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Schlechte Sicht auf den „Supermond“

Vollmond Schlechte Sicht auf den „Supermond“

Die Vorfreude war groß am Wochenende in Hannover und vielerorts in Deutschland: Überall hofften Menschen darauf, den groß angekündigten „Supermond“ am Himmel sehen zu können. Doch die Enttäuschung war groß: Eine Stunde zuvor erreichte die Landeshauptstadt ein Wolkengebiet, sodass kein freier Blick auf den Himmelskörper möglich war.

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Einzigartige Aufnahmen sind in der Nacht HAZ-Lesern in Hannover und der Region gelungen.

Quelle: HAZ-Collage

Hannover. Der Mond war an diesem Abend der Erde so nah wie selten und erstrahlte in ungewöhnlicher Größe. Deshalb war er für viele das Gesprächsthema Nummer eins: Über soziale Netzwerke etwa kündigten viele Interessierte an, dass sie am Abend den Mondaufgang bestaunen wollten. „Supermond über Hannover“ hieß beispielsweise eine Facebook-Veranstaltung. Um genau 17.01 Uhr sollte der Mond in nordöstlicher Himmelsrichtung aufgehen.

Fakt oder Legende?

Dem Vollmond werden viele Mythen angedichtet – aber an welchen ist wirklich etwas dran?
Wölfe heulen den Vollmond an: „Stimmt nicht“, sagt Regina Frömling vom Wisentgehege in Springe. „Wolfheulen bedeutet, dass sich die Wölfe miteinander unterhalten. Das hat mit dem Mondstand nichts zu tun, und ein Pläuschchen halten sie auch tagsüber.“ Während des „Supermondes“ gab es im Tierpark keine besonderen Vorkommnisse.    
Bei Vollmond schläft man schlecht: Wissenschaftlich nachweisbar ist das bisher nicht. Es gibt einige Untersuchungen, die einen Einfluss des Mondes auf das Schlafverhalten sehen. Bei einer Studie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München aus dem Jahr 2014 konnte kein Zusammenhang zwischen dem Schlaf und den Mondphasen festgestellt werden. Schlaftrainerin Christiane Dreyer aus Hannover kann sich hingegen schon vorstellen, dass der Mond das Schlafverhalten beeinflusst. „Um zu sagen, das stimmt alles nicht, ist die Anzahl der Menschen mit Beschwerden meiner Meinung nach zu hoch“, sagt sie. Allerdings könne man nicht von Schlafstörungen sprechen, wenn jemand einmal im Monat nicht so gut schläft.

Experten allerdings konnten die Aufregung ohnedies nicht nachvollziehen. Für sie war es kein ungewöhnliches Ereignis, auch wenn die Konstellation von Sonne, Mond und Erde nicht allzu häufig vorkommt. „Der Mond kreist auf einer Ellipse um die Erde. Am nächsten Punkt ist er auf der Erde am größten sichtbar – und diesmal ist gerade noch Vollmond. So kommt die ungewöhnliche Größe zustande“, erläutert Gunther Seckmeyer, Professor am Institut für Meteorologie und Klimatologie der Uni Hannover. Durch die geringe Entfernung zur Erde sei der Mond besonders hell, allerdings im Verhältnis zur Sonne immer noch dunkel. „Bei Vollmond ist das Helligkeitsverhältnis Mond-Sonne 1:400 000“, sagt der Experte.

Trotzdem hatte dieser Mond besondere Auswirkungen auf die Gezeiten an Nord- und Ostsee. „Bei Vollmond sind die Flut-Wasserstände schon höher als normal. Durch die geringe Entfernung des Mondes waren die Anziehungskräfte noch mal höher“, sagt Seckmeyer. Durch die ruhige Wetterlage bestand aber keine Sturmflutgefahr.

So nah an der Erde wie am Montag war der Mond das letzte Mal 1948. Doch am Abend versperrten in Hannover Wolken die Sicht auf das Himmelsereignis. Am Morgen konnten einige Leser den fast vollen Supermond sehen und mit der Kamera einfangen: Wir zeigen ihre schönsten Fotos.

Zur Bildergalerie

Auch Astronomiefreunde reagierten gelassen auf den „Supermond“. „Eigentlich sieht das aus wie ein normaler Vollmond, nur eben ein bisschen größer“, sagt Mathias Levens, Vorsitzender des Vereins Volkssternwarte Hannover. Die Unterschiede seien nicht sichtbar – weder mit bloßem Auge noch durch das Teleskop. Auch wenn diese Konstellation letztmals vor rund 70 Jahren beobachtet werden konnte, für das bloße Auge sah der Mond aus wie fast immer – wenn man ihn denn sah. Der Vollmond im Dezember etwa werde nur 0,8 Prozent kleiner als der gestrige sein, sagt Levens.

Der Experte selbst schaut sich den Mond so oder so viel lieber in seinen anderen Phasen an. „Dort, wo dann der Sonnenauf- und -untergang auf dem Mond zu sehen ist, sieht man viel mehr Details und super Kontraste“, sagt ­Levens. Auf dieser sogenannten Licht-Schatten-Grenze fielen besonders lange Schatten, die den Beobachter Rillen, Krater und Berge deutlich erkennen lassen. „Gestern wurde der Mond einfach nur platt von oben angeleuchtet. Dadurch gehen alle Kontraste verloren“, sagt Levens.

Trotz alledem rät er jedem, der Interesse hat, auch bei Vollmond den Blick gen Himmel schweifen zu lassen – denn der Mondaufgang sei immer schön, nicht nur beim „Supermond“.  

Wir sammeln Fotos vom Supermond

Am Montag Morgen gab es einen tollen Blick auf den (fast vollen) Mond. HAZ-Leser Andreas Kolmer schickte das erste Foto – aufgenommen in Ronnenberg-Linderte.

Aber auch für Foto-Profis ist das Motiv ein besonderes. Überall in Deutschland versuchten Fotografen das seltene Fotomotiv einzufangen. Dabei sind beeindruckende Aufnahmen wie diese gelungen.

Der Mond in Frankfurt – aufgenommen vom dpa-Fotografen Frank Rumpenhorst.

Quelle: dpa

Haben Sie auch ein Foto vom Supermond? Schicken Sie es uns. Wir zeigen es in einer Bildergalerie. Einfach an uns mailen.

Julia Polley/Lisa Malecha/Stefan Bürgel

So fotografieren Sie den prächtigen Vollmond

Halbmond, Vollmond, abnehmender oder zunehmender Mond: Die Veränderungen des Erdsatelliten im Monatsverlauf sind ein interessantes Motiv für Fotografen. Überzeugende Aufnahmen des Mondes gelingen aber nur bei kristallklarem Himmel. Denn schon bei kleinsten Wolkenschleiern bildet sich um den Mond ein Lichthof, der das Bild verschwimmen lässt. Darauf weist der Photoindustrie-Verband in Frankfurt hin.

Wegen seiner Helligkeit und seiner klaren Form ist der Mond als Einstiegsmotiv in die Astrofotografie bestens geeignet. Eine Profifotoausrüstung ist nicht notwendig, denn der Mond ist ein dankbares Motiv. Bereits mit mittleren Brennweiten erkennt man deutlich die Mondmeere und größere Krater.

Damit die Aufnahmen nicht verwackeln, braucht der Fotograf ein Stativ. Um den Kontrast der Mondfläche zu steigern, empfiehlt sich das Arbeiten mit einer Gegenlichtblende oder einer Taukappe - das ist eine vor dem Objektiv platzierte Blende. Einsteiger sollten zunächst einmal den Vollmond als Übungsobjekt wählen. Im Gegensatz zu anderen Mondphasen ist dieser gleichmäßig beleuchtet. Mögliche Fehler in der Aufnahmetechnik können dann schneller ausgemacht werden.

Kontrastreiche Aufnahmen von einem hellen Mond setzen eine geringe ISO-Zahl voraus. Diese Einstellung hilft auch, eventuelles Bildrauschen zu minimieren. Da der Mond von der Sonne angestrahlt wird, geht es im Prinzip um Tageslichtaufnahmen. So ähneln die Kameraeinstellungen auch jenen der Alltagsfotografie. Belichtungsreihen sind ratsam, da die Mondhelligkeit, neben der Phase, auch von der Klarheit der Atmosphäre und der Höhe des Mondes über dem Horizont abhängt.

Überzeugende Vollmond-Aufnahmen mit einem Teleobjektiv gelingen in der Regel bei Blende 10, ISO 100 sowie einer Belichtung von 1/350 Sekunde. Beim Halbmond verlängert sich diese Zeit auf 1/125 bis 1/180 Sekunde. Für die schmale Sichel benötigt man etwa 1/60 Sekunde. Je feiner die Details abgebildet werden sollen, desto knapper muss die Belichtung gewählt werden. Bei zu langer Belichtung werden die Feinstrukturen des Mondes überstrahlt.

dpa

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