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Boehringer

Forschung an Grippeviren in Kirchrode wäre möglich

Von Gunnar Menkens

Der Pharmakonzern Boehringer plant nach eigenen Angaben in seinem Tierimpfstoffzentrum keine Forschungen an der Schweinegrippe. Dies sagte eine Unternehmenssprecherin am Montag, schränkte aber ein: „Selbst wenn wir dies täten, dann lediglich an Formen der normalen Schweinegrippe, die nur von Tier zu Tier übertragbar sind.“
Die Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung in Wohngebieten sammelt am Klönschnackplatz Unterschriften gegen das Boehringer-Forschungszentrum.

Die Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung in Wohngebieten sammelt am Klönschnackplatz Unterschriften gegen das Boehringer-Forschungszentrum.

© Sandra Schütte

Das Forschungszentrum in Kirchrode erfüllt laut Gewerbeaufsichtsamt die baulichen Voraussetzungen, um mit Influenzaviren zu experimentieren, auch solchen, wie sie in Mexiko auftraten.

Die Bürgerinitiative gegen Massentierversuche zweifelt die Beherrschbarkeit solcher Forschung an und sieht sich durch den Ausbruch der Influenza in Mexiko bestätigt. Boehringer betonte stets, in Kirchrode an Erregern zu forschen, die bei Schweinen Lungen- und Durchfallerkrankungen auslösten und nur „in sehr seltenen Fällen“ auf Menschen übertragen werden könnten. Konzernsprecherin Heidrun Thoma schloss aus, dass es im hannoverschen Versuchstierstall zu ähnlichen Reaktionen wie in Mexiko kommen könne. Dort entstand, vermutlich aus der Verbindung mehrerer Viren, ein neuer Grippeerreger, der für Menschen tödlich sein kann. Dies sei im Forschungszentrum Kirchrode nicht möglich: Durch Untersuchungen sei sichergestellt, dass Tiere keine Viren in sich trügen. Für eine „Rekombination“ wie in Mexiko seien aber mindestens zwei unterschiedliche Erreger notwendig.

Widersprüchliche Angaben machen Boehringer und Gewerbeaufsichtsamt zur Frage, ob der Konzern im geplanten Versuchstierstall an Erregern der Schweinegrippe forschen darf. Das Pharmaunternehmen plant eine Anlage der Risikogruppe 3. „Die baulichen Voraussetzungen für Forschungen an der Schweinegrippe sind vorhanden“, sagte Uwe Licht-Klagge von der Aufsichtsbehörde. Thoma dagegen erklärte, der Konzern forsche in ganz Deutschland nicht am Grippevirus, auch das Impfstoffzentrum in Kirchrode sei darauf nicht ausgerichtet, notwendig wäre etwa ein schärferer Mitarbeiterschutz.

In Laboren der Risikogruppe 3 darf an Krankheitserregern geforscht werden, die für Menschen gefährlich sind, durch vorbeugende Maßnahmen aber beherrschbar scheinen. Licht-Klagge sagte, dazu zähle zum Beispiel Aids, mutmaßlich auch das Mexiko-Virus. Ein Antrag zur Erforschung von Schweinegrippe liege dem Amt aber nicht vor. Zur Risikogruppe 4 gehören Erreger von Tropenkrankheiten wie Ebola. Würde Boehringer daran forschen wollen, müssten Behörden dies genehmigen. Die Bürgerinitiative bleibt dennoch skeptisch. Ihr Vorsitzender Klaus Neudahm erklärte: „Wer an Atemwegs- und Lungenkrankheiten forscht, forscht auch an Influenza.“

Der Konzern wies dies ebenso zurück wie Behauptungen, Filter und Laugen würden Erreger nicht vollständig zurückhalten und vernichten. Neudahms Parteifreund, WfH-Ratsherr Jens Böning warnte, in Mexiko sei passiert, was Kritiker immer befürchtet hätten. Er forderte ein neues Sicherheitsgutachten, was auch Kirchrodes Bezirksbürgermeister Manfred Benkler (CDU) für erwägenswert hält.

Im übrigen Rat bleibt man bei den Ansiedlungsplänen. „Es geht hier nicht um Grippeforschung“, sagte SPD-Fraktionschefin Christine Kastning. Union und Grüne äußerten sich ähnlich. Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) betonte, Deutschland habe die schärfsten Gesetze, was Genehmigungen solcher Anlage betreffe, er vertraue den Behörden.

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  • Unwissenheit und Panikmache O.H. – 28.04.09
    Als ob jeder Pharma-Konzern seine Gebäude in die Wallachai bauen würde... Die BASF steht mitten in Ludwigshafen, genauso wie Novartis mitten im schönen Basel steht und auch an der MHH geforscht... um nur einige von vielen Beispielen zu nennen! Das geplante Impfstoffzentrum in Kirchrode wird nicht das erste und nicht das letzte Forschungegebäude sein, dass in die Nähe einer Wohnsiedlung gebaut wird. Aber wenn darin an HIV-Viren, anderen Krankheitserregern oder gentechnisch veränderten Organismen geforscht wird, beschwert sich auch niemand. Jetzt wird auf einmal Panik gemacht... Aber die erfolgreichen Medikamente werden dann plötzlich trotzdem gekauft...
  • Rat der Ahnungslosen MW – 28.04.09
    Wer sowas schreibt, hat zum einen keine Ahnung was für eine Unternehmenskultur bei Boehringer herscht und zum anderen welche immensen behördlichen Anforderungen und Auflagen mit dem Betrieb eines Forschungszentrums einhergehen.
  • Reine Panikmache tl – 28.04.09
    Die Panik, die von den Anwohnern ausgeht ist echt süß. Dass nebenan an der TiHo schon lange Tierversuche stattfinden, scheinen sie wohl nicht zu wissen... Unwissenheit ist aber leider ein großer Faktor, so auch im Bezug auf Boehringer.
    Aber dass man an Aids forschen kann wusste ich noch garnicht... Das ist nämlich das HI-Virus!
  • Rat der Ahnungslosen WillmaNord – 28.04.09
    Natürlich ist die Forschung bei Boehringer sicher und unkritisch, ... solange die Anlagen neu sind, die Prozesse nicht an die Grenzen gehen und die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter noch nicht abgeflacht ist. Und danach? Bei einem Labor in unbewohntem Gelände ließen sich Pufferzonen bilden. Kirchrode einfach unter Quarantäne stellen? Schon wegen der Kosten werden Störfälle mit Sicherheit möglichst lange verschwiegen. Die Boehringer-Fans in Politik und Verwaltung werden da schon mitspielen.

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