Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Neue Saurierart im Landesmuseum entdeckt
Hannover Aus der Stadt Neue Saurierart im Landesmuseum entdeckt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 02.09.2017
Von Bärbel Hilbig
Annette Richter hält den Fund. Quelle: Rainer Dröse
Anzeige
Hannover

Saurierforscher müssen nicht unbedingt selbst in einen Steinbruch hinabsteigen. Für die spektakuläre Entdeckung einer neuen, lange ausgestorbenen Tierart kann der Besuch in einem gut bestückten Museum völlig ausreichen. Ein Team von Paläontologen ist auf diesem Wege jetzt im Landesmuseum auf eine bisher unbekannte Art von Meeressauriern gestoßen.

Paläontologen entdecken im hannoverschen Landesmuseum eine bisher unbekannte Art von Meeressauriern.

Das rund acht Meter lange Tier machte vor mehr als 130 Millionen Jahren ganz in der Nähe des heutigen Hannover die Fluten unsicher. Die Überreste des nun Lagenanectes richterae genannten Sauriers fanden Fossiliensammler 1964 in der Tongrube Moorberg bei Sarstedt. „Er stand sicher am oberen Ende der Nahrungskette und ernährte sich hauptsächlich von Fischen“, berichtet Sven Sachs, der die Entdeckung jetzt als Hauptautor in der Fachzeitschrift Journal of Vertebrat Palaelontology veröffentlicht hat.

Der Saurier fraß Fische

Annette Richter, Oberkustodin der Naturwelten im Landesmuseum, hatte so eine Ahnung, dass das versteinerte Skelett des Schwimmsauriers Überraschungen bergen könnte. Ihr eigenes Forschungsgebiet liegt aber bei den Landwirbeltieren, Experten für Meeressaurier sind rar. „Ich habe bewährte jüngere Kollegen immer wieder damit genervt, was für tolles Material wir hier haben“, berichtet die 51-Jährige. So lange, bis Sven Sachs und Jahn Hornung anbissen. Die beiden zogen schließlich noch den Spezialisten Benjamin Kear von der Uni Uppsala hinzu. Und nun heißt der Saurier nach Annette Richter (s. Text unten).

"Das Tier war schon sehr alt"

Und obwohl das Skelett unvollständig ist, stellten die Forscher durch Datenabgleich wesentliche Unterschiede zu verwandten Saurierarten fest. Im Unterkiefer saßen Zähne seitlich, außerdem hatte das Tier ein verstärktes Kinn mit markanten Beulen. Auf der Oberseite des Schädels besaß der Lagenanectes richterae Gruben, vermutlich mit Druck- oder Elektrosensoren, mit denen er Beute erspüren konnte. „Das Tier war schon sehr alt. Am Schädel gibt es eine Verformung, die von einer Entzündung stammen könnte“, berichtet Sachs. Spuren eines Kampfes, womöglich mit Todesfolge? Genaueres soll eine Untersuchung an der Tierärztlichen Hochschule ergeben.

Die neue Saurierart gehört zur Familie der Elasmosauriden, die enorm lange Hälse und kurze Schwänze aufwiesen. Manche Arten hatten bis zu 75 Halswirbel, mehr als jedes andere Wirbeltier. In Marokko und Nordamerika entdeckte Arten lebten deutlich später als der Lagenanectes. Die schwimmenden Reptilien mit Lungenatmung waren in der Lage, den damaligen, noch schmaleren Atlantik zwischen Amerika und Afrika zu durchqueren. „Möglich, dass Lagenanectes das auch konnte“, schätzt Sachs.

Annette Richter und die Leine sind Namenspaten

Die Entdecker des bisher unbekannten Meeressauriers haben die neue Art Lagenanectes richterae nach Annette Richter, der Oberkustodin für Naturkunde im Landesmuseum, genannt. „Das war uns eine Ehre, denn sie hat das Wissen über fossile Wirbeltiere in Niedersachsen beträchtlich erweitert – und ist eine gute Freundin“, sagt Sven Sachs. Richter setze sich weit über das Fachliche hinaus für die Paläontologie (die Erforschung geologischer Überreste früherer Lebewesen) ein, betont Jahn Hornung. „Eine Würdigung war einfach überfällig.“ Die neu untersuchte Fossilie begründet sogar eine eigene Gattung mit der Bezeichnung Lagenanectes. Das Wort setzt sich aus dem mittelalterlichen „Lagena“ für Leine und dem griechischen „nektes“ für Schwimmer zusammen. An die Leine war zur Zeit des „Leineschwimmers“ allerdings noch lange nicht zu denken. Die Landschaft war eine Küstenregion, die vom steigenden Meerespegel überflutet wurde.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Aus der Stadt Marienstraße: Demonstration für saubere Luft - Aktivisten fordern Verkehrswende

Der Ort war mit Bedacht gewählt: Das Umweltbündnis "Hannovair Connection" hat an der Marienstraße in Höhe Henriettenstift für eine Verkehrswende und für stärkere Anstrengung im Kampf gegen Luftverschmutzung demonstriert. Die Marienstraße gehört zu denen mit der höchsten Belastung in der Stadt.

Bernd Haase 30.08.2017

Hier kauften schon Gunter Gabriel und Bela B ihre Schallplatten: Der Plattenladen 25 Music an der Lister Meile wird 30 Jahre alt. Gefeiert wird im September einen ganzen Monat lang mit Gratis-Konzerten und Aktionen.

Tobias Morchner 02.09.2017

Der 32-jähriger Barbesitzer Mahir Q. aus Laatzen hat am Mittwoch vor dem Landgericht Hannover gestanden, im März seine eigene Gaststätte in Misburg angezündet und sich als Opfer eines Raubüberfalls dargestellt zu haben. Ein Gerichtsurteil wird bereits am Freitag erwartet.

Michael Zgoll 30.08.2017
Anzeige