Die Johann-Strauss-Operette „Die Fledermaus“ ist auf deutschen Bühnen an Silvesterabenden ein gern gegebener Klassiker. In der Staatsoper Hannover allerdings steht das Stück bis auf Weiteres nicht auf dem Spielplan. Besucher, die jüngst das Opernhaus besuchten, bekamen aber dennoch eine Fledermaus zu sehen, zum großen Erstaunen von Zuschauern und Ensemblemitgliedern sogar eine echte. Das Tier hatte offenbar über den Lastenaufzug der Requisite oder eine Belüftungsklappe seinen Weg ins Gebäude gefunden.
Ihren ersten überraschenden Auftritt hatte die Fledermaus beim 4. Sinfoniekonzert des Niedersächsischen Staatsorchesters, wo sie zwischen Scheinwerfer und die Rückwand des sogenannten Orchesterzimmers auf der Bühne geriet und somit gleich in dreifacher Ausführung abgebildet wurde. „Wir haben uns zunächst gewundert, warum die Requisite dieses Mal mit einer Projektion arbeitet“, sagt Swantje Gostomzyk, Sprecherin der Oper.
Schnell stellte sich allerdings heraus, dass sich hinter dem wandernden Schatten ein lebendes Tier verbarg. Die Fledermaus zu fangen gelang den Mitarbeitern der Oper allerdings noch nicht. Und so kam es, dass das Tier am nächsten Morgen erneut einen Auftritt, dieses Mal sogar passend zum Stück, absolvierte: Als Gretel am nächsten Vormittag im Weihnachtsmärchen „Hänsel und Gretel“ vor 1200 Schülern die Nachtigall besang, sauste die Fledermaus plötzlich durch den Saal. „Die Schüler hatten in jedem Fall ihren Spaß“, sagt Gostomzyk. Und sie gaben dem Tier einen Namen: Gretel.
Die Staatsoper hingegen alarmierte aus Sorge die Feuerwehr und das Fledermausbüro der Region Hannover. Schließlich gelang es jedoch einem Mitarbeiter aus der Beleuchtung ganz überraschend, das ruhende Tier mit nur einem Handgriff einzufangen. „Sie saß da, und er konnte einfach zufassen“, sagt Gostomzyk.
Am Montag nun hat die Fledermaus mit einiger Verspätung ihren Winterschlaf beginnen können. Gemeinsam mit der Tierärztin Renate Keil hatte die Fledermausbeauftragte der Region, Elke Mühlbach, das Tier aufgepäppelt und auf den Winterschlaf vorbereitet. „Die Fledermaus war völlig abgemagert, aber jetzt geht es ihr wieder gut“, sagt Mühlbach. Laut der Expertin ist die sogenannte Zweifarbfledermaus in Niedersachsen sehr selten. „Wir vermuten, dass es hier in der Stadt sogar einen Nistplatz gibt, wir wissen aber nicht, wo“, sagt Mühlbach.
Zurzeit melden sich bei Mühlbach immer wieder Menschen, die Fledermäuse in Gebäuden entdecken. „Meist haben die Tiere dann kein passendes Winterquartier gefunden oder wurden aus dem Winterschlaf aufgeschreckt“, sagt Mühlbach. Da eine Fledermaus bei den jetzigen Witterungsbedingungen ohne Winterquartier erfrieren würde, sollte man sie keinesfalls nach draußen setzen. Stattdessen können sich Finder unter Telefon (05 11) 55 21 55 kostenlos an das Fledermausbüro des BUND wenden und Tiere dort abgeben.
Gretel wird voraussichtlich erst im März wieder die Augen öffnen. Bis dahin hat sie ausreichend Zeit, von ihrem großen Auftritt zu träumen.
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