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Foodtrucks sagen Currywurst den Kampf an

Street Food in Hannover Foodtrucks sagen Currywurst den Kampf an

Die neuen Imbissbuden heißen „Foodtrucks“ – und sagen mit exotischen Gerichten Pommes und Currywurst den Kampf an. Auf „Street Food“-Märkten wird das neue Essensgefühl gefeiert – der Trend aus den Metropolen erobert nun auch Hannover.

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„So etwas kann nur der Straßenverkauf“: „Kosher-Food-Lovers“-Gründer Michael und Kuniko Krebs in ihrem Foodtruck auf der Lister Meile.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Irgendwann wollte Michael Krebs kein Restaurant mehr führen: „Mit Mitte 60 musste etwas Neues her“, sagt der umtriebige Gastronom, der mit dem Dai Shogun am Maschsee (heute Nordkurve) oder auch den Bars Oscar’s und Espada bekannt wurde. Geschickt fährt Krebs sein Messer durch den Tofu-Block, noch schnell eine Gewürzgurke drapiert und schon wandert ein Tofu-Pastrami-Sandwich über den Tresen seines bordeauxroten Transporters.

Exotisch sind bei „Kosher Food Lovers“ nicht nur die Gerichte auf der Karte des mobilen Imbissstandes, sondern auch die Geschichten der beiden Inhaber. „Wir bilden eine jüdisch-japanische Fusion“, erzählt der 69-Jährige mit dem herzhaften Lachen. Zusammen mit seiner japanischen Ehefrau Kuniko serviert er den Marktbesuchern auf der Lister Meile jüdischen Eintopf, japanisches Curry mit Reis und Bagels mit Olivenpaste. Alles sei kosher, also nach dem jüdischen Speisegesetz zubereitet, hebt der gläubige Jude immer wieder hervor. Die kleinen Gerichte zwischen drei und fünf Euro tragen die Handschrift ihrer umtriebigen Köche.

Essen auf Rädern klingt erst einmal nach Krankenhaus, fad, leicht bekömmlich und unaufgeregt. Die Foodtrucks beweisen derzeit in Hannover, dass dem nicht so sein muss.

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Es ist eine kleine Revolution, die sich gerade am Straßenrand vollzieht: Schnöde Imbissbuden werden zu „Foodtrucks“, das schnell verzehrte belegte Brot wird zum „Streetfood“. Und aus einem Markt wird ein „Street Food Festival“. Eine neue Freizeitbeschäftigung für junge Trendbewusste. Doch hinter dem Trend steckt mehr: „Die Leute achten immer mehr darauf, dass auch das schnelle Essen gesund ist“, beobachtet Christine Koch, die vor zwei Jahren den Foodtruck der „Soupsisters“ auf seine Rollen stellte, aus dem nun einige Schritte weiter auf der Lister Meile Suppen, Salate und innovative Hotdogs verkauft werden.

Kleine Garküchen und Imbissstände gehören in Asien, Südamerika oder den USA schon lange traditionell zum Stadtbild dazu. Die landestypischen Speisen werden frisch zubereitet und wandern auf Servietten oder in kleinen Boxen angerichtet von der Hand direkt in den Mund. „Hier isst man einfach auf der Straße“, sagt Udo Klassen. Als Organisator von Street Food Events bringt er Anhäger der mobilen Garküchen zusammen. In den Metropolen Deutschlands und Europas sind Essensmärkte längst ein beliebtes Freizeitevent: In Barcelona stehen die jungen Gourmets schon mal mehrere Stunden an - nur um überhaupt Einlass zum Markt zu bekommen.

Auch die Hannoveraner finden Gefallen an dem besonderen Essen auf Rädern: Die ersten „Street Food“-Märkte Ende September am Hauptbahnhof und am Faust-Gelände waren gut besucht. An diesem Wochenende machen erneut etwa 25 Foodtrucks Station in Linden-Nord.

Noch immer überrascht beobachten Michael und Kuniko Krebs wie sich um die Mittagszeit viele Hungrige vor ihnen drängen, die meisten wissen schon, dass sich hinter „Pastrami“ geräuchertes Fleisch und hinter „Schabbes Tschulent“ ein jüdischer Eintopf verbirgt. Seit Mai 2014 parkt das Ehepaar seinen mobilen Stand auf den Wochenmärkten. Dienstags in Linden, freitags auf dem Stephansplatz. Zwischen Bagel und Linsenpaste wird gelacht und gescherzt, jeder spürt wie sehr das lebensfrohe Ehepaar den direkten Kontakt zu seinen Gästen liebt. „So etwas kann nur der Straßenverlauf“, resümiert Inhaber Krebs.

Beim Streetfood gehe es weniger um schnelles Essen, als um nachhaltige und gesunde Ernährung, sagt Udo Klassen. Die Imbisswagen setzen auf den schnellen Happen für Zwischendurch, die Liste ihrer bunten Speisen liest sich aber wie ein biologisches Sternemenü: orientalische Wraps und Fladen, Burger mit frischen Biozutaten und regionalem Fleisch und vegane Suppenkreationen.

Michael Krebs sagt, er habe mit „Kosher Food Lovers“ einen „bequemen Alltagsjob“ gesucht. „Jetzt stehen wir hier und wundern uns, dass so viele kommen.“

Von Linda Tonn

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