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Wer darf in der Kita knipsen?

Fotografierverbot in Burgwedel Wer darf in der Kita knipsen?

Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte dürfen Eltern keine Fotos mehr in Kindergärten in Burgwedel machen. Am Donnerstagabend hat die Stadt ihr Vorgehen noch einmal öffentlich erläutert– denn betroffene Eltern diskutieren das Verbot erbittert.

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Stopp! Beim Fotografieren von Kindern in der Kita sollten Regeln gelten, meinen Experten.

Quelle: Rainer Jensen

Hannover. Das Fotografierverbot, das die Stadt Burgwedel in ihren städtischen Kitas verhängt hat, hat am Donnerstag unter Eltern und Experten für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Zum Schutz des Persönlichkeitsrechts der Kinder dürfen Besucher bei Sommerfest oder Faschingsfeier keine Aufnahmen mehr machen. Einzig die Mitarbeiter sollen fotografieren – wenn die Eltern dem zustimmen. Donnerstagabend hat die Stadt ihr Vorgehen noch einmal öffentlich erläutert – denn betroffene Eltern diskutieren das Verbot erbittert im Internet. Burgwedel sieht für Fotos drei mögliche Anlässe: Dokumentation der Entwicklung des Kindes, Präsentation der Kita in der Öffentlichkeit, Aufnahmen für die örtliche Presse.

Fachleute halten das strikte Verbot für überzogen. „Wir sollten keine Hysterie entwickeln. Wenn Eltern bei Festen ihre eigenen Kinder fotografieren, ist das doch erst einmal normal“, mahnt Birgit Unverferth-Fischer, Vorsitzende des Kinderschutzbunds Hannover. Wirklich problematisch seien Aufnahmen dann, wenn Kinder für Fotos ausgebeutet würden und sexuelle Motive eine Rolle spielten. Unverferth-Fischer geht aber davon aus, dass übermäßiges Fotografieren und Filmen im Kita-Alltag und auch bei Festen durchaus Störpotenzial entfalten kann und Kitas es auch deshalb per Hausrecht verbieten. „Kinder sollen in Ruhe spielen dürfen, und Erzieher haben wichtigere Aufgaben als zu fotografieren.“

Ihre Meinung

Wie halten Sie es mit dem Fotografieren ihrer und anderer Kinder? Schreiben Sie uns, per Brief an die HAZ-Lokalredaktion, Stichwort „Fotoverbot“, 30148 Hannover. Oder schicken Sie uns ein Fax an die Nummer (05 11) 5 18 28 73 oder eine E-Mail an hannover@haz.de. Außerdem können Sie bei unserer Umfrage auf HAZ.de abstimmen.

Die Vorsitzende des Kinderschutzbunds hofft, dass die Debatte das Bewusstsein für das Recht am eigenen Bild wieder schärft. „Das hat sich total aufgelöst. Und aus dem Internet sind die Sachen ja nicht mehr wegzukriegen. Wir sollten auch darüber diskutieren, welche Bilder angemessen sind.“ Unter Schülern können ungefragt aufgenommene Bilder, die im Internet kursieren, leicht zum Mobbing genutzt werden.

In Hannovers Kindergärten gibt es statt Verboten wie jetzt in Burgwedel meist Verhaltensregeln zum Umgang mit dem Fotografieren. In den Kitas der Arbeiterwohlfahrt (AWO) weisen die Leiterinnen Väter und Mütter in der Regel auf die Rechtslage hin. „Eltern sollen andere Kinder nicht aufnehmen, wenn das nicht abgesprochen ist“, sagt Ingrid Kröger von der Kita-Fachberatung der AWO. Ohne Zustimmung dürfen die Bilder auch nicht im Internet oder an anderer Stelle veröffentlicht werden. Nach Krögers Einschätzung treffen die Hinweise auf Verständnis. „Eltern, die fotografieren, möchten ja auch nicht, dass Aufnahmen ihrer eigenen Kinder in sozialen Netzwerken erscheinen, ohne dass sie gefragt werden.“

Nachgefragt

Barbara David, Fachberatungsstelle Violetta für sexuell missbrauchte Mädchen

Frau David, schießt es über das Ziel hinaus, Eltern im Kindergarten das Fotografieren zu verbieten?
Die dahinter stehenden Sorgen sind verständlich, wenn man nicht weiß, was mit Bildern passiert. Es hat eine große Verunsicherung durch die Edathy-Affäre gegeben. Aber Verbote sind immer schwierig. Wir müssen aufpassen, dass weiter ein unbefangener Umgang zwischen Erwachsenen und Kindern möglich ist. Dazu gehört, weiter das eigene Kind und seine Freunde bei der Geburtstagsfeier aufzunehmen.
Sie sind also gegen ein Verbot?
Wenn Eltern keine Sensibilität bei dem Thema entwickeln, schützt ein Verbot ihre und andere Kinder außerhalb des Kindergartens nicht. Eltern sollten aber eine Haltung entwickeln und einen respektablen Umgang mit der Privatsphäre von Kindern.

Was schlagen Sie vor?
Sinnvoller kann ein Gesprächsabend  mit den Eltern sein. Muss es zum Beispiel sein, die gesamte Entwicklung des eigenen Kindes ins Internet zu stellen? Eltern können sich fragen, was für Bilder sie machen und wozu sie dienen. Und es ist wichtig, darauf zu achten, keine Nacktbilder der Kinder im Netz zu veröffentlichen.
Interview: Bärbel Hilbig

Dennoch wünschen sich Eltern oft auch Bilder ihres Kindes aus der Lebensphase in der Kita. „Ich fand es bisher schön, meinen Kindern mit meinen Fotos Erinnerungen an den Kindergarten zu vermitteln“, sagt Petra Kudla vom Kita-Stadtelternrat. Als problematisch empfand Kudla es deshalb nicht, wenn auch andere Eltern auf den Festen des Kindergartens Fotos machten. An den Kita-Stadtelternrat haben sich bislang noch keine Eltern gewandt, die Probleme im Fotografieren der Kinder sahen. Allerdings registriert Petra Kudla, dass Eltern heutzutage per Handy jederzeit Aufnahmen machen können und die Möglichkeit auch oft wahrnehmen. „Wir wollen natürlich, dass die Persönlichkeitsrechte von Kindern gewahrt werden und Fotos nicht über soziale Netzwerke veröffentlicht werden.“

Ein generelles Fotoverbot für Eltern lehnt Kudla jedoch ab. In der Kita ihres eigenen Kindes bekommen Familien am Ende der Kita-Zeit ein Mäppchen mit einigen Fotos. Kudla erscheint das eigentlich für die eigene private Rückschau zu schmal. „Erzieher haben natürlich keine Zeit, ständig zu fotografieren und jedes Mal für die einzelnen Familien genau die Fotos des eigenen Kindes herauszusuchen.“ Bleibt also nur, doch ab und zu selbst ein Bild zu schießen.

Von Bärbel Hilbig und Frank Walter

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