Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Auch Flüchtlinge leiden unter Wohnungsnot
Hannover Aus der Stadt Auch Flüchtlinge leiden unter Wohnungsnot
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 03.03.2017
Von Gunnar Menkens
Wohnung gesucht: Viele Flüchtlinge suchen ein Heim. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Ahmad Khero Hamo, ein 34 Jahre alter Familienvater aus dem Irak und als Asylbewerber anerkannt, sucht eine Wohnung. Er sucht sie nicht für sich allein, was schwierig genug wäre, sondern für seine Frau Jihan sowie für Dalya, Aikam, Ayden, Dima und Dalal, die gemeinsamen Kinder. Die älteste Tochter ist 13 Jahre alt, das jüngste Kind vergnügt und 19 Monate jung. Hamo spricht gut Deutsch, er war Lehrer im Land seiner Geburt, aber in Hannover hat er keine Arbeit. Man ahnt: Die Familie braucht Glück, um eine der raren Wohnungen für große Familien zu finden.

Kaum leichter ist es für Omid Ahmadi, 25, aus Afghanistan. Seit 16 Monaten lebt er in Deutschland. Er sucht ein kleines Dach über dem Kopf für sich; dass er eine Stelle hat, nützte ihm dabei nichts. Aus Damaskus flüchtete Muamar Hamdan. Auch der Syrer, 34, sah sich einige Wohnungen an. Ohne Erfolg. „Es gibt viele Leute“, sagt Ahmadi. Zum Beispiel auch Rabinath Nalla, 28, mit ihren Kindern Lina und Leonel. Die Mutter aus Benin möchte gerne in der Nordstadt bleiben, weil ihre Tochter hier in die Kita geht. Eine Wohnung gefunden hat sie nicht, es bleibt ein Zimmer für alle, in einer Unterkunft.

Frustrierendes Ehrenamt

Im Nachbarschaftskreis Hannover-Mitte können sie viele solcher Geschichten erzählen. Seit einem Jahr versuchen zwölf ehrenamtliche Helfer, Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen. Sie fischen Annoncen aus Tageszeitungen, rufen Vermieter an, vereinbaren Besichtigungstermine, füllen gemeinsam mit Flüchtlingen Anträge aus, informieren sie über Mülltrennung und weitere deutsche Eigenheiten, und sie begleiten Männer, Frauen und Familien zu den Terminen, um Vermietern Ansprechpartner zu sein, auch für die Zeit nach einer Vermietung. Falls es dazu kommt.

Denn fragt man Antje Porada nach einem Fazit, fällt es ernüchternd aus. Die Erfahrung der Unterstützer ist, dass es für alle Menschen unten auf der sozialen Leiter schwer ist, auch für Deutsche, und dass Flüchtlinge auf dem Markt alles andere als einen Bonus haben. „Sechs Wohnungen haben wir vermittelt, drei davon bei Gundlach.“ Aber Gundlach gilt wegen seines sozialen Engagements als befreundetes Unternehmen. Drei Wohnungen für Flüchtlinge auf dem Restmarkt - das ist das, was bleibt nach einem Jahr. „Frustrierend“, sagt Helga Berndmeyer, die im Nachbarschaftskreis ebenfalls Wohnungen sucht und Flüchtlinge begleitet zu Besichtigungen. Dort, sagt sie, arbeiten große Gesellschaften alles routiniert ab. Private Vermieter zeigten mal Interesse, mal sei an der Körpersprache zu erkennen, dass es nichts werde mit der Wohnung. Auch der „schlechte Ruf des Job-Centers“ trage dazu bei, dass Eigentümer Flüchtlinge als Mieter scheuten. Berndmeyer sagt, sie fürchteten lange Bearbeitungszeiten, wollten keine Kaution vom Job-Center und fürchteten, bei Problemen allein gelassen zu werden.

Die Initiative, längst nicht die einzige in Hannover, sucht derzeit um die 50 Wohnungen, darunter 30 Ein-Zimmer-Wohnungen. Sie will den Kreis jetzt größer ziehen, bei Kirchen anfragen und ältere Menschen ansprechen, die allein leben und viel Platz hätten. Menschen, die vielleicht aus eigener Erfahrung Flüchtlingsgeschichten kennen. Antje Porada, Ärztin von Beruf, sagt: „Was wäre das für eine Gesellschaft, wenn jeder nur noch die Ellenbogen ausfährt?“

Stadt will mehr Wohnungen schaffen

Der Kampf dürfte größer werden, wenn Mangel herrscht. Zahlen der Stadt lassen keinen Zweifel daran, dass deutlich mehr Wohnungen nötig sind, als der Belegrechtsmarkt hergibt. Im vergangenen Jahr stellten 1460 Menschen Anträge auf eine Ein-Zimmer-Wohnung im sozialen Wohnungsbau - frei waren nur 370. In 262 Anträgen suchten Menschen Wohnungen für fünf und mehr Personen - zu vergeben waren nur rund 20 Wohnungen mit fünf und mehr Zimmern. Die Konkurrenz ist groß, auch Deutsche suchen oft lange nach einer neuen Bleibe. Das städtische Integrationsmanagement hilft Flüchtlingen und Vermietern, wenn es etwa Ämter- und Sprachschwierigkeiten gibt. Außerdem will das Rathaus bis zum Jahr 2020 rund 2000 Wohnungen mit Belegrechten schaffen.

Die Folgen des beinahe leergefegten Marktes sind in Wohnheimen zu spüren. In Döhren etwa, wo Ingrid Wegener eine Unterkunft an der Hildesheimer Straße leitet: „Inzwischen leben die Bewohner im Schnitt zwei Jahre bei uns, es wird immer länger.“ Manche Männer sind bereits ein Jahr in einer Unterkunft, ehe die Familie nachkommt, dann müsse man oft noch ein weiteres Jahr rechnen. Wegener erlebt, dass Flüchtlinge, die sich auf eigene Faust eine Wohnung suchen, frustriert zurückkommen. Doch der Pool an Wohnungen werde immer kleiner, sagt Wegener. Und sie fragt skeptisch, wie verbreitet „die Offenheit von Eigentümern ist, eine freie Wohnung Flüchtlingen zu geben“.

Beim Eigentümerverband Haus & Grund ist der Vorsitzende Rainer Beckmann überrascht von dem Problem, dass Flüchtlinge und private Vermieter nicht recht zusammenkommen. „Das ist an uns noch nicht herangetragen worden.“ Beckmann verweist darauf, dass der Verein gemeinsam mit dem Studentenwerk mehr als 100 Studierende untergebracht habe. Er sagt, man habe sich „dort engagiert, wo man sich an uns gewendet hat“. Vielleicht kommen Ehrenamtliche, Flüchtlinge und Helfer also doch noch zusammen. Antje Porada wünscht sich jedenfalls: „Vermieter, die über ihren Schatten springen. Die Flüchtlinge sind total nett und angepasst.“ Das ist ein Appell, ohne Frage.

Aus der Stadt Stadtspaziergang mit Peter Knorn - „Es war alles so einfach damals“

Stadtspaziergang: Als Junge wollte er Musiker werden, und er wurde zu Fargo-Peter. Zwei Jahrzehnte lang hat Peter Knorn den Rock ’n’ Roll ausgekostet – und ihn auch um ein waghalsiges Kunststück bereichert.

Uwe Kranz 28.02.2017

Ein 29-jähriger Fußballrowdy aus Bremen ist vom Amtsgericht Hannover wegen Körperverletzung und Landfriedensbruchs zu 90 Tagessätzen von je 40 Euro verurteilt worden. Die Tat hatte sich im November 2015 ereignet.

Susanna Bauch 28.02.2017
Aus der Stadt Koalition in der Regionsversammlung - SPD und CDU ziehen positive Bilanz

Die Fraktions- und Parteivorsitzenden von SPD und CDU haben am Dienstagnachmittag eine positive Bilanz der ersten 100 Tage ihrer Zusammenarbeit in der Regionsversammlung gezogen. Überragendes Thema bisher sei die beschlossene Einführung der Schülernetzkarte, sagte SPD-Regionschef Matthias Miersch.

28.02.2017