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So sah es auf dem Flohmarkt am Hohen Ufer früher aus

Trödelmeile wird 50 Jahre alt So sah es auf dem Flohmarkt am Hohen Ufer früher aus

Am Sonnabend wird Deutschlands älteste Trödelmeile 50 Jahre alt. Damals waren die Stände noch nichts so wohlsortiert wie heute. Und immer wieder kam die Polizei. Grund genug, sich mal mit vielen historischen Fotos an die Anfangstage des Flohmarkts zu erinnern. Ein Rückblick. 

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Der Flohmarkt am Hohen Ufer früher. 

Quelle: Gerd Heidorn

Hannover. Teures Porzellan neben Schallplatten, regalweise Bücher neben Hausrat, Werkzeug und Wasserhähnen: Wer heute über Hannovers wohlsortierten Altstadt-Flohmarkt schlendert (manchmal ist er fast zu wohlsortiert), kann sich kaum vorstellen, was für ein improvisiertes Spektakel er in den Anfangstagen war. „Es war eine anarchische, künstlerische Stimmung“, sagt Tom Mayer, der langjährige Sprecher des Flohmarkt-Freundeskreises. Immer wieder kam die Polizei - weil nackte Frauen mit Kunstschnee besprüht wurden oder in einer nudistischen Modenschau das sexyste Höschen gekürt wurde, weil die Musik zu laut oder nicht angemeldet war oder weil es schlicht Ärger unter Standbetreibern gab. Ach ja, gehandelt und kauft wurde damals auch schon.

Der Flohmarkt in Hannover wird 50 Jahre alt. Am 8. April 1967 erhielt der gelernte Dekorateur und Lebens-Aktionskünstler Reinhard Schamuhn die Genehmigung der Stadt, dass normale Menschen Trödel in der Altstadt verkaufen dürfen. Impressionen von früher. 

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An diesem Sonnabend wird Deutschlands ältester Flohmarkt 50 Jahre alt. Damals, am 8. April 1967, hatte der gelernte Dekorateur und Lebens-Aktionskünstler Reinhard Schamuhn endlich die Genehmigung der Stadt bekommen, dass normale Menschen Trödel in der Altstadt verkaufen durften - so etwas gab es vorher nicht in Deutschland. Schamuhn, der oft in Paris war, hatte das Konzept aus der Seine-Metropole an die Leine-Metropole importiert. Zum Auftakt ergossen sich stilecht ein Behälterinhalt Seine-Wasser in die Leine und zeitgleich ein Schwall Leine-Wasser in die Seine. Spektakuläre Aktionen waren schon immer Schamuhns Geschmack. Viele Fotos zeugen von den Kunstaktionen, die er damals inszenierte. Nicht jeder Hannoveraner fand sie geschmackssicher, aber so war der Markt immer im Gespräch.

In Zeiten vor Mobelhäusern und Ebay

Der Flohmarkt war nicht nur im Flair anders als heute, er hatte auch eine andere Funktion. Wer sich billig einrichten wollte, fand das gebrauchte Geschirrset für wenige Mark und reichlich alte Möbel zur Auswahl. Ebay gab es noch nicht und auch keine Möbelhäuser, die Geschirr oder Nippes zum Schleuderpreis verkaufen. Heute machen die, die es wirklich nötig haben, den kleinsten Teil der Besucher aus. Ganz früh morgens kommen die Sammler, die mit konzentriertem Blick durch die Stände eilen und nach verborgenen Schätzen suchen. Und mittags folgt bei gutem Wetter der Pulk der Sonnabendbummler, die eigentlich nichts brauchen, aber vielleicht doch etwas kaufen, bevor sie am Beginenturm eine Bratwurst-Pommes essen oder in der Altstadt Tee oder Weinschorle trinken.

Als eigentlicher Initiator gilt der langjährige HAZ-Redakteur Klaus Partzsch. Zu den Gründungsmitgliedern gehören auch der ehemalige NP-Redakteur Rüdiger Knorr, kurze Zeit später kam etwa Aktionskünstler Timm Ulrichs hinzu. Doch die erste Genehmigungsurkunde der Stadt, abgezeichnet am 6. April 1967, ist auf Schamuhn ausgestellt. Streng heißt es im Amtsschreiben, dass der Platz anschließend zu reinigen sei und der Veranstalter für Schäden hafte. Immerhin: Gebühren waren nicht zu zahlen, weil ein möglicher Erlös für gemeinnützige Zwecke verwendet werden sollte. Hannover war unter Oberstadtdirektor Martin Neuffer eine weltoffene Stadt.

Vom Holzmarktplatz ans Hohe Ufer

In den Anfangstagen war der Flohmarkt noch nicht wöchentlich. Es war eher ein unorthodoxer Kunst- und Trödelmarkt auf den Straßen rund um den Holzmarktplatz. Die Stadt verlegte ihn bald ans Hohe Ufer. Immer wieder gab es Ärger um Dreck, fehlende Toiletten und Schwarzmarkthandel. Stadtimagepfleger Mike Gehrke übernahm bald die Organisation. Später war der Verkehrsverein zuständig, seit dessen Übergang in den Freundeskreis ist es eine Tochterfirma der Marketinggesellschaft HMTG, inzwischen patrouillieren Sicherheitskräfte von der Wach- und Schließgesellschaft über den Markt. Das Anarchische ist verschwunden, seinen Charme hat der Altstadtmarkt nicht verloren.

Die HMTG will das Jubiläum erst im Juni feiern, wenn das Wetter besser ist und die Baustellen am Hohen Ufer weniger Raum einnehmen. Freunde des vor vier Jahren verstorbenen Schamuhn aber haben für diesen Sonnabend, 11 Uhr eine kleine Feierstunde am Holzmarkt organisiert. Dann wird der Anfangstage gedacht - und für eine Gedenktafel gesammelt, die 2018 installiert werden soll.

Flohmarkt heute

Bis zu 295 Händler zählt Hannovers Altstadtflohmarkt in den Sommermonaten – im Winter und bei schlechtem Wetter sind es deutlich weniger. Der Rundkurs über das Hohe Ufer, Brücke Schlossstraße, Leibnizufer an den Nanas und Marstallbrücke misst fast einen Kilometer. Wegen der Dauerbaustellen an der Roßmühle ist der Rundkurs derzeit wenig komfortabel, stattdessen hat sich der Flohmarkt auf die Wiese vor dem Landtag ausgedehnt. Es gibt Besucher, die sagen: Das hat ihm gut getan. Die Grünfläche ermöglicht flexiblere Nutzungen, in dem Bereich wirkt der Flohmarkt oft lebendiger, spontaner. Vor allem leidet der Altstadt-Flohmarkt unter den vielen Konkurrenzen auf Großparkplätzen, wo private Verkäufer mit dem Auto vorfahren und direkt aus der Heckraumklappe Handel treiben können. Diese privaten Verkäufer mit ihrem Dachbodentrödel fehlen dem traditionsreichen Markt. Zwischenzeitlich hatte man das Gefühl, es seien jede Woche stets dieselben kommerziellen Händler mit immer gleichbleibenden Angeboten dort.

Eine Flohmarkt-Satzung regelt seit einigen Jahren, was verkauft werden darf, um das Angebot vielfältig zu halten. Ausgenommen sind etwa Originalverpacktes, größere Warenmengen desselben Typs, Bekleidung, Waffen, pornografische oder Parteien-Publikationen, neuere Elektrogeräte, Fahrräder oder Tiere. Die Preise sind sozial: Ein Meter Standlänge kostet 5 Euro Miete, je nach Tischlänge und -tiefe staffeln sich die Preise. Kassiert wird morgens, die Standbetreiber müssen im Sommer ab 7 Uhr aufbauen, Flohmarktzeit ist von 8 bis 16 Uhr (Wintermonate von 9 bis 15 Uhr).

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