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Aus der Stadt Mit totem Holz wollen diese Fischer Teiche wiederbeleben
Hannover Aus der Stadt Mit totem Holz wollen diese Fischer Teiche wiederbeleben
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00:15 09.01.2018
Fischer auf dem Kolshorner Teich. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover/Kolshorn

 „Früher haben Angler, einen umgestürzten Baum, der ins Wasser gefallen war, sofort herausgeholt“, erinnert sich Heinz Pyka, „heute lassen sie ihn liegen, denn man weiß jetzt: Unter totem Holz entsteht neues Leben.“ Der Vorsitzende des Fischereivereins Hannover hat am Sonnabend  am Kolshorner Teich bei Lehrte (Region Hannover) zusammen mit vielen ehrenamtlichen Helfern insgesamt 74 Bündel mit Totholz in der Uferregion versenkt. Bagger fahren die Bündel ans Ufer, von dort bringen sie die Angler ins Boot, um auf die gegenüberliegende Seeseite zu fahren. 

Insgesamt sollen 20 Prozent der Uferlinie mit Totholz bestückt werden, die Bündel werden mit kiesgefüllten Jutesäcken versenkt. Die Säcke werden sich innerhalb der nächsten zwei Jahre vollständig zersetzen. Fünf Tonnen Säcke werden am Kolshorner Teich ins Wasser gelassen.

Der Fischereiverein Hannover hat am Kolshorner Teich bei Lehrte (Region Hannover) mehrere Bündel mit Totholz verteilt, um die Artenvielfalt im Kiesteich zu steigern. 

Größtes Totholzprojekt der Welt

Landesweit beteiligen sich 20 Anglervereine von Ostfriesland bis Helmstedt an der Naturschutzaktion, die nach Angaben von Thomas Klefoth das weltweit größte Totholzprojekt ist. Der Biologe vom Anglerverband Niedersachsen leitet die Aktion. So würden die Teiche ökologisch und für die Fischereiwirtschaft aufgewertet, sagt er. 

Unter den Bündeln aus Buchenästen, die jeweils 300 Kilogramm wiegen und aus 1,2 Kubikmetern Holz bestehen, soll neues Leben entstehen – wirbellose Arten wie Libellenlarven, Amphibien und kleine Krebse, aber auch Fische, deren Überlebenschancen steigen.  Sobald es wärmer werde, würden die neuen Arten wachsen. Auch Vögel könnten davon profitieren. Parallel zu den Gewässern, in denen Totholz versenkt wird, gibt es auch noch Teiche, an denen Flachwasserzonen ausgebaggert  werden. „Das ist die nahliegendste Lösung“, sagt der Biologe. Denn das Hauptproblem seien die steilen Uferhänge der Baggerseen, dort könnten sich keine Pflanzen ansiedeln. 

Bis Mitte Februar sollen in insgesamt acht Seen landesweit Totholz eingebracht werden, in vier Seen wird eine große Flachwasserzone ausgehoben und in weiteren vier Seen Fischbesatz eingebracht. 

Fische sollen sich von sich aus vermehren

Das Projekt wird vom Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ gefördert und läuft noch bis Mai 2022. Erste Zwischenergebnisse sollen schon 2019 vorliegen. Dann soll verglichen werden, wo die Artenvielfalt am größten ist. „Wir machen einen Vorher-Nachher-Vergleich“, sagt Klefoth. Die Aktion ist eine Maßnahme von „Baggersee“, ein Gemeinschaftsprjekt des Anglerverbandes Niedersachsen, dem Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und der Technischen Universität Berlin.

Im bis zu 16 Meter tiefen Kolshorner Teich leben bislang laut Pyka vor allem Karpfen, Zander, Hechte, Aale und diverse Weißfische wie Rotaugen, Rotfedern und Brassen. Rund 1500 Kilo Fisch würden sort im Jahr geangelt. Ziel seien es, dass die Fische sich von selbst vermehren und die Angler keinen Besatz mehr herausbringen müssen, betont Pyka. Der 67-Jährige ist auch Vizepräsident des Anglerverbandes Niedersachsen. Früher habe man schon mal alte Tannenbäume versenkt, um den Fischen Laichmöglichkeiten zu bieten, aber noch nie habe der Fischereiverein Hannover Totholz in so großem Stil ausgebracht. In den nächsten Wochen sollen auch noch Seen bei Meitze und Brelingen in der Wedemark mit Bündeln bestückt werden.

Die Holzbündel sind zusammen mit den Niedersächsischen Landesforsten hergestellt worden, dafür seien die alten Holzbündelmaschinen reaktiviert worden, die eigentlich schon ausgedient hatten, bericht Klefoth. „Wir wollen die wissenschaftliche Erkenntnisse als Angler nutzen“, sagt Pyka. Anglern gehe es immer um Naturschutz und Fischerei gleichermaßen. 

Fischereiverein Hannover betreut 500 Hektar Wasserfläche

Der Fischereiverein Hannover betreut in der Region insgesamt 500 Hektar Wasserfläche, darunter bereits seit 1909 schon den Annateich, aber auch die Ricklinger Teiche und Gewässer in Hemmingen. Dort will der Verein einen weiteren 10 Hektar umfassenden Baggersee übernehmen, die Verhandlungen mit Holcim dazu liefen, sagt Vereinsvorsitzender Heinz Pyka. Für den Kauf eines Teichs in  Schliekum bei Sarstedt (Kreis Hildesheim) sind die Verträge bereits unterschrieben. In dem 30 Hektar großen See leben neben Karpfen und Hechten auch Flussfische, die beim Leinehochwasser in den Teich gekommen sind und auch in stehenden Gewässern überleben wie Forellen und Barben. 

Der Fischereiverein Hannover hat 4500 Mitglieder. Der Anglerverband Niedersachsen hat als Dachverband insgesamt rund 92.000 Mitglieder und ist der größte anerkannte Naturschutzverband im Land. dö

Von Saskia Döhner

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