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Neue Saurierart im Landesmuseum entdeckt

Lagenanectes richterae Neue Saurierart im Landesmuseum entdeckt

Der Lagenanectes richterae, einst in Sarstedt gefunden, ist älter als bekannte Verwandte. Benannt ist er nun nach der Oberkustodin der Naturwelten. Der Fund wurde nicht etwa bei Ausgrabungen gemacht, sondern im Landesmuseum Hannover.

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Annette Richter hält den Fund.

Quelle: Rainer Dröse

Hannover. Saurierforscher müssen nicht unbedingt selbst in einen Steinbruch hinabsteigen. Für die spektakuläre Entdeckung einer neuen, lange ausgestorbenen Tierart kann der Besuch in einem gut bestückten Museum völlig ausreichen. Ein Team von Paläontologen ist auf diesem Wege jetzt im Landesmuseum auf eine bisher unbekannte Art von Meeressauriern gestoßen.

Paläontologen entdecken im hannoverschen Landesmuseum eine bisher unbekannte Art von Meeressauriern.

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Das rund acht Meter lange Tier machte vor mehr als 130 Millionen Jahren ganz in der Nähe des heutigen Hannover die Fluten unsicher. Die Überreste des nun Lagenanectes richterae genannten Sauriers fanden Fossiliensammler 1964 in der Tongrube Moorberg bei Sarstedt. „Er stand sicher am oberen Ende der Nahrungskette und ernährte sich hauptsächlich von Fischen“, berichtet Sven Sachs, der die Entdeckung jetzt als Hauptautor in der Fachzeitschrift Journal of Vertebrat Palaelontology veröffentlicht hat.

Der Saurier fraß Fische

Annette Richter, Oberkustodin der Naturwelten im Landesmuseum, hatte so eine Ahnung, dass das versteinerte Skelett des Schwimmsauriers Überraschungen bergen könnte. Ihr eigenes Forschungsgebiet liegt aber bei den Landwirbeltieren, Experten für Meeressaurier sind rar. „Ich habe bewährte jüngere Kollegen immer wieder damit genervt, was für tolles Material wir hier haben“, berichtet die 51-Jährige. So lange, bis Sven Sachs und Jahn Hornung anbissen. Die beiden zogen schließlich noch den Spezialisten Benjamin Kear von der Uni Uppsala hinzu. Und nun heißt der Saurier nach Annette Richter (s. Text unten).

"Das Tier war schon sehr alt"

Und obwohl das Skelett unvollständig ist, stellten die Forscher durch Datenabgleich wesentliche Unterschiede zu verwandten Saurierarten fest. Im Unterkiefer saßen Zähne seitlich, außerdem hatte das Tier ein verstärktes Kinn mit markanten Beulen. Auf der Oberseite des Schädels besaß der Lagenanectes richterae Gruben, vermutlich mit Druck- oder Elektrosensoren, mit denen er Beute erspüren konnte. „Das Tier war schon sehr alt. Am Schädel gibt es eine Verformung, die von einer Entzündung stammen könnte“, berichtet Sachs. Spuren eines Kampfes, womöglich mit Todesfolge? Genaueres soll eine Untersuchung an der Tierärztlichen Hochschule ergeben.

Die neue Saurierart gehört zur Familie der Elasmosauriden, die enorm lange Hälse und kurze Schwänze aufwiesen. Manche Arten hatten bis zu 75 Halswirbel, mehr als jedes andere Wirbeltier. In Marokko und Nordamerika entdeckte Arten lebten deutlich später als der Lagenanectes. Die schwimmenden Reptilien mit Lungenatmung waren in der Lage, den damaligen, noch schmaleren Atlantik zwischen Amerika und Afrika zu durchqueren. „Möglich, dass Lagenanectes das auch konnte“, schätzt Sachs.

Annette Richter und die Leine sind Namenspaten

Die Entdecker des bisher unbekannten Meeressauriers haben die neue Art Lagenanectes richterae nach Annette Richter, der Oberkustodin für Naturkunde im Landesmuseum, genannt. „Das war uns eine Ehre, denn sie hat das Wissen über fossile Wirbeltiere in Niedersachsen beträchtlich erweitert – und ist eine gute Freundin“, sagt Sven Sachs. Richter setze sich weit über das Fachliche hinaus für die Paläontologie (die Erforschung geologischer Überreste früherer Lebewesen) ein, betont Jahn Hornung. „Eine Würdigung war einfach überfällig.“ Die neu untersuchte Fossilie begründet sogar eine eigene Gattung mit der Bezeichnung Lagenanectes. Das Wort setzt sich aus dem mittelalterlichen „Lagena“ für Leine und dem griechischen „nektes“ für Schwimmer zusammen. An die Leine war zur Zeit des „Leineschwimmers“ allerdings noch lange nicht zu denken. Die Landschaft war eine Küstenregion, die vom steigenden Meerespegel überflutet wurde.

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