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Fitnessstudio darf Muskelshirt nicht verbieten

Kunde gewinnt Prozess Fitnessstudio darf Muskelshirt nicht verbieten

Darf ein Fitnessstudio einem Kunden verbieten, an Hantelbank und Beinpresse ein geripptes Unterhemd zu tragen? Oder ein Muskelshirt? Das Landgericht Hannover sagt Nein und erklärt die fristlose Kündigung eines Kunden wegen eines solchen Verbots für rechtens. Das Studio bleibt auf einer Rechnung von 1526 Euro sitzen.

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Ihr schweißtreibendes Verfahren hatte Erfolg: Andreas Hartnack (l.) und sein Anwalt Christof Knauer.

Quelle: Zgoll

Hannover. Ein Fitnesscenter in Elze legte einem 44-Jährigen in leitender Position nahe, sich doch bitte umzuziehen – sein Outfit sei von einer Kundin als anstößig empfunden worden. Es gab einen kurzen Schriftwechsel per E-Mail, dann ließ Andreas Hartnack seine Muskeln spielen und kündigte. Fristlos. Weil er kein Geld mehr überwies, wurde er jedoch verklagt: Er habe einen Zweijahresvertrag unterschrieben und erst sechs Monate bezahlt. In erster Instanz, beim Amtsgericht Hameln, unterlag Hartnack, doch in der Verhandlung am Freitag vor dem Landgericht Hannover hatte er Erfolg. Seine Kündigung war gerechtfertigt, man durfte ihm das Tragen eines ärmellosen Shirts nicht verbieten. Damit bleibt das Studio auf einer Rechnung von 1526 Euro sitzen.

Die Anwältin des Elzer Betriebs argumentierte, die Kundschaft bestehe zu 70 Prozent aus Damen und älteren Menschen. Aus diesem Kreis sei im Juni 2013 moniert worden, Hartnack verstoße gegen den Dresscode. Man sei ein Studio mit Niveau, hieß es, wolle nicht mit einer „schweißtreibenden Muckibude“ verwechselt werden. So müsse die Sportleroberbekleidung in Achsel- und Brustbereich eng anliegen, letztendlich gehe es um Hygiene. Im Zuge des E-Mail-Verkehrs hatte die Geschäftsführerin zwar angemerkt, dass man dem Kunden keine Bekleidungsvorschriften machen wolle – war aber im Kern kein Stück von der neuen Direktive abgerückt.

Etliche Jahre, so erzählt der 44-Jährige, habe er im Elzer Studio trainiert. An jenem Tag im Juni 2013 habe er ein weißes, ärmelloses Shirt getragen – wie viele Male zuvor auch. „Nichts Aufregendes“, ergänzt sein Anwalt Christof Knauer. Er habe halt Kraftsport betrieben, so Hartnack, und wollte dabei nicht in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden. Und um die Spuren seines schweißtreibenden Tuns zu verwischen, habe er immer ein Handtuch mit sich geführt.

Die 9. Zivilkammer zeigte sich am Freitag bestens präpariert. So hielt der Vorsitzende Richter Peter Bordt der Anwältin des Fitnesscenters zwei Fotos entgegen, mit denen das Unternehmen im Internet wirbt. Zu sehen waren zwei Trainerinnen in ärmellosen Tops, eine von ihnen gar bauchfrei und tätowiert. „Warum darf ein Mann dann kein Muscle-Shirt tragen?“, fragte Bordt. In den Vertragsbedingungen habe die Kammer jedenfalls keinen Passus gefunden, der sich mit der Kleiderordnung beschäftigt. Natürlich gebe es auch bei sportlicher Betätigung Grenzen des guten Geschmacks – doch die sehe man mit weißem Feinripp nicht verletzt.

Andreas Hartnack hat aus dem langwierigen Verfahren seine Lehren gezogen. Er schließt keine Zweijahresverträge mehr ab. Und er besucht kein Fitnessstudio mehr, schwitzt jetzt lieber beim Radeln über Ith und Hils.

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