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Aus der Stadt Auch ohne Nobelpreis: „Wir sind alle guter Laune“
Hannover Aus der Stadt Auch ohne Nobelpreis: „Wir sind alle guter Laune“
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00:16 06.10.2017
Karsten Danzmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik Quelle: Tim Schaarschmidt
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Wie fühlen Sie sich jetzt, nachdem der Physik-Nobelpreis an drei Forscher aus den USA geht? Für den Nachweis der Gravitationswellen, an dem Hannover deutlich beteiligt ist?

Prima, bestens, wir sind alle guter Laune.

Ihr Namen wurde auch immer wieder gehandelt, wenn es um die Kandidaten für den Preis ging. Sind Sie nicht doch ein klein wenig enttäuscht?

Nein, nein. Das ist halt so, wenn Sie auf einem Gebiet arbeiten, an dem viele Leute beteiligt sind. Die Auswahl der drei Preisträger geht in Ordnung, sie ist richtig so. Rainer Weiss steht für die Anfänge der Forschung zu Gravitationswellen, Kip Thorne für die Theorie und Barry Barish für das gesamte weltweite Team von rund tausend Wissenschaftlern. Barry Barish - das sind wir alle.

Karsten Danzmann hat maßgeblich das Lasermessverfahren entwickelt, mit dem der Nachweis der Existenz von Schwerkraftwellen gelang. Der Forscher verfolgt die Verkündung des Physik-Nobelpreises per Live-Übertragung inmitten von Mitarbeitern, Kollegen und Gästen im Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover. Leider gehen die Forscher leer aus – freuen sich aber trotzdem für ihre Kollegen.

Dennoch ist die Auswahl doch immer auch willkürlich, oder?

Als Dritter wäre auch Vladislav Pustovoit infrage gekommen, ein steinalter Russe und Visionär, oder ein Europäer für die Technologie. Die Nobelpreise sind nie komplett fair, und das können sie auch nicht sein. Sie sind nicht dazu da, einzelnen Wissenschaftlern einen Gefallen zu tun. Aber sie sind nützlich für die Wissenschaft überhaupt, denn die Verkündung ist das einzige Mal im Jahr, wo Menschen sich um Wissenschaft kümmern. Da braucht man Helden, Gesichter, damit die Leute zuhören, und das ist ganz gut gelungen.

Hintergrund

Der Nobelpreis für Physik geht an Pioniere der Gravitationswellenforschung. Die Forscher aus Hannover gehen leer aus.

Mit Ihren Kollegen und Mitarbeitern sind Sie wesentlich am Durchbruch beteiligt. Was bedeutet der Nobelpreis für Ihr Team?

Ich denke, es werden sich Türen öffnen. Wir haben jetzt gewisse Chancen, unsere Ideen rüberzubringen, wie es in unserem Forschungsgebiet weitergeht. Das Interesse der Leute für das Thema ist aber begrenzt. Das verploppt natürlich auch schnell innerhalb der nächsten Monate. Aber aus der Beobachtung der Gravitationswellen kommen noch mehr Knüller. Am 16. Oktober gibt es unsere nächste Pressekonferenz. Das wird noch einmal Aufmerksamkeit bringen.

Aber was genau wollen Sie denn in der nächsten Zeit bei Entscheidungsträgern und Geldgebern vorantreiben?

Wir haben mit unserer Technologie ein neues Sinnesorgan für das Universum bekommen. Die Observatorien, die 2030 in Betrieb gehen sollten, damit wir den Urknall hören, müssen jetzt angeschoben werden. Ich werde das sicher noch erleben.

Blaue LEDs, Götterteilchen und die Entdeckung der beschleunigten Ausdehnung des Universums: Diese Wissenschaftler haben mit ihren Beobachtungen und Entwicklungen die Physik der letzten Jahrzehnte geprägt – und dafür von 2010 bis 2016 den Nobelpreis erhalten. 

Die Ergründung des Urknalls ist natürlich spektakulär, das große Ding. Aber was bleibt, wenn das geklärt ist?

Wahrscheinlich war es noch viel irrer, nicht nur ein Knall. So einfach war es sicher nicht. Es geht letztlich darum, warum es uns überhaupt gibt.

Ärgern Sie sich, dass die USA so wesentlich mehr Geld in die Forschung stecken?

Das ist nicht durch die Bank richtig. Die Hochtechnologie für die Entdeckung der Wellen ist zum allergrößten Teil bei uns entstanden. Die Amerikaner haben viele Millionen in große Detektoren gesteckt, in Infrastruktur, Gebäude, große Vakuumröhren, nicht in Hochtechnologie. In Deutschland ist in den Neunzigerjahren sicher eine Fehlentscheidung getroffen worden. Aber zum Glück kann man gute Ideen auch mit wenig Geld haben.

Interview: Bärbel Hilbig

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