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Fleischerei Klemme feiert 50. Geburtstag

Markthalle Fleischerei Klemme feiert 50. Geburtstag

Die Fleischerei Klemme in der Markthalle wird 50. Hier wurden neben Stephan Weil, Ministerpräsident und Stammkunde, schon Altkanzler Gerhard Schröder oder Carsten Maschmeyer und dessen Ehefrau Veronica Ferres bedient. Zum Geburtstag ein paar Gedanken über Schinken, Freundschaft und Veganer.

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„Die Leute kochen nicht mehr in der Woche“: Von ihrem Stand aus hat Karen Klemme einen guten Blick auf die Markthalle – und in den Alltag ihrer Kunden.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Viel Ruhe bekommt Karen Klemme nicht. Ein Gratulant nach dem anderen tritt an die Theke der Fleischermeisterin. Mit fast jedem wird ausgiebig geplaudert, manche haben sogar Geschenke dabei. „Eben war Herr Weil hier“, erzählt Klemme. Der Ministerpräsident ist einer von Dutzenden Stammkunden, die zum 50-jährigen Bestehen der Fleischerei ihre Glückwünsche überbringen. Auch Altkanzler Gerhard Schröder sowie Unternehmer Carsten Maschmeyer und dessen Ehefrau Veronica Ferres hat Klemme hier schon bedient.

Man soll mit solchen Vokabeln vorsichtig sein, doch die Fleischermeisterei Klemme ist eine Institution in der Markthalle. „Wir sind jetzt die Ältesten hier“, berichtet die Inhaberin. Am 11. Juni 1966 hatten ihre Eltern Hermann und Sigrid Klemme dort die Arbeit aufgenommen. „Es war ganz schwierig, hier einen Laden zu bekommen“, erinnert sich Mutter Sigrid. Doch ihr Mann habe unbedingt an dieser exponierten Stelle mitten in der Stadt arbeiten wollen.

Also wagten die Klemmes es und mit etwas Geduld und Beharrlichkeit gelang es dem Ehepaar, sich zwischen 57 weiteren kleinen und großen Fleischern in der Markthalle zu behaupten. Ihre Waren stellten die Klemmes damals schon in der Lindener Charlottenstraße her. „Die Kunden wussten ganz genau, der eine hatte die beste Rotwurst und wieder ein anderer die beste Leberwurst“, erinnert sich die 74-Jährige an die Anfangszeit in der Markthalle. „Und jeder Fleischer hat gut davon gelebt.“

Trotz der beachtlichen Konkurrenz kam der Erfolg prompt. „Mein Mann war ein sehr guter Wurstmacher“, sagt Sigrid Klemme. Wenn sie ihren Stand am Morgen öffnete, standen die Kunden bereits in fünf Schlangen an. 1980 übernahm die Familie dann die Ladenfläche eines insolventen Nachbarn und verdoppelte so die Größe des eigenen Stands.

Seit einem halben Jahrhundert steht die Wursttheke der Klemmes nun am Eingang zur Leinstraße. Von den übrigen Fleischereien ist nur eine Handvoll übrig geblieben. „Überall, wo früher die Fleischer waren, sind heute Cafés oder Sektstände hingekommen“, sagt Sigrid Klemme. Auch ihre Tochter bemängelt den derzeitigen Mix an Geschäften. „Es gibt zu viel Essen und Trinken, dafür aber zu wenig Handel“, sagt sie.

Auch die Stimmung unter den Gewerbetreibenden habe sich im Laufe der Jahre gewandelt, sagt Karen Klemme. Als sie am 1. August 1983 ihre Ausbildung im Familienbetrieb begann, seien viele Kollegen von anderen Ständen etwa in ihrem Alter gewesen, erzählt sie. „Wir waren alle so etwas wie Freunde“, erinnert sich Klemme. Heute gebe es diese Art von Zusammenhalt nicht mehr, auch wenn sie sich mit den Betreibern der benachbarten Stände sehr gut verstehe.

Einen Wandel erlebt Klemme auch in der Einstellung der Menschen zu ihrer Ernährung. Viele hinterfragten inzwischen den Umgang mit den gezüchteten Tieren, verzichten auf Fleisch oder gar darauf, tierische Produkte wie Eier oder Milch zu sich zu nehmen. Kein Wunder, nach einem Leben am Wurststand, dass Karen Klemme das nicht immer nachvollziehen kann. „Wenn Menschen Vegetarier sein wollen, sollen sie es machen“, sagt sie. Für die Entscheidung, sich vegan ernähren zu wollen, hat sie jedoch kein Verständnis. „Da frage ich mich, was die überhaupt noch essen“ - und wann sie überhaupt noch selber kochen. „Die Leute kochen nicht mehr in der Woche“, sagt Klemme. „Wenn, dann am Wochenende – oder es wird gegrillt.“

Von einer anderen Entwicklung profitiert die Inhaberin des Familienbetriebs jedoch. Immer mehr Kunden sehen die Herstellung abgepackter Waren aus dem Supermarkt kritisch und kaufen daher lieber wieder an der Theke. Diese Haltung kann Klemme selbstredend nur unterstützen, denn das Fleisch aus dem Supermarkt sei „definitiv von minderwertiger Qualität“. Die Schweine würden erst fett gezüchtet und dann auf brutalste Art und Weise abgeschlachtet. Zum Jubiläum hat sie daher ein Plakat erstellt, dass für einen verantwortungsvollen Umgang mit Tieren und deren Schlachtung wirbt.

Die Qualität des Schinkens beurteilen die Gäste bei einer Verkostung gleich selbst. Neben einem Glas Sekt oder Orangensaft bekommt jeder gleich eine Scheibe zum Probieren - „oder auch zwei“, sagt Klemme. „Da sind wir nicht knauserig.“

Von Nils Oehlschläger

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