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Aus der Stadt Lumix-Jury sucht 60 aus 1000 Fotoreportagen aus
Hannover Aus der Stadt Lumix-Jury sucht 60 aus 1000 Fotoreportagen aus
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17:49 21.02.2018
Habibo Mohamed, Mitte, und ihre Familie warten auf die Tochter, die wegen Trumps Einreiseverbot nicht zu ihnen in die USA darf. Quelle: Melissa Golden/Redux
Hannover

 Blaue Säcke. Nicht für Altpapier oder Möbelaccessoires. Sondern für tote Iraker oder Reste von ihnen. In Mossul werden in leuchtend blauen Plastikhüllen Leichen transportiert, durch graubraunen Schutt und Trümmer einer durch Luftangriffe zerstörten Stadt. Marcus Yam hat dieses skurrile Szenario eingefangen, im vergangenen Jahr, nachdem die US-geführte Koalition im Kampf gegen den IS Bomben auf die Stadt regnen lassen hatte. Yam ist Fotograf der Los Angeles Times und mehrfacher Gewinner des World Press Fotopreises. Mit seiner Reportage „Dead from above“ (Der Tod von oben) hat der 33-jährige Amerikaner sich für den Wettbewerb beim sechsten hannoverschen Lumix-Festival für jungen Fotojourmalismus beworben – und ist damit einer von knapp 1000 Bildjournalisten. Ob er es in die Endrunde schafft? Seit gestern tagt die sechsköpfige Jury im Kreativzentrum Hafven in der Nordstadt, um die 60 Fotostrecken auszuwählen, die vom 20. bis 24. Juni rund um die Expo-Plaza zu sehen sind. Sie konkurrieren dann um den mit 10 000 Euro dotierten Freelens Award – und auch um den HAZ-Publikumspreis. 

Vor zehn Jahren startete das Fotofestival seine Erfolgsgeschichte, in dieser Zeit ist es zu einem der wichtigsten und renommiertesten der Welt aufgestiegen. Damals wie heute in der Jury: Rolf Nobel, mittlerweile emeritierter Fotoprofessor an der Hochschule Hannover. „Wir haben 350 Arbeiten vorausgewählt, die werden nun von der gesamten Jury begutachtet“, sagt Nobel, der dem Verein zur Förderung der Fotografie in Hannover vorsteht, die das Festival in Kooperation mit dem Fotostudiengang der Hochschule auf die Beine stellt. Das Gros der Bewerbungen kommt aus Deutschland, es folgen die USA, Russland und Italien, auch Länder wie Indien, Bangladesch und der Iran sind stark vertreten. Ein so beherrschendes Thema wie beispielsweise 2014 der arabische Frühling oder 2016 die Flüchtlingsbewegung spiegelt sich diesmal nicht wider, die Vertreibung der muslimischen Rohingya aus Myanmar rückte im vergangenen Jahr jedoch in den Fokus vieler Fotografen. „Da wir versuchen, den Wettbewerb auch thematisch breit zu fächern, müssen wir uns manchmal auch gegen sehr gute Reportagen zu einem beliebten Thema entscheiden“, sagt Winarsch. 

Gesellschaftsporträts aus Russland oder generell Osteuropa sind ebenfalls häufig dabei, auch das Amerika unter Donald Trump gehört dazu. Wie Melissa Goldens Geschichte von Habibo Mohamed, die mit ihrer somalischen Familie zwei Tage vor der Amtseinführung Trumps in die USA einreiste und eine Woche später endlich ihre Tochter wiedersehen sollte, die in einem kenianischen Flüchtlingslager saß. Doch die Einreise wurde durch ein Terror-Dekret Trumps gestoppt. 

Auch globale Gesellschaftspolitik wie das Gender-Thema, die Rolle der Frau und Emanzipation bewegt die Fotografen mittlerweile. „Die Leute wagen sich an größere Themen heran, die nicht so einfach zu fotografieren sind“, sagt Michael Trippel, Fotoprofessor und Jurymitglied, „das ist sehr spannend“. 

Wo die 60 ausgewählten Reportagen im Juni hängen werden, ist indes noch nicht ganz geklärt. Zentrum des Festivals werden wieder das Design Center an der Expo-Plaza und der dahinter liegende Skywalk sein. Auch eine wetterfeste Außenausstellung wird es auf dem Ost-Gelände wieder geben. Frühere Schauplätze wie der dänische Pavillon sind dagegen mittlerweile in privater Hand, im deutschen Pavillon direkt an der Plaza wohnten während des vergangenen Festivals Flüchtlinge. „Wir sind in Gesprächen“, sagt Rolf Nobel. Ist vielleicht sogar das Ferrari-Zentrum nebenan eine Alternative? Nobel schmunzelt: „Wenn wir eine passende Fotoserie haben und die zwei Autos zur Seite fahren, könnte das sogar gehen.“ 

Von Uwe Janssen

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