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Fliegender Windschutz demoliert geparktes Auto

Amtsgericht Fliegender Windschutz demoliert geparktes Auto

Ein Markthallenwirt ist vom Amtsgericht Hannover verurteilt worden: Er wollte die Reparaturen an einem BMW nicht bezahlen, dessen Kotflügel und Motorhaube von umgeflogenen Windschutzelementen des Gastronoms beschädigt worden waren. Nun muss er drei Viertel der Kosten übernehmen.

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Der BMW parkte direkt vor der Markthalle – was ihm zum Verhängnis wurde.

Quelle: Amtsgericht Hannover

Hannover. Als das Orkantief „Heini“ vergangenen November über Norddeutschland brauste, richtete es einige Schäden an - auch in der Karmarschstraße in Hannover. Zwei Windschutz-Elemente, die ein Markthallenwirt zur Einfriedung seiner Außensitzplätze auf dem Bürgersteig platziert hatte, wurden gegen einen am Straßenrand geparkten 3er-BMW geschleudert. Dessen rechter Kotflügel und die Motorhaube wurden beschädigt, der Schaden belief sich auf gut 1000 Euro. Weil der Markthallenwirt den Schaden nicht regulieren wollte, verklagte ihn der BMW-Besitzer. Nun urteilte das Amtsgericht, dass der Gastronom zahlen muss - aber nur für drei Viertel der Reparaturkosten geradezustehen hat.

Der Wirt, der in der Markthalle ein italienisches Restaurant betreibt, hatte die durchsichtigen Sichtschutzelemente in Betonsockeln fixiert. Doch die Sturmböen warfen einen der Sockel um, eine andere Scheibe brach mittendurch. Der Autobesitzer forderte nicht nur seine Reparatur- und Anwaltskosten ein, sondern machte auch eine Wertminderung des vier Jahre alten Fahrzeugs von 100 Euro geltend. Er müsse jedoch nicht für den Schaden aufkommen, argumentierte der Gastronom, weil es sich bei Sturmtief „Heini“ um höhere Gewalt gehandelt habe. Auch seien ihm keine Warnungen vor dem Unwetter zu Ohren gekommen.

Doch Amtsrichter Albrecht von Bitter urteilte, dass der Autobesitzer sehr wohl Anspruch auf Schadensersatz hat. In den Medien seien in den Tagen vor dem Unwetter zahlreiche Warnungen des Deutschen Wetterdienstes kommuniziert worden. Meteorologen hatten prognostiziert, dass „Heini“ mit Böen von mehr als 100 Kilometern pro Stunde über das Land fegen würde. Bei derartigen Orkanböen handele es sich nicht um höhere Gewalt, so das Gericht, da solche Stürme in unseren Breiten immer wieder auftreten. Heißt: Ein Erdbeben in der Karmarschstraße hätte der Richter wohl als höhere Gewalt akzeptiert, ein gewöhnlicher Herbststurm aber reichte dafür nicht aus.

Allerdings goss von Bitter ein wenig Wasser in den Wein des siegreichen Klägers. 25 Prozent der Reparaturkosten muss dieser selbst tragen, da ihn ein Mitverschulden trifft. Angesichts der angekündigten Wetterlage hätte sich der BMW-Besitzer laut Urteil einen Parkplatz suchen müssen, der die durch den Orkan bedingten Risiken weitgehend ausschließt. Dies hätte sogar darauf hinauslaufen können, dass er sein Auto in „nicht mehr fußläufig zu überbrückender Entfernung“ abstellt. Von Bitter bezog sich dabei auf zwei Urteile aus Nordrhein-Westfalen, denen ein Winter-Szenario zugrunde lag: Dort waren Schneelawinen von Hausdächern auf abgestellte Fahrzeuge geprallt.

Auch in Hannover wurden schon etliche Autos durch Eis und Schnee von Dächern beschädigt. Vor zwei Jahren urteilte eine Amtsrichterin, dass die Besitzerin eines Ford Ka ihren Kleinwagen lieber am Eilenriederand als in der Gretchenstraße hätte parken sollen. Denn dann wäre ihr Auto nicht durch eine Dachlawine demoliert worden - und sie wäre nicht in die Verlegenheit gekommen, einen Teil der Reparaturkosten selbst übernehmen zu müssen.

Im Prozess um den fliegenden Windschutz maß der Richter den Löwenanteil des Verschuldens - 75 Prozent - aber eindeutig dem Wirt zu. Eine Wertminderung des BMW erkannte er allerdings nicht. Schließlich hätte die Werkstatt nur leichte Lackschäden ausbügeln müssen und es seien keine konstruktiven Beschädigungen wie nach einem schweren Verkehrsunfall aufgetreten.

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