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Stalking

Flucht vor dem Ex: 18-Jährige wird verfolgt und geschlagen

Von Sonja Fröhlich

Es hatte schon früh Anzeichen gegeben, dass mit Mario (alle Namen geändert) etwas nicht stimmte. Kleinigkeiten brachten ihn in Rage, mal war es ein unbedachter Spruch, mal auch nur ein bestimmter Unterton in der Stimme seiner Freundin.
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Archivbild

© Norbert Millauer/ddp

Sie waren erst ein paar Wochen zusammen, als er Melanie zum ersten Mal eine Ohrfeige gab. „Ich habe einen riesigen Schreck bekommen“, sagt sie. Am nächsten Tag verzieh sie ihm. Melanie war damals 17 Jahre alt, in diesem Alter können solche Sachen schnell vergessen sein.

Im März 2008 fuhren die beiden Schüler in die Türkei, es war ihr erster gemeinsamer Urlaub, und Melanie sagt: „Da hat es erst richtig angefangen.“ Schon am zweiten Tag schlug Mario seiner Freundin so heftig ins Gesicht, dass sie in den nächsten zwei Wochen eine Sonnenbrille trug, um ihr blaues Auge zu kaschieren. Als sie mit einem anderen Mädchen Telefonnummern austauschte, gefiel das ihrem Freund nicht. Unter einem Vorwand lockte er sie in ihr Hotelzimmer, dann schlug er los, immer wieder. Am Ende biss er sie so heftig in die Nase, dass sie brach. Aber in der Türkei sei gerade der Fall Marco aus Uelzen hochgekocht, da habe sie ihren Freund nicht angezeigt – er sollte nicht wie der wegen Missbrauchs angeklagte Marco im türkischen Gefängnis landen. Melanie hielt bis zu Hause durch, in Hannover wurde sie operiert. „Meinen Eltern habe ich erzählt, dass ich im Badezimmer ausgerutscht und auf den Badewannenrand gefallen bin“, erzählt sie und dreht unentwegt an ihren Armreifen. „Ich habe mich geschämt.“

Eigentlich ist Melanie kein Opfertyp, eher das Gegenteil: Sie ist eine selbstbewusste junge Frau, die von ihrer Lehre als Kosmetikerin schwärmt und selbst die hässlichsten Szenen sachlich schildert. Und eigentlich ist Mario kein Macho, der seine Freundin schlägt. Er ist ein kleiner, unauffälliger 18-Jähriger, der auf Melanies Eltern einen netten und höflichen Eindruck machte.

In den Wochen nach der Operation an der Nase meldete sich Mario immer wieder und flehte, sie solle ihm verzeihen. Einmal ging Melanie tatsächlich zu ihm, weil er nicht locker ließ, aus seiner Wohnung wurde sie schließlich von einem Krankenwagen abgeholt: Mario hatte ihr die Nase ein zweites Mal gebrochen und ihr auch die Vorderzähne ausgeschlagen. „Die Sanitäter wussten sofort, was Sache war“, sagt sie. Es war die Zeit, als die Polizei kam und Melanie ihren Eltern ein erstes Mal von den Misshandlungen erzählte. Sie hätten nie gedacht, dass Mario zu so etwas fähig sein könnte, sagt ihre Mutter bestürzt. „Wir haben uns noch von ihm überreden lassen, dass Melanie mit ihm in den Urlaub fährt.“

Melanies Eltern schalteten eine Anwältin ein, und Ende Juli erwirkten sie gegen Mario eine einstweilige Verfügung. Von nun an durfte er keinen Kontakt mehr zu Melanie aufnehmen oder ihre Nähe suchen. Die Androhung von 250 000 Euro Strafe oder sechs Monate Haft beeindruckten Mario offenbar nicht. Er zog in Melanies Nähe, vom Süden der Region in den Osten der Stadt – fünf Minuten zu Fuß von Melanies zu Hause entfernt. Sie sieht ihn auf dem Weg nach Hause oder zu ihrer Ausbildungsstelle, oder auch wenn sie mit Freundinnen ins Kino geht. Er lauert ihr hinter Ecken auf, manchmal verfolgt er sie stundenlang durch die Stadt.

Oft schon hat er ihr das Handy und die Tasche abgenommen und auch wieder zugeschlagen, ihr auch gedroht, sie umzubringen. Er terrorisiert sie mit Anrufen oder schickt SMS. Aus der ersten Liebe ist Gewalt, aus Gewalt ist ein sogenannter Stalkingfall geworden. Stalker werden Täter genannt, die Mitmenschen permanent verfolgen, belästigen und terrorisieren. Im September 2008 wurde Mario zu einer Strafe von 500 Euro verurteilt, weil er „massiv gegen die richterliche Anweisung verstoßen hatte“. Es half nichts, Mario verfolgte Melanie weiter.

Am Anfang habe sie noch jedes Mal die Polizei gerufen, wenn er sie bedrängte, berichtet Melanie. Ein Dutzend Mal vielleicht oder öfter. „Er war dann längst weg, und ich stand Ewigkeiten im Regen“, sagt sie. Den Beamten habe sie immer alles von vorn erzählen und stets die gleichen Fragen beantworten müssen. Warum sie noch einmal bei ihm übernachtet habe? Ob sie nicht auch ihn geschlagen habe? Und ob sie vielleicht selbst wolle, dass er zu ihr zurückkomme? „Ja, ich habe Fehler gemacht. Aber ich werde behandelt, als wäre ich in der Täterrolle und nicht er“, sagt die 18-Jährige. Seitdem dominiert Angst Melanies Leben. Aus Angst, ihrem Exfreund zu begegnen, geht sie Umwege oder nimmt sich ein Taxi. Oft lässt sie sich von ihren Eltern oder ihrer Chefin begleiten. Am Wochenende ist sie kaum noch mit ihren Freundinnen unterwegs, und wenn das Telefon klingelt, kriecht ihr die Angst den Rücken hinauf.

Am Montag steht Mario wegen Körperverletzung vor Gericht. Melanie hat die Hoffnung noch nicht verloren, dass die Justiz ihren früheren Freund diesmal einschüchtern könnte. „Ich will nur, dass er mich in Ruhe lässt. Ich will mich nicht mehr auf der Straße umdrehen müssen. Ich habe keine Lust und Kraft mehr“, sagt sie. Und das klingt so resigniert, wie es eine junge Frau in diesem Alter nicht sein sollte.

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  • kein migrationshintergrund Jimmy – 14.03.09
    nur zur info.. täter und opfer haben stammen aus deutschland..
  • Nicht wichtig reckless68 – 12.03.09
    Migrationhintergrund oder nicht, das Schlimme ist doch die Art mit der das Opfer behandelt wird. Sollte sie umgebracht werden wird wieder mal betont werden wie tragisch es doch ist, dass nicht mehr getan werden konnte. Stalker gehören in die geschlossene Anstalt, nicht auf die Straße!
  • Stadtmensch pastorlustig – 12.03.09
    In Kiel wurde aus Mehmet auch ein Timo.B ?????
  • Namen Geändert Stadtmensch – 11.03.09
    Werden die Vornamen geändert, um keine Rückschlüsse mehr auf die
    soziokulturelle Gruppe ziehen zu
    können, die der Täter entstammt?


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