Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
"Es ist doch meine Pflicht, zu helfen"

Flüchtlinge retten Motorradfahrer "Es ist doch meine Pflicht, zu helfen"

Zwei der Flüchtlinge, die am Sonntag einem Motorradfahrer das Leben retteten, berichten von ihrem Einsatz. Durch Zufall hatten sie den Knall am Waterlooplatz gehört und halfen, während fast alle Autofahrer den Unfall ignorierten.

Voriger Artikel
Tochter muss falsches Grab nicht komplett zahlen
Nächster Artikel
Hannovers meistbesuchtes Bürgeramt ist umgezogen

Abdullah Gül (l.) und Ahmad Saydo sind zwei der Helfer, die am Sonntag den schwerverletzten Motorradfahrer gerettet haben.

Quelle: Heidrich

Hannover. Ahmad Saydo und Abdullah Gül saßen draußen auf der Bank, rauchten eine Zigarette und tranken Kaffee. "Da hörten wir plötzlich einen Knall", sagt der 29-jährige Saydo. Unmittelbar vor ihrer Unterkunft hatte eine Autofahrerin einen Motorradfahrer überrollt. Der 75-Jährige wurde mehrere Meter mitgeschleift und lag eingeklemmt unter dem Seat Ibiza. "Er bekam kaum Luft und überall war Blut", sagt Gül. Der 19-Jährige konnte zwei Tage lang nicht auf die Kreuzung blicken, weil er die schrecklichen Bilder nicht aus dem Kopf bekam.

Auch Danil Valekzhanin vom Sicherheitsdienst bemerkte den Unfall, er war gerade auf Patrouille rund um die Unterkunft. "Ich bin sofort hingelaufen", sagt der 29-Jährige. Sein Kollege wählte den Notruf. Valekzhanin, Saydo und Gül versuchten mit vereinten Kräften, den Seat anzuheben. "Aber er war viel zu schwer", sagt Saydo. "Ich habe dann andere um Hilfe gebeten." Doch die meisten hätten stattdessen "ganz viele Fotos gemacht oder sind weitergefahren". Schließlich kamen noch mehr Bewohner der Unterkunft dazu. Derzeit leben etwa 50 Menschen im Containerdorf.

"Auch ich würde doch wollen, dass mir jemand hilft"

Gemeinsam wuchteten die rund 20 Helfer den Wagen an einer Seite hoch. "Als wir den Mann herausgezogen hatten, ließen wir das Auto wieder herunterfallen", sagt Abdullah Gül. Etwa 15 Minuten später traf der Rettungsdienst ein und versorgte den Schwerverletzten. Saydo ist immer noch fassungslos, dass so viele Passanten einfach am Unfallort vorbeigegangen seien. "Auch ich würde doch wollen, dass mir jemand hilft, wenn mir etwas passiert", sagt der Iraker. Das Befreien des 75-Jährigen habe nicht länger als eine Minute gedauert.

Ahmed Saydo lebt seit einem Jahr in der Unterkunft und arbeitet inzwischen bei einer kleinen Baufirma, Abdullah Gül stammt aus der Türkei, ist seit acht Monaten am Waterlooplatz und lernt gerade Deutsch. Für alle, die am Sonntag bei dem Unfall halfen, war der Einsatz völlig selbstverständlich - keiner sprach groß darüber. "Wir haben es zufällig erfahren", sagt Nadine Brandes von der Heimleitung des Deutschen Roten Kreuzes. "Danil erzählte uns ziemlich unspektakulär, dass sie da bei irgendeinem Unfall geholfen hätten." Doch danach sprach sich die Tat schnell in der Unterkunft herum und viele klopften den Helfern auf die Schultern. Denen ist der Ruhm aber etwas unangenehm. "Es ist doch meine Pflicht, zu helfen", sagt Saydo. "Ich hoffe, dass es dem Mann gut geht."

Von Peer Hellerling

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Anfang Juli heiratete Ernst August Erbprinz von Hannover Ekaterina Malysheva. Auf unserer Themenseite finden Sie Bilder, Videos und Berichte zur Promi-Hochzeit des Jahres in Hannover.

doc6xlkos7vvx1106ov5i04
Das sind die besten Gemeindebriefe der Landeskirche

Fotostrecke Hannover Aus der Stadt: Das sind die besten Gemeindebriefe der Landeskirche