 05.08.10
Ausbildung ist nicht gleich Ausbildung. Vor 40 Jahren war ich Auszubildender in einem Handwerksbetrieb. Ein Jahr lang Ölwechsel und abschmieren. In den benachbarten Flugzeugwerken eine Lehrwerkstatt mit qualitativ hochwertiger Ausbildung. Hat sich daran etwas geändert? Hier sollte man mal nachfragen. Hängt die Qualität von Ausbildung nach wie vor von der Größe der Betriebe ab? Gibt es Qualitätsstandards für Ausbildungsbetriebe? Und übrigens, meine Kollegen vor 40 Jahren waren des Dreisatzes auch nicht mächtig, führen heute aber ein Unternehmen.Oder fragen sie mal den Meister, ob er sich noch an A=g*h/2 erinnnert.
Gebt den jungen Leuten eine Chance und jammert nicht so viel.
@ Alle Korrektor – 05.08.10
ES geht nicht um Zeitarbeit in diesem Bericht, sondern um die Qualifikation von Schülern/Jugendlichen im Hinblick auf eine Ausbildung. Bitte beim Thema bleiben.Lesen Sie doch einfach mal den Beitrag von Esco und Sie werden einige Gründe feststellen warum Ausbildungsfähigkeit immer schlechter wird. Ausdrucksvermögen, Sprache, Rechtschreibung, etc. sind verheerend, nur ein Beispiel, das stellvertretend für viele steht...
Zeitarbeit Pattenser – 04.08.10
Zeitarbeitsfirmen bilden selbst nicht aus, sondern nehmen nur ausgebildete Mitarbeiter. Mithin haben sie an Ausbildung kein Interesse. Das Geschäftsziel heißt Geld verdienen. Weiter nichts. Ist die Auftragslage schlecht, wird sofort entlassen. Was nützen da 3-monatige Kündigungsfristen. Eben eine moderne Form der Ausbeutung. Ich habe einige Jahre für brunel gearbeitet. So schnell wie dort bin ich sonst nie wieder gekündigt worden. Der Systemfehler liegt allerdings in den für Arbeitslose beschissenen Arbeitsgesetzen. Weg damit. Die schützen eher die faulen festen Mitarbeiter, als die arbeitswilligen Arbeitslosen.Ursprungsthema Hannover – 04.08.10
Also, ich habe mir da mal die vorherigen Kommentare mal durchgelesen und stelle fest, dass eine gesellschaftspolitische Debatte entbrannt ist.Fakt ist, Motivation für Ausbildung ist sowohl aus Gründen des sozialen Umfelds als auch aus anscheinender Perspektivlosigkeit gesunken.
Schuldzuweisungen lassen sich in verschiedene Richtungen verteilen: Eltern, Freunde, Betriebe, Lehrer, Staat. Aber ob das etwas nützt, nämlich über Geschehenes lange zu lamentieren, ist auch nicht erwiesen.
Vielleicht sollte man einfach mal Lösungsansätze aufzeigen!
Ausbildung diente ja ursprünglich mal dazu, Nachwuchs für den Betrieb, bzw. für die Gesamtheit der Betriebe zu qualifizieren, auszubilden. Vielleicht sollte man dies focieren und dann stärke Perspektiven schaffen, Möglichkeiten aufzeigen, z.B. Übernahmemöglichkeiten, Aufstiegschance nach der Ausbildung. All das, was einem ein Ziel sein kann, und womit man sich als junger Mensch etwas aufbauen könnte.
@Wanni: Zeitarbeit mag schön sein, aber Outsourcing, Ausgliederung und wie man es benennen darf, führt in der Konsequenz zu einem immer weitergehenden Kaufkraftverlust in der Volkswirtschaft Deutschland. Auch hier sollte man nicht groß diskutieren. Hätten alle nen regulären Job und würden reguläres Branchengehalt der Branche, in der sie arbeiten erhalten, würde es vielen Menschen besser gehen. Und ja, sicher werden Tarife unterwandert. Nur das ganze nachzuweisen, ist schwierig, da der betroffene Mitarbeiter dann meoist der leittragende ist. Er ist ja dann quasi bei Klage gegen die Missstände aus Sich eines jeden Arbeitgebers ein Aufwiegler... Solche Fälle gibt es auch in normalen Betrieben, aber in einem Abhängigkeitsverhältnis, in dem der Mitarbeiter von um die 10€ pro Stunde leben bzw. eine Familie ernähren muss, ist das glatte Träumerei.
Es bleibt auf lange Sicht abzuwarten, wie der Arbeitsmarkt sich entwickelt. Je mehr Zeitarbeit und Werkverträge es gibt, um so schneller findet auch in diesen Bereichen gewerkschaftliche Organisation statt, was dann aus Sicht der Gewerkschaftsmitglieder schnell eine entsprechende Machtposition bei Entgeltverhandlungen mit sich bringt.
Aber vielleicht ist bis dahin Deutschland auch Niedriglohnland und die Mongolei erbringt Top Zuwachsraten...
Ursprungsthema Hannover – 04.08.10
Also, ich habe mir da mal die vorherigen Kommentare mal durchgelesen und stelle fest, dass eine gesellschaftspolitische Debatte entbrannt ist.Fakt ist, Motivation für Ausbildung ist sowohl aus Gründen des sozialen Umfelds als auch aus anscheinender Perspektivlosigkeit gesunken.
Schuldzuweisungen lassen sich in verschiedene Richtungen verteilen: Eltern, Freunde, Betriebe, Lehrer, Staat. Aber ob das etwas nützt, nämlich über Geschehenes lange zu lamentieren, ist auch nicht erwiesen.
Vielleicht sollte man einfach mal Lösungsansätze aufzeigen!
Ausbildung diente ja ursprünglich mal dazu, Nachwuchs für den Betrieb, bzw. für die Gesamtheit der Betriebe zu qualifizieren, auszubilden. Vielleicht sollte man dies focieren und dann stärke Perspektiven schaffen, Möglichkeiten aufzeigen, z.B. Übernahmemöglichkeiten, Aufstiegschance nach der Ausbildung. All das, was einem ein Ziel sein kann, und womit man sich als junger Mensch etwas aufbauen könnte.
@Wanni: Zeitarbeit mag schön sein, aber Outsourcing, Ausgliederung und wie man es benennen darf, führt in der Konsequenz zu einem immer weitergehenden Kaufkraftverlust in der Volkswirtschaft Deutschland. Auch hier sollte man nicht groß diskutieren. Hätten alle nen regulären Job und würden reguläres Branchengehalt der Branche, in der sie arbeiten erhalten, würde es vielen Menschen besser gehen. Und ja, sicher werden Tarife unterwandert. Nur das ganze nachzuweisen, ist schwierig, da der betroffene Mitarbeiter dann meoist der leittragende ist. Er ist ja dann quasi bei Klage gegen die Missstände aus Sich eines jeden Arbeitgebers ein Aufwiegler... Solche Fälle gibt es auch in normalen Betrieben, aber in einem Abhängigkeitsverhältnis, in dem der Mitarbeiter von um die 10€ pro Stunde leben bzw. eine Familie ernähren muss, ist das glatte Träumerei.
Es bleibt auf lange Sicht abzuwarten, wie der Arbeitsmarkt sich entwickelt. Je mehr Zeitarbeit und Werkverträge es gibt, um so schneller findet auch in diesen Bereichen gewerkschaftliche Organisation statt, was dann aus Sicht der Gewerkschaftsmitglieder schnell eine entsprechende Machtposition bei Entgeltverhandlungen mit sich bringt.
Aber vielleicht ist bis dahin Deutschland auch Niedriglohnland und die Mongolei erbringt Top Zuwachsraten...
Zeitarbeit ist gut und notwendig wanni – 04.08.10
Wieder jemand der etwas gehört hat, die Thematik aber nicht kennt und nur das wiederholt, was andere gesagt haben, die auch nichts davon verstehen und die auch nur gehört haben....Ja, die Zeitarbeitsunternehmen dran.
Ja, die Zeitarbeitsunternehmen wollen mehr zahlen und wollen den Mitarbeitern Weihnachtsgeld zukommen lassen. Aber wenn nichts verdient wird, dann ist nichts da zum verteilen.
Es zahlen auch "normale" Firmen kein Weihnachtsgeld und bezahlen den Mitarbeitern einen schlechten Lohn.
Sicher gibt es schwarze Schafe, aber die breite Masse ist das nicht. Auch bei den "normalen" Firmen gibt es schwarze Schwarze. Wir bei denen was gesagt? Nein.
Über die Zeitarbeit zu schimpfen scheint irgendwie schick zu sein.
Es gibt Tarif Verträge, die die Arbeitnehmervertreter (Gewerkschaften) verhandelt und festgelegt haben. An diese Tarifverträge haben sich alle zu halten.
Die Zeitarbeitsunternehmen können kein Lohn von 6 Euro zahlen, denn sonst würden sie bei den regelmäßigen Kontrollen ihre Erlaubnis verlieren.
Das Rechenbeispiel hinkt vorne und hinten. Daran erkennt man den Uninformierten. Einfach mal paar Zahlen zusammenwürfeln, die man mal da und dort gehört hat und daraus ein Beispiel konstruieren, dass es so nicht gibt und auch nicht geben kann. Schon mal überlegt, was Arbeitskosten sind?
Woher soll zum Beispiel ein Zeitarbeitsunternehmen das Geld herbekommen, wenn der Mitarbeiter mal Krank wird und der Kunde für Ausfälle nicht zahlen muss?
Wie funktioniert ein Markt? Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis und damit die Arbeitskosten.
Es nervt wirklich, wenn jeder sein Senf dazu geben muss.
Ein angehender Azubi kennt sich natürlich bestens aus. Er hat ja schon lange gearbeitet und wurde schlecht bezahlt und ständig entlassen.
Jeder hat die Möglichkeit, zu einem Zeitarbeitsunternehmen zu gehen und sich dort zu informieren.
Bei dem Stichwort fällt mir noch folgendes ein.
Kein Arbeitssuchender wird gezwungen bei einem Zeitarbeitsunternehmen zu arbeiten. Der Arbeitssuchende verhandelt selbst, in welche Tarifstufe er eingruppiert wird und wenn er gut ist, kann er auch mehr für sich herausholen.
Der Arbeitssuchende unterschreibt den Arbeitsvertrag auch selbst und niemand zwingt ihn dazu. Die Arbeitsverträge werden von der Arbeitsagentur geprüft. Schon allein deswegen ist das ganze Geschwätz von Sklaven und Ausbeutung vollkommen Sinnlos.
Ich kann mich nur wiederholen. Erst informieren dann diskutieren.
Ich habe gehört das dies und das uns so weiter. Wirklich eine solide Informationsbeschaffung.
@ Vater eines Azubi Gerhard von der Felde – 04.08.10
Vieles was hier geschrieben wurde, ist sicherlich richtig.Ja,leider.
Ich kann und will auch nicht verstehen, dass viele Bewerbungen unserer Jugendlichen so saumiserabel und damit nicht akzeptabel sind.
Das ist schade,aber man kann die Augen vor der Wirklichkeit nicht verschließen. Woran liegt das?
Man muss aber auch einmal die andere Seite sehen.
Aha.
Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass heute von vielen Firmen nur noch Auszubildende mit Abitur gesucht werden, egal, um welche Ausbildung es sich auch dreht.
Welchen Grund kann das wohl haben? Vielleicht sind Abiturienten von einer IGS die Realschüler von gestern?
Da frage ich mich manchmal wirklich, ob Ihre Messlatte nicht viel zu hoch angesetzt wird.
Die Auszubildenden müssen schon in der Lage sein, auch mit komplexen Dingen fertig zu werden, da kann die Messlatte für den Bedarf gar nicht hoch genug gehängt werden.
Da werden mehr als 35 Bewerbungen abgelehnt (bzw. es kommt überhaupt keine Rückmeldung) , bei denen mit Sicherheit keine Rechtschreibfehler vorhanden waren, ohne dass es überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch gekommen ist.
Könnte ja auch an den Zensuren liegen?
Wenn Sie wirklich glauben, dass es in Deutschland nur Azubis gibt, die schon alle Fertigkeiten eines Facharbeiters mitbringen, dann haben Sie allerdings eine falsche Vorstellung.
Genau, diese Vorstellung hat ja auch niemand :-)
Eigentlich sollten Sie sie ausbilden und weiter auf das weitere Leben vorbereiten.
Auch richtig, aber dazu braucht es Auszubildende, die ausbildungsfähig sind und die werden bei gleichzeitig steigenden Anforderungen ständig weniger.
Ich denke, da muss auch von Ihrer Seite etwas umgedacht werden.
Es geht nicht ums Umdenken, sondern um grundlegende Anforderungen für eine Ausbildung die erwartet werden kann und nicht um das Absenken von Niveau. Das geht schlicht nicht und Dummies brauchen wir in diesem Land nicht für qualifizierte Ausbildungen.
Dann klappts auch wieder mit den Azubis.
Diese Hoffung ist schlicht irreal
Zeitarbeit... tztztz JAV – 04.08.10
Hallo,Zeitarbeit ist nicht gut und wird es auch nicht werden! Man nennt diese Arbeitsverhältnisse nicht umsonst "prekär".
Wow, ein festes Arbeitsverhältnis bei einem Arbeitgeber, der ja so viel für seine Mitarbeiter tut... Ja, Zeitarbeitsfirmen sind arm dran und würden natürlich gern mehr zahlen, die 37 Stunden Woche einführen und allen Mitarbeitern finanzielle Sonderzahlungen, wie z.B. Weihnachtsgeld, zukommen lassen...
Sicher mag es ein paar Anbieter von der zuvor beschriebenen Qualität geben, aber sicher nicht die breite Masse.
Wenn der Facharbeiterlohn bei Brutto 17€/Stunde liegt, zahlen viele Arbeitgeber an den Zeitarbeitsanbieter ca. 20-25€/Stunde. Endergebnis ist dann, dass dem eigentlich arbeitenden Zeitarbeiter ca. 6-9€ brutto pro Stunde bezahlt werden und das dann auch noch leistungsabhängig.
Ich würde mal schätzen, dass so etwas nicht gerade tariflich verankert ist.
Fazit des Ganzen wird eh sein, dass immer mehr Menschen in Zeitarbeit arbeiten werden, dass System der Sozialversicherungen so immer weiter überspannt wird und wir so unter dem Vorwand des immerwährenden Kostendrucks zu einer Gesellschaft werden, in der Fachkräfte, egal ob jung oder alt, deutlich unter dem Niveau von heute bezahlt werden.
Hire and fire! Es lebe der unbefristete Arbeitsvertrag mit einer Zeitarbeitsfirma!
Da ist man auch nicht grad motiviert als angehender Azubi. Sicher trägt auch das soziale Umfeld und das Elternhaus dazu bei. Es ist die Gesamtmischung, die das ganze zu einem gefährlichen Cocktail werden lässt.
Zeitarbeitsunternehmen sind KEINE Sklavenhändler Wanni – 04.08.10
Immer wieder reden die Leute von Dingen, die Sie nicht verstehen.Erstens: Ein Mitarbeiter bei einem Zeitarbeitsunternehmen wird festeingestellt.
Zweitens: Die Mitarbeiter werden nach Tarif bezahlt, den übrigens die Gewerkschaften, also die Arbeitnehmervertreter verhandelt haben.
Drittens: Die Mitarbeiter werden nach Ihrer Qualifikation bezahlt, wie in jedem Tarifsystem auch.
Viertens: Ein Zeitarbeitsunternehmen unterliegt der staatlichen Kontrolle. Zeitarbeitsunternehmen können niemanden versklaven. Jedes andere Unternehmen kann Mitarbeiter versklaven, weil dort keine Kontrollen stattfinden.
Fünftens: Die Unternehmen, die die Zeitarbeitnehmer von den Zeitarbeitsunternehmen "ausleihen" bestimmen den Preis. Jedes Zeitarbeitsunternehmen wäre froh darüber, wenn die Kunden mehr bezahlen würden. Ist doch logisch, oder.
Sechstens: Zeitarbeit ist ein blöder Begriff. Jedes Unternehmen das Dienstleistungen anbietet, leistet eine Zeitarbeit. Eine Arbeit auf Zeit. Ein Elektromeister der mit seinem Unternehmen und seinen Mitarbeitern zeitweise auf der Baustelle seines Kunden zeitweise arbeitet, macht nichts anderes wie ein Zeitarbeitsunternehmen. Er arbeitet zeitweise.
Siebtens: Welcher Elektriker würde sich darüber beschweren, wenn sein Elektromeister ihn von einer Baustelle zur anderen geschickt wird. Ist das nicht auch Zeitarbeit?
Achtens: Welcher Elektriker würde sich beschweren, wenn sein Meister von den Kunden das vierfache seinen Stundenlohnes verlangt? Bisher habe ich das noch nie gehört. Wenn aber ein Zeitarbeitsunternehmen nur das doppelte verlangen kann, heißt es gleich Ausbeuter.
Neuntens: Von diesem doppelten Wert des Stundenlohnes müssen alle Kosten gedeckt werden, wie Sozialversicherungsbeiträge, Berufsgenossenschaft, Verwaltung, Vertrieb usw. Wenn dann noch 5% Ergebnis überbleibt, kann das Zeitarbeitsunternehmen froh sein.
Ich hatte gestern ein Bewerber der einen Stundenlohn von 32 Euro ausgeschlagen hat, weil Zeitarbeit pfui ist. Der wollte dann doch lieber arbeitslos bleiben.
Also erst informieren und dann sachlich diskutieren.
in keinem vergleich zu der realität eSCo – 04.08.10
Ich finde die meinungen die hier vertreten werden inakzeptabel..Meine erfahrungen im berufsleben:
1.viel zu geringe ausbildungs bezahlung...
Persönliches beispiele:
Ich habe in meinem ersten ausblidungsjahr als metallbauer..exakt 296,30 netto verdient!!!
überstunden gebuckelt bis zum umfallen,nartürlich ohne bezahlung..
die chef etage hat sich immer neue regeln aus gedacht.z.b. das ab dem vollendeten 18 lebensjahr die schulzeit nachgearbeitet.werden muss, und nich zur arbeitszeit gehört!!
Nartürlich voll kommner quatsch..dies ist nur ein beispiel zur ausbeutung...und das immer schön niedrig gehalten selbstwertgefühl gabs oben drauf!!
LERNEN fehl am platz... nur funktionieren!! und wenn nötig sich in der freizeit die fähigkeiten selber bei bringen..
Zeitgleich hatte eine freundin eine ausbildung bei der sparkasse hannover gemacht und sich zutode gelanweilt..
Weil sie nur kaffe kochen durfte für sage und staune ca.600 netto
Is das fair??
Das menschen die sich köperlich kaputt machen die hälfte verdienen?!!!
Wie ich finde NEIN!!!bin im vierten ausbildungsjahr nich mal 600 netto gewesen..
Und ich habe mich für 296,30 im monat versklaven lassen?!wurde erniedrigt,benutzt/ausgenutzt!!
Bei beschweren bei der handwerkskammer,kamm noch bevor ich das gebäude verlassen hatte,ein anruf vom chef?!
Der sofort bescheid gekriegt hat das einer seiner azubis in anschwärzt..
Jaaa fuck!!es geht nur um macht,und sie richtig zubenutzen den schwächren gegenüber die gerade versuchen ein fuss ins leben zu kriegen..es schwer beziehungs weise es unmöglich machen!!
Is das ok??
Es öffnet einem die augen!!das wir nur monster sind,nur auf sich und sein eigenen vorteil aus sind in every acpect!!
Die welt geht zu grunde und wir schauen alles zu...nur weil jeder nur ansich denkt und seinen gewinn!!
ich habe ab dem zweiten lehrjahr,aufträge selbststandig aus geführt und bin zur montage mit nem anderen lehrling gefahren..wir wurden voll bei den kunden abgerechnt versteht sich!!
Bin seit bestehen der lehre arbeitslos..weil die einzigen antworten von zeitarbeitsfirmen kammen fuer ein stundnen lohn von 8,70 das war schon mit gefahren zuschlag..
Nein danke ich lasse mich niewieder versklaven...
Zeitarbeitsfirmen sind moderne sklavenhändler und sollten verboten werden...
Wo wir die kleinen leute immer weniger kriegen,schieben sich die anderen die taschen voll und wenns nich reicht dann lassen sie sich mal gerne vom steuerzahler ausderpatsche helfen...siehe selbst provozierte BANKENKRIESE....
MIR BLEIT NUR EINS NOCH ZU SAGEN
FUCK THE SYSTEM
So wird kein Schuh draus Tullius Destructivus – 03.08.10
Ich finde das schon sehr erstaunlich, dass wirklich kaum jemand von all denen hier auch nur im Entferntesten auf die Idee kommt, dass die Motivation, Leistungsbereitschaft und Selbstdisziplin von Auszubildenden im starken Maße vom Elternhaus und von Umwelteinflüseen (soziales Umfeld der Kinder/Eltern, Medienkonsum) abhängen! Wenn Schüler in ihrer Freizeit nur mit lustlosen Gleichaltrigen zusammenkommen, werden sie selbst sich nur selten zu "Motivationsbomben" entwickeln. Die Eltern sind im Wesentlichen für die Erziehung zuständig und die Schule primär für die Wissensvermittlung. Die Schule kann ja kaum Defizite in der Erziehung auffangen! Vielleicht sind wir ja da bei der Hauptursache des Problems angelangt, nämlich dass die öffentliche Diskussion den größten Teil der Ursache unbeleuchtet lässt?Ausbildung ist eine Investition - Kein Geschenk JAV – 03.08.10
Liebe Leser,liebe Ausbilder,
liebe Arbeitgeber,
hier kommen verschiedenste Probleme auf einen Haufen, die erst einmal auseinander gebröselt werden sollten, bevor man in alle erdenklichen Richtungen argumentiert:
1) Ausbildungsfähigkeit von Bewerbern nimmt ab, aber sie ist da! Die Vermittlung von Grundwissen in der Schule mag sicher verbesserungsbedürftig sein, jedoch sollte man auch hier mal an folgendes denke...
2) Motivation hilft ungemein weiter. Auch potenzielle Azubis sollten motiviert werden! Sie sollen ja die Fachkräfte von morgen werden! Diese Motivation sollten sowohl die Schule als auch in erster Linie die Betriebe ausstrahlen. Als Jugend- und Auszubildendenvertreter (JAV) eines global führenden Unternehmens kenne Ich die Argumentation von Arbeitgbern, Ausbildern und Azubis und stand selber vor einigen Jahren vor der Thematik "Ausbildung". Betriebe begreifen Ausbildung nicht mehr als Investion in die Mitarbeiterentwicklung, in die Förderung des Personals von Morgen. Häufig ist Ausbildung nur ein Kostenfaktor und keine Wissensvermittlung zum Zwecke des Unternehmens. Azubis sollen häufig nur funktionieren und nicht fragen. Das ist nicht gerade motivierend.
Motivation beginnt natürlich nicht erst im Betrieb. Auch im Vorfeld der Ausbildung muss da etwas für getan werden. Perspektiven schaffen, sollte das Ziel sein. Wie oft wird potenziellen Azubis bei Bewerbungsgesprächen denn aufgezeigt, welchen Karriereweg sie in dem Betrieb einschlagen können? Kaum noch...
Leider gibt es zu wenige Betriebe, die genau nach solchen Ideen handeln.
Das alles in Kombination mit großen Kombination mit berufsvorbereitendem Unterricht ab Klasse 8 oder 9 würde sicher bei potenziellen Bewerbern/Azubis viel bewegen, denn Jugend kann, wenn sie sieht warum sie das tun sollte!
Es gibt viele Betriebe, die schon so arbeiten, ausbilden und wissen vermitteln. Es sollten jedoch mehr sein!
Ausbildungsplatzsuche Vater eines Azubi – 03.08.10
Liebe Personalchefs. Vieles was hier geschrieben wurde, ist sicherlich richtig. Ich kann und will auch nicht verstehen, dass viele Bewerbungen unserer Jugendlichen so saumiserabel und damit nicht akzeptabel sind. Man muss aber auch einmal die andere Seite sehen. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass heute von vielen Firmen nur noch Auszubildende mit Abitur gesucht werden, egal, um welche Ausbildung es sich auch dreht. Da frage ich mich manchmal wirklich, ob Ihre Messlatte nicht viel zu hoch angesetzt wird. Da werden mehr als 35 Bewerbungen abgelehnt (bzw. es kommt überhaupt keine Rückmeldung) , bei denen mit Sicherheit keine Rechtschreibfehler vorhanden waren, ohne dass es überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch gekommen ist. Wenn Sie wirklich glauben, dass es in Deutschland nur Azubis gibt, die schon alle Fertigkeiten eines Facharbeiters mitbringen, dann haben Sie allerdings eine falsche Vorstellung. Eigentlich sollten Sie sie ausbilden und weiter auf das weitere Leben vorbereiten. Ich denke, da muss auch von Ihrer Seite etwas umgedacht werden. Dann klappts auch wieder mit den Azubis.Ausbildungsplatzsuche Ein Beobachter – 03.08.10
Dieser Kommentar wurde wegen Dopplung von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen unter: www.haz.de/nutzungsbedingungenKuschelkinder Pattenser – 03.08.10
Riesengeschrei vor der Tür. In der Spielstrasse darf, da für Kinder ein 100% regelfreier Raum, getobt werden. Kinder genießen Narrenfreiheit. In der Schule dann, geht die Kuschelerziehung weiter. Nur nicht überfordern, Schule muss in erster Linie Spaß machen! Kommt die Pubertät erlebt der Restverstand im Gehirn ohnehin ein Reset. Aber ich bitte um Rücksicht, die Menschenkinder müssen sich finden, und den Spaß nicht vergessen. Lernen! Wozu? Steht doch im Internet. Danach! Man strebt die Karriere im weißen Hemd an, obwohl er/sie wissen sollte, das man zu dumm dafür ist.Komisch, kapiert denn keiner, das hier ein gesellschaftliches Problem vorliegt.
Die Verblödungsgesellschaft (Medien, Internet) haben ein ganzes Werk geleistet.
Was soll ich mich anstrengen! Das Handy, das Auto, das schicke Zimmer, den gedeckten Tisch bekomme ich sowieso. Umsonst, versteht sich.
Bevölkerung Chef – 03.08.10
bei all diesen Horrormeldungen sollte man auch einmal drüber nachdenken wie sich die Bevölkerungsstruktur, insbesondere die der Ausbildungsplatzsuchenden zusammensetzt. In einem anderen HAZ-Artikel wird z.B. berichtet das 44% der Krippenkinder einen Migrationshintergrund haben. Genau diese Kinder werden in ca. 12-15 Jahren auf den Ausbildungsmarkt drängen. Betrachtet man den Ausbildungsstand der heutigen Migrantenkinder beschleicht einen ein ungutes Gefühl, in 15 Jahren könnte man sagen: Gute Nacht Deutschland.Bewerbungen LZH Azubi – 03.08.10
Auch mir wurde gesagt das alle anderen Bewerbungen vor meiner einfach nur grauenvoll waren. Rechtschreibfehler, sogar schon in der Firmenadresse, Sätze die mit Wörtern wie "Jo" oder "Alter" anfangen... So kann man doch keine Bewerbung schreiben! Bei uns wurde das Schreiben von Bewerbungen mehrfach geübt und siehe da, es hat hervorragend geklappt.Also wer eine Ordentliche Bewerbung zu bieten hat und sich bei einem Vorstellungsgespräch angemessen kleidet und verhält, der hat auch gute Chancen einen Ausbildungsplatz zu bekommen, so einfach ist das.
Bewerbungsfrühling HansHuckebein – 03.08.10
Es spielt doch keine Rolle, wann wer wo nach Azubis sucht. Irgendwann ist der Markt abgefischt, das Becken der Hechte geleert.Werden Azubis schlauer und in der Anzahl mehr, wenn man nur früh genug nach ihnen sucht? Wachsen sie womöglich binnen sechs Monaten nach?
Was sind das nur für Tips und Schlussfolgerungen? Alles wieder kurze kalte Nähte, mit heisser Nadel gestrickt.
Wie in der Schule bzw. dem System der Selbigen. Es fehlt der Blick über den Tellerand, das langfristige ergebnisorientierte Denken. Nachhaltigkeit.
@ Hugo v.H. Du Den – 03.08.10
"Mit sowas kann man doch nicht von einer Schule abgehen."Wieso nicht? Haben Sie doch auch gemacht, immerhin 3 Fehler in zwei Sätzen ;-)
"Ich habe es hier im Forum erleben dürfen, wie Abiturienten schon beim Verfassen von kurzen Kommentaren Probleme hatten.
....Ich habe es selbst erlebt, wie ..."
Tja, wo soll es herkommen?
Prüfung HansHuckebein – 03.08.10
Die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch ist für die Jugendlichen meist der erste wahre Test im Leben. Nach dutzenden von Klassenarbeiten und diversen Vergleichsarbeiten in der Schule ist hier nun auch die Messlatte für den Erfolg oder Misserfolg unseres Bildungssystems.Unser Land weigert sich seit Jahrzehnten, die schulische Ausbildung den Anforderungen des Marktes anzugleichen. Der schulische Erfolg ist nicht nur in Noten messbar. Wenn man die Anforderungen nach unten schraubt, klappt es leider auch mit den Noten. Werte, Spaß am Leben samt Lernen, Neugier, Unterricht der lebensnah gestaltet ist, das sind nur Auszüge aus einem Katalog, die der Spaß-Schulgesellschaft zum Erfolg verhelfen könnte.
Und man lernt nicht dazu. Die neuen Ganztagsgrundschulen (Klassen 1-4 oder 6 – 10 Jährige) vergeben die Nachmittagsbetreuung unserer Kinder an Träger/Vereine, die dann 1-Euro Jobber und FSJler auf die Kinder loslassen. Dafür dürfen sie dann bis zu 20 Euro/Stunde abrechnen. Ein hoher Preis, nicht nur für dieses Fachpersonal (bei denen übrigens von den 20 Euro höchsten 4 Euro ankommen), sondern auch für die Eltern und Schüler.
Ich lasse regelmäßig von meinen Nachhilfeschülern der 9 Klasse (Realschule) die Vergleichsarbeiten der Grundschulklasse 3 schreiben. Jahr für Jahr eine traurige Katastrophe. Nicht weil sie es nicht könnten, nein, sie verstehen meist nicht, was man von ihnen will. Selbe Schüler hatten oft einser und zweier, als sie selbst in der dritten Klasse waren.
Firmen stecken werbewirksam Milliarden in große Arenen und sonstige Freizeitprojekte. Alles muss nur nach außen toll aussehen. Unsere Schüler lernen mancherorts in schimmelnden Klassenzimmern, ohne PC und Internetanbindung, mit Schulbüchern, die schon für Erwachsene Abiturienten oft nicht verständlich sind.
Bildung ist für mich die Messlatte, an der ich erkenne, was der Gesellschaft und Politik unser Nachwuchs wert ist.
Lesefähigkeiten Celia – 03.08.10
Manchmal scheitert es schlicht und einfach am korrekten LESEN einer Stellenausschreibung.Bei uns. z.B. heißt es "Note GUT in Mathe" ist halt einfach nötig... weil es bei uns massig mit Zahlen und Berechnungen zu tun hat...
Und was kommt? Bewerbungen von Bewerbern mit "Ausreichend" und schlechter.
Wir sind inzwischen dazu übergegangen auch diese Damen / Herren zum Eignungstest einzuladen, wenn die anderen Noten besser sind und einen "ausrutscher" nahelegen. Leider fallen viele beim Mathe-Teil des Eignungstests einfach durch.
Wir beginnen mit der Suche immer ein komplettes Jahr vorher. Für das Ausbildungsjahr 2011 haben wir bereits jetzt ausgeschrieben. Erstaunlicherweise kommen auch schon die ersten Bewerbungen rein. Und die sehen gut aus. Ordentlich, sauber, vom Schreibstil her aktzeptabel für das Alter / die Schule der Bewerber.
Wenn man nur früh genug sucht, dann findet man auch die Damen / Herren, die WIRKLICH Interese an einer Ausbildung haben. Wir können nicht über mangelnde Leistungsbereitschaft der Auszubildenden klagen. Vielleicht auch weil wir einfach früh genug unsere Azubis aussuchen.
Ausbildungsreife Hugo v.H. – 03.08.10
Ich habe es hier im Forum erleben dürfen wie Abiturienten schon beim verfassen von kurzen Kommentaren Probleme hatten.In jedem Satz ein Fehler, die Ausdrucksform mangelhaft.
Wenn man das auf die Absolventen von Mittelschulen oder Hauptschulen runterrechnet, kann das Ergebnis nur furchtbar sein.
Ich habe es selbst erlebt wie 10t Klässler aus meinem Bekanntenkreis, die einen etwas komplizierteren "Rauminhalt" berechnen sollten, sagten: "Das interessiert uns eigentlich garnicht, das schätzen wir ungefähr."
Mit so was kann man doch nicht von einer Schule abgehen.
@ Gerechtigkeit Bäckermeister – 03.08.10
"Es gibt Einzelhandelsazubis, die in Ihrer gesamten Ausbildung lediglich hinter der Registrierkasse sitzen!"Wenn der Arbeitgeber Fehler gemacht hat bei der Einstellung...manche Auszubildenden sind leider auch zu nichts anderem mehr zu gebrauchen als sie an die Kasse zu setzen, und selbst das vergeigen viele von denen, trotz Ausrechnung des Wechselgeldes durch die Kasse werden falsche Wechselbeträge herausgegeben, auf spontane Angebote der Kunden, die das Wechseln erleichtern sollen, reagieren viele mit Hilflosigkeit...
Scheinbar wissen viele Lehrer nicht worauf es für die Schüler ankommt, ich würde im letzten Schuljahr vor dem Abschluß genau das mit denen bimsen, und Prozentrechnung und Dreisatz bis es ihnen aus den Ohren rauskommt. Warum macht das keiner? Stattdessen lamentieren hier Gewerkschaftsfuzzis über Gerechtigkeit...
Gerechtigkeit Gerechtigkeit – 03.08.10
Arbeitszeiten von bis zu 15 Stunden sind z. b. in der Gastronomie für Azubis (Kellner, Köche) keine Seltenheit.Insbesondere im Hotelgewerbe während der Messezeiten. Ich habe hier nachweislich mehrere abgemahnte Fälle vorliegen.
Weiterhin sind mir mehrere Fälle bekannt, in denen die Ausbildungsrahmenrichtlinien nicht eingehalten wurden, indem z.b. Azubis drei Jahre lang am Stück nur an Kassen saßen, oder Regale eingeräumt haben.
Was die Ausbildungsqualifikation angeht kann ich nur sagen, wer zuerst kommt, der malt zuerst.
Wenn einige Unternehmen teilweise erst ein oder zwei Monate vor Ausbildungsbeginn anfangen Bewerber zu suchen, dann muss man halt das nehmen was überbleibt.
Wirklich leistungsfähige und motivierte Bewerber sind schnell weg vom Markt, weil erstens die Unternehmen die wirklich wert auf ausbildungsfähige Jugendliche legen sich früh genug um Sie bemühen und so sehr sorgfältig auswählen können und zweitens bei motivierten Jugendlichen auch der Bewerbungszeitpunkt wesentlich früher liegt, als bei Unmotivierten.
Durch einen früh gewählten Bewerbungszeitpunkt (ca. Anfang des Jahres) bleibt genügend Zeit für ein umfassendes Auswahlverfahren und man kann die Spreu vom Weizen trennen.
Abgesehen davon, gehen Sie doch einmal zu einem Ihrer Kollegen und fragen nach einem einfachen Dreisatz. Ich kenne selbst Ingenieure die das nicht auf Anhieb hinbekommen!
Ausbildungsreife KH – 03.08.10
@Gerechtigkeit.Ihr Beitrag ist unrichtig.
>> "Die Kids sollen etwas lernen und nicht als billige Arbeitskräfte verheizt werden!"
Zu meiner Lehrzeit durften wir auch arbeiten, das hat der Lehre keinen Abbruch getan. Und 15 Stunden? Das entspringt eher ihrer Fantasie.
>> "Wenn eine Ausbildung interessant gestaltet ist und man sich persönliche Erfolge erarbeiten kann, dann stimmt auch wieder die Motivation!"
Eine Lehre (heute Ausbildung) ist kein Wunschkonzert und keine Party. Hier sollen die Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, die der Mensch später in seinem Beruf zum Geldverdienen benötigt.
Doch ich muß @Personalchef absolut recht geben, die Ausbildungsreife der heutigen Bewerber ist absolut nicht gegeben.
Es fehlt am notwendigsten, die Bewerber können keinen Dreisatz, von %-Rechnung garnicht zu reden und manche bekommen noch nicht einmal einen ganzen Satz in deutsch zu Stande.
Wie soll man solchen Leuten das Wissen vermitteln, damit die zunächst einmal nur die Prüfung bestehen und dann auch noch den Beruf gut ausüben?
Das ist aussichtslos, denn das, was im Elternhaus 16-18 Jahre lang versäumt wurde und in der Schule 10-12 Jahre nicht gelang, das kann man nicht in 3 Jahren umkrempeln und vermitteln.
Äpfel und Birnen RL – 03.08.10
Was hat das katastrophale Bildungsniveau junger Leute mit der sicher auch in Einzelfällen vorkommenden Ausnutzung von Azubis zu tun?Nichts! Höchstens, das man im täglichen Arbeitsalltag merkt, dass man dem Azubi keine anderen Tätigkeiten zuweisen kann, da er schlicht überfordert ist.
Wir mussten in den siebzigern eine Stunde vor Feierabend die Werkstatt aufräumen. Hat uns auch nicht geschadet. Und im dritten Lehrjahr haben fast alle Azubis wie Gesellen gearbeitet, das war normal, und da war man stolz drauf, wenn einem das Vertrauen entgegengebracht wurde.
Wenn eine Azubi heutzutage im Betrieb schlecht behandelt wird, hat er doch ganz andere Möglichkeiten dagegen vorzugehen, als es damals möglich war.
Also komm mir keiner damit, dass es heutzutage alles schwerer ist, und die Unternehmen schuld sind.
Ausbeuterei! Gerechtigkeit – 03.08.10
"Mehr als 60 Prozent der Unternehmen beklagten mangelnde Leistungsbereitschaft und Motivation ihrer Bewerber"Ich habe beruflich mit vielen Auszubildenden aller Branchen zu tun.
Was in manchen Betrieben als mangelnde Leistungsbereitschaft angesehen wird, sind Arbeitszeiten von bis zu 15 Stunden ohne Überstundenausgleich!
Oder das Ersetzen von zwei Vollzeitkräften durch einen Auzubi über Monate hinweg.
Es gibt Einzelhandelsazubis, die in Ihrer gesamten Ausbildung lediglich hinter der Registrierkasse sitzen!
Die Kids sollen etwas lernen und nicht als billige Arbeitskräfte verheizt werden! Wenn eine Ausbildung interessant gestaltet ist und man sich persönliche Erfolge erarbeiten kann, dann stimmt auch wieder die Motivation!
die Dummies werden mehr Personalchef – 03.08.10
Für unser Unternehmen suchen wir jedes Jahr etwa 15 Auszubildende.Liest man die schriftlichen Bewerbungen, graust es einem bereits das erste Mal, zerknickt, Fehler im Inhalt, ausdruckslose Satzaneinanderreihungen mit Rechtschreibfehlern, verheerend.
Von denjenigen, die eingeladen werden zu einem Vorstellungsgespräch, wird das Bild nicht besser: Gossensprache, ein äußeres Erscheinungsbild als würde man in der Disko sein, simpelste Rechen- und Schreibtests voller Fehler, und so geht das weiter.
Das gibt ein gutes Bild über die Jugendlichen, die (scheinbar desinteressierten) Eltern sowie die Schulen (was machen die da eigentlich jahrelang auf Kosten der Steuerzahler?).
Motivation, Ausdrucksvermögen, Leistungsbereitschaft - Eigenschaften, die dieses Land groß gemacht haben - gehen mehr und mehr verloren, man kann davon sprechen, dass Deutschland auf einem absteigenden Ast sitzt und mit vielen Jugendlichen dieser Generation an dem Ast sägt.
Ich für mein Teil ziehe mit meiner Familie nächstes Jahr die Konsequenzen und wandere in die Schweiz aus. Dann bin ich dort zwar auch ein Mensch mit Migrationshintergrund :-), aber integriert und motiviert...
Armes Deutschland.