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Weitere Turnhalle wird für Flüchtlinge geräumt

Wohnheime, Wohnungen und Notunterkünfte belegt Weitere Turnhalle wird für Flüchtlinge geräumt

Die steigenden Flüchtlingszahlen zwingen die Stadt Hannover dazu, weitere Sporthallen zu belegen. Ab Montag sollen in einer Halle in Hainholz 30 bis 40 Asylsuchende untergebracht werden. Die Kapazitäten in Wohnheimen, Wohnungen und Notunterkünften sind bereits erschöpft.

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Platz für 30 bis 40 Flüchtlinge: Die Sporthalle Voltmerstraße (Hausnummer 34) am Kulturhaus in Hainholz.

Quelle: Krajinovic

Hannover. Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) lässt jetzt systematisch prüfen, welche Sporthallen in Hannover sich für eine Unterbringung eignen. „Wir wollen auf zwei bis vier Hallen zurückgreifen können“, sagt Schostok. Zuvor werde man das Gespräch mit dem Stadtsportbund und den betroffenen Schulen suchen. Auf einer „Negativliste“ sollen diejenigen Sporthallen vermerkt werden, die von Schulen und Vereinen intensiv genutzt werden und als Unterkunft nicht infrage kommen. „Wir brauchen zusätzliche Kapazitäten“, sagt Baurat Uwe Bodemann.

Jede Woche muss die Stadt 50 bis 60 Flüchtlingen eine Unterkunft geben. Die Kapazitäten in Wohnheimen, Wohnungen und Notunterkünften sind erschöpft – dabei muss Hannover noch bis Jahresende voraussichtlich 2600 Asylsuchende aufnehmen. Das Land Niedersachsen hat Hannover im Dezember eine Zahl von 2650 Flüchtlingen genannt, die bis September zugewiesen werden. 1000 Asylsuchende konnte die Stadt bereits einquartieren, Platz für 1650 Menschen aus der Quote muss sie noch bis September schaffen. Für die restlichen Monate des Jahres rechnet man angesichts der anhaltend hohen Flüchtlingszahlen mit weiteren 1000 Asylsuchenden.

„Auch mit dem Aufbau von Zelten haben wir uns intensiv beschäftigt“, sagt Bodemann. Jedoch gebe es mehrere Gründe, die gegen eine Zeltstadt sprechen. Die Witterung sei in den vergangenen Wochen kalt gewesen, zudem verfüge man in Hannover nur über Zelte ohne Bodenplane. „Für ein Zeltlager müssten wir Infrastruktur schaffen, etwa Sanitäranlagen bauen“, sagt Bodemann. Im Grunde wäre eine Ausstattung wie auf einem Campingplatz nötig. „Daher haben wir uns für Turnhallen entscheiden“, sagt Bodemann. Schüler und Sportler litten zwar unter der Belegung, jedoch beginnen in vier Wochen die Sommerferien, und damit endet die Hochzeit der Hallennutzung.

Vier Sporthallen in Stöcken, Ahlem, Linden und Vahrenwald dienen derzeit als provisorische Flüchtlingsheime. In der Ahlemer Sportstätte leben 80 Menschen, in den übrigen Hallen rund 40. Sozialarbeiter kritisieren diese Form der Unterbringung, denn die Menschen haben in den Hallen keine Privatsphäre. „Wir bemühen uns, dass die Flüchtlinge nicht allzu lange in den Hallen wohnen und in andere Einrichtungen umziehen“, sagt Bodemann.

Mit der Sportstätte in Hainholz an der Voltmerstraße wird jetzt eine fünfte Halle belegt. Die Wahl sei auf die Turnhalle gefallen, weil dort Schüler nur zwei Stunden pro Woche Sport treiben, sagt OB Schostok. Zudem gebe es nur einen Sportverein, der in der Halle trainiert. Dabei handelt es sich um den Verein für Kunstradsport Hannover. Der zeigt sich überrascht von den Plänen der Stadt. „Mit uns hat keiner gesprochen“, sagt Sabine Leistner, sportliche Leiterin des Vereins. Die Kunstradler mussten bereits ihre angestammte Trainingsstätte im Schulzentrum Ahlem verlassen, weil dort Flüchtlinge einquartiert wurden. Jetzt müssen sie ein zweites Mal weichen. Im Sommer, verspricht der OB, werde die Halle in Ahlem wieder frei sein. „Wir bringen die Flüchtlinge vor Ort in Wohncontainern unter“, sagt er.

An manch hannoverscher Schule ist die Aufregung jetzt groß. Nach HAZ-Informationen ging am Donnerstag mindestens an einem Gymnasium ein Anruf ein, in dem es hieß, innerhalb einiger Tage werde eine Turnhalle samt Außengelände in eine Unterkunft umgewandelt. „Dann hätte es in einige n Jahrgängen keinen Sportunterricht mehr gegeben, auch die Ganztagsbetreuung wäre schwierig geworden“, heißt es aus dem Umfeld der Schule.

Wenig später und nach einer Anfrage der HAZ aber ruderte die Stadt zurück: Die Schule sei doch nicht für die Flüchtlingsunterbringung geeignet.

Stadt mietet Siloah-Container

Rund 200 Flüchtlinge können in der zweiten Julihälfte in den Containern des ehemaligen Siloah-Krankenhauses unterkommen. Die Stadt mietet die 110 Module, die dem Klinikum Region Hannover gehören, für einen Zeitraum von viereinhalb Jahren. Jährlich zahlt die Stadt dafür 532.000 Euro. Ende 2019 muss sie die Module auf eigene Kosten abbauen und entfernen. „Damit bekommen wir weitere dringend benötigte Unterkünfte für Flüchtlinge“, sagt Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD).

Während der Bauzeit für das neue Klinikum Siloah in Linden mussten Ärzte und Patienten auf ein Provisorium in Modulbauweise gleich nebenan ausweichen. Seit Eröffnung des neuen Siloah im September 2014 standen die Container leer. Monatelang haben Stadt und Region, Trägerin des Klinikums, über die in Hannover dringend benötigten Module verhandelt, ohne sich zu einigen.
„Ich freue mich, dass es Landeshauptstadt und Klinikum gelungen ist, zu einer Verständigung zu kommen“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau (SPD). Die gefundene Lösung sei fair. Das sieht man auch im Rat so. Die Stadt habe einen günstigen Preis für die Anmietung herausgeholt, heißt es in der Ratspolitik. Mit einem Quadratmeterpreis von 8 Euro sei die Stadt gut bedient.
Bereits am 1. Juli kann die Stadt das provisorische Bettenhaus übernehmen. Nach ein paar Umbauten soll die Unterkunft drei Wochen später zur Verfügung stehen. Die Zugänge zum neuen Siloah-Krankenhaus und zum Flüchtlingsheim werden getrennt. 

Übernahme Oststadt-Klinikum: Der Rat hat am Donnerstag mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Stadt Hannover das Grundstück des ehemaligen Oststadtkrankenhauses von der Region übernimmt. Mindestens 500 Wohnungen sollen dort entstehen.    

Von Andreas Schinkel und Felix Harbart

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