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Aus der Stadt "Es ist doch meine Pflicht, zu helfen"
Hannover Aus der Stadt "Es ist doch meine Pflicht, zu helfen"
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18:40 19.10.2017
Abdullah Gül (l.) und Ahmad Saydo sind zwei der Helfer, die am Sonntag den schwerverletzten Motorradfahrer gerettet haben. Quelle: Heidrich
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Hannover

Ahmad Saydo und Abdullah Gül saßen draußen auf der Bank, rauchten eine Zigarette und tranken Kaffee. "Da hörten wir plötzlich einen Knall", sagt der 29-jährige Saydo. Unmittelbar vor ihrer Unterkunft hatte eine Autofahrerin einen Motorradfahrer überrollt. Der 75-Jährige wurde mehrere Meter mitgeschleift und lag eingeklemmt unter dem Seat Ibiza. "Er bekam kaum Luft und überall war Blut", sagt Gül. Der 19-Jährige konnte zwei Tage lang nicht auf die Kreuzung blicken, weil er die schrecklichen Bilder nicht aus dem Kopf bekam.

Auch Danil Valekzhanin vom Sicherheitsdienst bemerkte den Unfall, er war gerade auf Patrouille rund um die Unterkunft. "Ich bin sofort hingelaufen", sagt der 29-Jährige. Sein Kollege wählte den Notruf. Valekzhanin, Saydo und Gül versuchten mit vereinten Kräften, den Seat anzuheben. "Aber er war viel zu schwer", sagt Saydo. "Ich habe dann andere um Hilfe gebeten." Doch die meisten hätten stattdessen "ganz viele Fotos gemacht oder sind weitergefahren". Schließlich kamen noch mehr Bewohner der Unterkunft dazu. Derzeit leben etwa 50 Menschen im Containerdorf.

"Auch ich würde doch wollen, dass mir jemand hilft"

Gemeinsam wuchteten die rund 20 Helfer den Wagen an einer Seite hoch. "Als wir den Mann herausgezogen hatten, ließen wir das Auto wieder herunterfallen", sagt Abdullah Gül. Etwa 15 Minuten später traf der Rettungsdienst ein und versorgte den Schwerverletzten. Saydo ist immer noch fassungslos, dass so viele Passanten einfach am Unfallort vorbeigegangen seien. "Auch ich würde doch wollen, dass mir jemand hilft, wenn mir etwas passiert", sagt der Iraker. Das Befreien des 75-Jährigen habe nicht länger als eine Minute gedauert.

Ahmed Saydo lebt seit einem Jahr in der Unterkunft und arbeitet inzwischen bei einer kleinen Baufirma, Abdullah Gül stammt aus der Türkei, ist seit acht Monaten am Waterlooplatz und lernt gerade Deutsch. Für alle, die am Sonntag bei dem Unfall halfen, war der Einsatz völlig selbstverständlich - keiner sprach groß darüber. "Wir haben es zufällig erfahren", sagt Nadine Brandes von der Heimleitung des Deutschen Roten Kreuzes. "Danil erzählte uns ziemlich unspektakulär, dass sie da bei irgendeinem Unfall geholfen hätten." Doch danach sprach sich die Tat schnell in der Unterkunft herum und viele klopften den Helfern auf die Schultern. Denen ist der Ruhm aber etwas unangenehm. "Es ist doch meine Pflicht, zu helfen", sagt Saydo. "Ich hoffe, dass es dem Mann gut geht."

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