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Krümelmonster wird Vortänzer beim „Harlem Shake“ in Hannover

Flashmob an der Uni Krümelmonster wird Vortänzer beim „Harlem Shake“ in Hannover

Geschüttelt, nicht gerührt: Ungefähr 1000 Hannoveraner tanzen am Sonntag vor der Uni und drehen ein Video nach dem Vorbild des Internet-Phänomens „Harlem Shake“.

Hannover. Sie haben vor, die Massen zu bewegen. Maschinenbaustudent Denis und Einzelhandelskaufmann Florian wollen Hannover am Sonntag den „Harlem Shake“ tanzen lassen. Den Harlem Shake? Bei dieser Frage gucken die jungen Männer aus Hannover ungläubig - den kenne doch jeder. Ganz so ist es ja nun nicht, denn dieser auf Video aufgenommene „Tanz“ ist ein Internet-Phänomen, und wer nicht ständig auf Facebook oder bei YouTube unterwegs ist, hat davon eben keinen blassen Schimmer.

Das Prinzip der 30-Sekunden-Filmchen ist einfach, nehmen wir diesen: Ein scheinbar öder Tag im Großraumbüro, wäre da nicht dieser Typ mit Pferdemaske, der neben einem Schreibtisch steht und sich so seltsam bewegt. Alle ignorieren ihn, bis der Bass einsetzt und eine tiefe Stimme ertönt („Do the ,Harlem Shake‘“). Schnitt! Und plötzlich zappeln alle, was das Zeug hält. Es sind vermeintlich sterbenslangweilige Situationen, aus denen sich in Sekunden wilde Tanzorgien entwickeln. An der Bushaltestelle, im Waschsalon, im Uni-Hörsaal, im Geschäft, selbst im Seniorenheim, beim Militär oder in der Grundschule hat der kollektive Kontrollverlust Einzug gehalten; Feuerwehren nutzen die Videos zur Nachwuchsgewinnung, Geschäfte für Werbezwecke.

Immer öfter gibt es nach Aufrufen im Internet flashmobartige Massentänze auf öffentlichen Plätzen - etwa auf dem Times Square in New York, wo ein paar hundert Menschen unter Aufsicht der Polizei zappelten. Denis und Florian wollen ihren „Hannover-make-the-Harlem-Shake“ vor der Leibniz-Uni drehen: „Es sollen so viele Menschen kommen wie möglich“, sagt der 25-jährige Florian. Vortänzer soll - ja, wer sonst - das Krümelmonster sein, das nach dem Keksklau Hannovers heimliches Maskottchen geworden ist. Mehr als 600 Besucher ihrer Facebook-Seite haben schon zugesagt, täglich werden es mehr. „Alle sollen mitmachen, vom Kind bis zum Senior, vom Footballspieler bis zum Polizisten“, sagt der 26-jährige Denis. Florian pflichtet bei: „Je bunter und wilder es wird - desto besser.“ Auch Kostüme und weitere Krümelmonster seien gern gesehen. Technische Verstärkung soll es von einem Radiosender geben.

Allerdings müssen sich die Teilnehmer auf einiges gefasst machen. Denn beim „Harlem Shake“, einer Hip-Hop-Variante aus den frühen Achtzigern, geht es vielmehr um wildes Schlackern mit den Armen und stoßartige Hüftbeugen, als um ästhetische Bewegungsabläufe.

Begonnen hat der Hype mit einem Video, das Internetkomiker Filthy Frank Anfang Februar bei YouTube hochlud: Vier junge Männer in bunten Ganzkörperanzügen „tanzen“ zu dem Lied „Harlem Shake“ des New Yorker DJs Baauer. Eine Handvoll australischer Teenager legte nach und versetzte den Tanz in eine typische Alltagssituation - exakt 30 Sekunden ist ihr Video lang. Damit war der neue Hype geboren, der in kurzer Zeit noch erfolgreicher geworden ist, als der vorangegangene „Gangnam Style“ des Koreaners Psy - zur Erinnerung: Das sind knallbunte Videos aus Südkorea mit einem neuartigen Tanzstil, der an Reiten ohne Pferd erinnert.

Der „Harlem Shake“ zog nach nur zwei Wochen schon gut 40.000 Parodien nach sich, mittlerweile sind bei YouTube fast 300.000 Treffer gelistet, die insgesamt Hunderte Millionen Male gesehen wurden. Baauers Lied ist mittlerweile zum Download-Hit geworden - und bringt dem bis vor Kurzem völlig unbekannten DJ Ruhm und Geld.

Und um was geht es den hannoverschen Initiatoren? „Ach, wir wollen einfach viele Leute zusammenbringen, die gemeinsam Spaß haben“, sagt Florian. Auch Werbung für das „verrückte Hannover“ wolle man machen, damit dies nicht mehr von anderen als trist und langweilig stigmatisiert werde. Mit dem Kekslau des Krümelmonsters hat das zumindest funktioniert - aber der war (bisher) auch einzigartig.

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