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Aus der Stadt Fotograf Joachim Giesel ist 70 Jahre alt geworden
Hannover Aus der Stadt Fotograf Joachim Giesel ist 70 Jahre alt geworden
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07:55 01.09.2010
Von Stefanie Kaune
„Der Mensch ist nun mal das interessanteste Objekt für mich“: Joachim Giesel inmitten seiner Porträtfotos. Quelle: Blüher

Man hätte es ahnen können: Einfach ist es nicht, ein Porträtfoto von einem Fotografen seines Schlages zu machen. Eines Fotografen, der zwar von sich sagt, er ordne sich keiner Sparte zu, aber große Teile seines mehr als 50-jährigen Berufslebens genau damit zugebracht hat, Menschen vom Arbeitslosen bis zum Bundeskanzler mit der Kamera zu porträtieren. Und so wird Joachim Giesel leicht unruhig, als er da im eigenen Studio in der Plathnerstraße auf dem Hocker sitzt, auf dem sonst die Modelle Platz nehmen. Mit einer Mischung aus kollegialem Rat, echter Sorge ums gute Bild und leichter Scham, weil man anderen ja nicht in die Arbeit redet, gibt er der Kollegin mit ebenso langer Erfahrung Hinweise. „Das letzte Bild war’s nicht“, sagt er etwa. Oder: „Eben ging der Blitz leider ins Schwarze.“

Doch die Kollegin, die vor ihm steht, nimmt es nicht übel – schließlich kennt man sich seit Ewigkeiten. Giesel, der gerade seinen 70. Geburtstag gefeiert hat und zu den seit Jahrzehnten bekannten Fotografen der Stadt zählt, und HAZ-Fotografin Karin Blüher haben nicht nur Ende der fünfziger Jahre beim gleichen hannoverschen Ausbilder ihre Lehre gemacht. Sie haben auch 1972 zusammen mit anderen Fotografen die Galerie spectrum gegründet, die sieben Jahre später ins neu eröffnete Sprengel Museum einzog und einen Grundstein dafür bildete, dass Fotografie in Hannover zunehmend als Kunstform angesehen wurde. Aber auch Kunstformen als solche hat der Mann mit dem markanten Kraushaar, der auch eine respektable Karriere als Mittelfeldspieler bei Arminia Hannover mit kurzem Abstecher zu Hannover 96 hinter sich hat, mit der Kamera eingefangen: Von 1979 bis 1999 war er als Theaterfotograf fürs Staatsschauspiel tätig – mit Vorliebe fürs Ballett.

Dass es beim Fotografieren um mehr gehen kann als um scharfe Bilder und das richtige Licht, hatte der junge Joachim, der von Freunden nur „Achim“ genannt wird, schon als Geselle gespürt. „Uns wurde damals leider nicht beigebracht, das Bild hinter dem Bild zu suchen. Das habe ich sehr vermisst“, sagt Giesel. Um so schärfer hat der 1940 im schlesischen Breslau geborene und 1951 nach der Flucht mit der Familie in Hannover gelandete Fotograf sich nach der Gesellen- und Meisterprüfung aus eigenem Antrieb auf die Suche gemacht.

Dabei herausgekommen sind Bildbände wie das schwarz-weiße „Photoportraits aus Hannover“ (1990) mit dem jungen Kinochef Joachim Flebbe auf dem Titel oder der farbige Nachfolgeband „100 hannoversche Köpfe“ (2006). Hier zeigt Giesel jeweils die Prominenz der Stadt von Augstein bis Andora, von Messechef bis Mousse T., von Schröder bis Scorpions in typischem Umfeld. Doch genauso zählen die Fotoreihen „Verrückt nach Ilten“ (2003) und „Hauptsache Arbeit“ (2010) zu seinen Arbeiten, für die er zum einen Psychiatriepatienten porträtiert, zum anderen zuvor anonymen Arbeitslosen ein öffentliches Gesicht gegeben hat. Der Fotograf, der durch seine zahlreichen Kontakte in Hannovers Gesellschaft nicht selten auf Empfängen anzutreffen ist, versteht seinen Beruf immer noch auch als sozialen Auftrag. „Wer beruflich in den Medien tätig ist, sollte es als seine unausgesprochene Verpflichtung sehen, sich zu Wort zu melden“, sagt Giesel, der auch als Bildjournalist für die ehemalige „Hannoversche Presse“ oder den „Kicker“ gearbeitet hat.

Dass er sein Spektrum der Porträtierten so weit fasst, liegt für den dreifachen Vater und vierfachen Opa in der Natur der Sache: „Der Mensch ist nun mal das interessanteste Objekt für mich“, sagt er. „Und das Foto ist das am besten geeignete Medium, um Menschen anderen Menschen vorzustellen.“ Da übt offenkundig jemand seit einem halben Jahrhundert seinen Traumberuf aus. Wegen seiner Suche nach dem Bild hinterm Bild schätzt Giesel auch sehr, was heute Fotoprofessor Rolf Nobel mit seinen Studenten an der Fachhochschule praktiziert: engagierte Reportagen. „Doch man muss sich darüber im Klaren sein, dass es für diese Art Fotografie leider nicht genug Auftraggeber gibt.“

Ob er den Menschen nun in Schwarz-Weiß oder Farbe fotografiert – daraus macht der äußerst bescheiden auftretende Giesel keine Wissenschaft. Auch alten Zeiten trauert er nicht nach. Die Umstellung auf die digitale Fotografie sieht er als einen Segen für die Fotografen an – „auch, wenn ich noch ein vollständig ausgestattetes Labor im Keller habe“. Denn in dem Haus, in dem er arbeitet, lebt Giesel auch. Der Beruf scheint ohnehin sein Privatleben zu prägen: Seine vor sechs Jahren verstorbene Frau Monika hatte Giesel schon als Geselle im hannoverschen Fotostudio Berger kennengelernt. Und seiner heutigen Lebensgefährtin Lily Knake-Schmidt ist er sozusagen in Ausübung seiner Leidenschaft fürs Porträtfoto über den Weg gelaufen: Sie arbeitet im Laserzentrum Hannover als Sekretärin von dessen Wegbereiter Prof. Heinz Haferkamp – einem von Giesels „100 hannoverschen Köpfen“.

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