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Aus der Stadt Hannover bekommt neue Spitzeneinrichtung
Hannover Aus der Stadt Hannover bekommt neue Spitzeneinrichtung
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21:53 26.05.2016
Von Bärbel Hilbig
Prof. Dr. Meike Stiesch ist mit ihrem Team bereits im Labor eingezogen. Quelle: von Ditfurth
Hannover

„Auf dem Institut liegen große Hoffnungen. Der Biomedizintechnik kommt angesichts der alternden Bevölkerung große Bedeutung zu. Und es ist kein Zufall, dass das Nife in Hannover liegt“, betonte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka gestern bei der Eröffnung. Sie hob die bundesweite Einmaligkeit der interdisziplinären Einrichtung hervor. „Das ist herausragend. Hier werden Weichen für die Zukunft gestellt.“ Wenn Mediziner auf Probleme bei der Verträglichkeit von Hüftprothesen stoßen oder die Leistungsfähigkeit von Hörimplantaten verbessern wollen, sitzen sie nun mit Ingenieuren, Biologen und Materialforschern Tür an Tür.

280 Forscher aus drei hannoverschen Hochschulen arbeiten von unter einem Dach an innovativer Spitzenforschung im sogenannten Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und -entwicklung (Nife).

Auf 7000 Quadratmetern beschäftigen sich Wissenschaftler in dem 60 Millionen Euro teuren Neubau mit innovativen Implantaten im Bereich Herz, Hören, Zahn und Orthopädie und entwickeln Strategien gegen Infektionen, die von den körperfremden Materialien hervorgerufen werden können. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) geht fest davon aus, dass der anwendungsorientierte Forschungsverbund die Ansiedlung von Biotechnologiefirmen in Hannover beschleunigen wird – und nennt dabei das Boehringer-Forschungszentrum in Kirchrode in Nachbarschaft der TiHo als Beispiel. Der Standort des Nife liegt nicht zufällig im Medical Park am Stadtfelddamm in direkter Nähe zu MHH und biomedizintechnischen Unternehmen.

Die Forscher am Nife kommen aus rund 30 Hochschulinstituten in den Bereichen Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie dem Laserzentrum Hannover. Bezeichnend ist es, dass die beiden hannoverschen Forschungsverbünde, die die Bundesregierung aktuell im Rahmen ihrer Exzellenzinitiative fördert, beide im Nife aktiv sind. Im sogenannten Exzellenzcluster „Von Regenerativer Biologie zu Rekonstruktiver Therapie“ (Rebirth) untersucht MHH-Herzspezialist Axel Haverich, wie sich die Selbstregeneration von Herz, Lunge und anderen Organen für medizinische Zwecke nutzen lässt. Haverich leitet einen Teilbereich des Nife – genauso wie Thomas Lenarz, Direktor der MHH-Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Im Exzellenzcluster „Hearing4all“ arbeitet er mit seinem Team an der Verbesserung der Cochlea-Implantate, die tauben Menschen das Hören ermöglichen.

Im Nife nimmt die Hörforschung nun eine ganze Etage ein. „Bisher haben wir auf den Implantaten 20 Elektroden. Wir brauchen aber 60, damit es klingt wie ein normales Ohr.“ Die wie Härchen abstehenden künstlichen Kontakte machen das winzige Kabel im Ohr dann jedoch zu steif. Elektrisch leitender, biegsamer Kunststoff statt Metall verspricht einen Ausweg.

Forschungsministerin Wanka wies darauf hin, dass der zukunftsträchtige Bereich der Biomedizinforschung der Bundesregierung sehr wichtig sei und beträchtliche Fördertöpfe bereitstehen. „Wir wollen attraktive Bedingungen für junge Forscher schaffen.“ Ministerpräsident Weil deutete an, dass das Nife bei der nächsten Runde der Exzellenzinitiative eine Rolle spielen könnte. „Das Nife erhöht die internationale Sichtbarkeit Hannovers erheblich“, betonte Bürgermeister Thomas Hermann und versprach eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Bund und Land tragen je zur Hälfte knapp 54 Millionen Euro für Bau und Einrichtung des Nife. Weitere 6,5 Millionen Euro kommen von der Braukmann-Wittenberg-Stiftung speziell für die Herzforschung. Die Spende sei wesentlich gewesen, betonte Nife-Leiter Manfred Elff und dankte für das „Musterbeispiel für Mäzenatentum“.

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