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Hier kommt die D-Linie

Stadtbahn Hier kommt die D-Linie

Vier Jahre lang soll in der Innenstadt für die umstrittene Stadtbahnlinie D gebaut werden. Jetzt ist die Planung abgeschlossen, schon in wenigen Monaten soll es losgehen. Die HAZ gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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So bald nicht mehr: Die Linien 10 und 17 sollen vor der Ernst-August-Galerie nicht mehr nach rechts zum Aegi abbiegen, sondern nach links in die Bahnunterführung Lister Meile.

Quelle: Petrow

Hannover. Schon in wenigen Monaten soll es losgehen: In der Kurt-Schumacher-Straße beginnt der Gleisbau für die neue Trassenführung der umstrittenen D-Linie. Vier, vielleicht sogar fünf Jahre lang wird dann gebuddelt und Beton gegossen, werden Ampeln versetzt und Hochbahnsteige errichtet. Für die einen bedeutet das einen schlechten Kompromiss im langjährigen Konflikt um die Trassenführung, für die anderen eine Aufwertung der westlichen Innenstadt und des Nahverkehrs. Gestern haben die Kommunalpolitiker in einer Sondersitzung den letzten Stand der Detailplanung diskutiert – und sich im Schlagabtausch über das bis zu 50 Millionen Euro teure Projekt nichts geschenkt. Die HAZ gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Worum geht es?

Kurz gesagt: Die Stadtbahn muss bis 2018 auch in Hannover völlig barrierefrei sein, was auf den oberirdischen Innenstadtlinien 10 und 17 Probleme bereitet. Es gab unterschiedliche Lösungsvorschläge vom Fertigbau der in den siebziger Jahren begonnenen Tunnelstrecke bis zur Einführung eines Niederflursystems, was aber alles aus Kosten- und anderen Gründen verworfen wurde. Deshalb werden jetzt Hochbahnsteige auch in der engen Innenstadt gebaut – eine Mammutaufgabe. Exakt gestern vor einem Jahr hat die Region den Grundsatzbeschluss gefällt, seitdem wird an den Details gefeilt. Fest steht: Die Trasse verläuft wie bisher vom Goethekreisel übers Steintor in die Kurt-Schumacher-Straße, knickt dann aber bald am Hauptbahnhof nicht mehr nach rechts zum Aegi ab, sondern nach links zum Raschplatz, wo eine Endstation gebaut wird.

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Was ändert sich?

Alles. Die Verkehrsführung in der westlichen Innenstadt wird nach Abschluss der Bauarbeiten nichts mehr mit der heutigen zu tun haben. Insbesondere für Autos werden die Wege geändert: Durchfahrtsverkehr am Ernst-August-Platz vor der Ernst-August-Galerie wird künftig weitgehend unterbunden. Dadurch soll das Dauerknäuel von Stadtbahnen, Bussen, Taxen, Fußgängern und Radfahrern dort gelöst werden. Stattdessen probiert die Stadt eine komplett neue Idee. Von der Unterführung westlich des Bahnhofs bis zur Mitte der Kurt-Schumacher-Straße soll die Straßenfläche ein stark verkehrsberuhigter Bereich sein, in dem maximal Tempo 20 gilt. Autos, die nicht genau in diesen Bereich wollen, sollen Umwege fahren. Fußgänger aber sollen auf der bisher überlasteten Kreuzung künftig in alle Richtungen gleichzeitig und auch diagonal die Straßen queren dürfen. Das funktioniert, indem bei Grün für Fußgänger alle anderen Verkehrsteilnehmer Rot bekommen. Einem Gutachten zufolge klappt das ohne allzu große Einschränkungen.

Gibt es dafür Vorbilder?

Mit den Diagonalquerungen für Fußgänger wurde in anderen Städten schon experimentiert, für Hannover ist das neu. Gestern gab es für dieses Detail von allen Ratsfraktionen Lob, sogar von der Opposition.

Und die Autofahrer?

Die Bahnunterführung westlich vom Hauptbahnhof wird für Autos künftig zur Einbahnstraße Richtung Innenstadt. Sie fahren auf der gleichen Spur wie die Stadtbahnen. Währen die Stadtbahnen dann aber vor der Galerie nach rechts in die Kurt-Schumacher-Straße abbiegen, werden die Autos nach links in die Schillerstraße geleitet. Die Kurt-Schumacher-Straße wiederum ist in der entgegengesetzten Richtung Einbahnstraße. Autos dürfen nur nach Norden fahren und müssen vor der Galerie nach rechts abbiegen, also ebenfalls in die Schillerstraße. So unterbindet die Stadt, dass Autofahrer diesen engen Bereich als Schleichweg nutzen.

Hält die Schillerstraße das aus?

Eindeutige Antwort: Nein. Als Joachim Albrecht (CDU) gestern darauf hinwies, dass schon jetzt häufig extrem lange Staus das Verlassen der Parkhäuser in dem Bereich unmöglich mache, kündigte Baudezernent Uwe Bodemann daher an, gleich nach dem rechtskräftigen Beschluss über das Projekt die Neuplanung der Schillerstraße zu beginnen.

Wo lauern noch mehr Problemzonen?

Im bahnhofsfernen Bereich der Kurt-Schumacher-Straße bis zur Herschelstraße teilen sich Autos, Busse und Stadtbahnen eine Spur. FDP-Politiker Wilfried Engelke rechnete vor, dass pro Stunde 84 Busse und Bahnen diesen Bereich durchfahren, also mehr als ein öffentliches Verkehrsmittel pro Minute. Engelkes Frage: „Was macht denn der arme DHL-Auslieferer, der seinen Transporter abstellt, um nur kurz ein Paket ins Geschäft zu bringen? Hinter ihm stehen dann doch gleich drei Stadtbahnen.“ Darauf hatte Conrad Vinken vom Planungsbüro Transtec eine knappe Antwort: „Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern können nicht Grundlage für planerische Konzepte sein.“ Bemerkung von CDU-Frau Johanna Konopinska: „Das blenden die Planer eben einfach aus.“

Haben auch Fußgänger Nachteile?

Genaugenommen ja. Von dem extrem verkehrsberuhigten Bereich in der Kurt-Schumacher-Straße und vor der Galerie profitieren sie natürlich deutlich. Zum Beispiel hat der Hochbahnsteig dort trotz Mittellage in der Straße keine Fußgängerampeln – die Planer rechnen damit, dass Stadtbahnkunden wegen des langsamen Verkehrs einfach so die Straße überqueren können (für stark Sehbehinderte gibt es an der Herschelstraße eine Fußgängerampel mit akustischem Signal). Aber es entfällt zum Beispiel der Zebrastreifen auf Höhe Nordmannpassage in der Kurt-Schumacher-Straße. Dort konnten Fußgänger bisher die Straße einfach so überqueren, nun müssen sie dort auf die Grünphase einer Ampel warten. Piratenpolitiker Dirk Hillbrecht prangerte das an.

Gibt es ein Verkehrsgutachten?

Natürlich. Wie fast immer wurde es von der Firma Schnüll Haller Partner (SHP) erstellt. Ingenieur Daniel Seebo stellte es gestern vor. Jeder Knotenpunkt wurde separat berechnet, im Bereich der Stadtbahn sogar in ein „mikroskopisches Simulationsmodell“ eingespeist - das ist der neueste Trend. Das Fazit in Schulnoten: Überall soll für alle Verkehrsteilnehmer mindestens Note 4 erreicht, nur an einem Fußgänger- und Radfahrerübergang auf der Münzstraße nicht. Dort entstehen Wartezeiten von 35 bis 60 Sekunden, aber der Überweg ist laut Seebo sowieso nicht so wichtig. Die Stadtbahn hat fast überall Note 1 – klar, sie hat ja auch immer Vorrang. Autos bekommen fast überall die Note 3 bis 4, aber sie sollen ja den Bereich möglichst auch umfahren. Piratenmann Hillbrecht forderte ein zweites Gutachten, fand dafür aber keine Zustimmung.

Und die Rampen am Tunnel?

Tatsächlich ist die Bahnunterführung nicht hoch genug für die Stadtbahnen. Die Fahrbahn muss daher in der Mitte um 40 Zentimeter abgesenkt werden. Dadurch ergeben sich Schrägen, wenn die Bahn auf die Kreuzung vor der Ernst-August-Galerie fährt. Die Planer haben das nicht ungeschickt gelöst – ob in der Praxis Stolperfallen entstehen, muss sich zeigen.

Was kostet das denn nun alles?

Eine erstaunliche Erkenntnis der gestrigen Sitzung war: Das weiß noch niemand genau. Auf 40 bis 50 Millionen Euro wird die Summe von der Region beziffert. Die Opposition staunte über diese Spannweite. Auch, ob das Land einen Anteil zahlt, ist noch offen. Ihren Anteil für die konkret bevorstehenden Abschnitte kann die Stadt aber schon beziffern: 2,1 Millionen Euro.

Ist es eine Notlösung?

Ja, sagt die Opposition. 50 Millionen Euro ausgeben und danach eine Straßenbahn haben, die wegen des engen Kurvenradius’ am Hauptbahnhof quietscht, das sei irgendwie peinlich, findet FDP-Politiker Engelke trotz allen Lobes für die Detailplanung. Linken-Fraktionschef Oliver Förste hätte den Platz am Hauptbahnhof lieber ganz autofrei gesehen, CDU-Mann Albrecht sorgt sich, dass die Trasse wachsenden Fahrgastzahlen nicht gewachsen ist. SPD-Fraktionsvize Thomas Hermann aber sieht „in vielen Bereichen eine Verbesserung“. Sein Grünen-Kollege Michael Dette kündigt in Details Änderungsvorschläge an, lobt aber ansonsten die Planung.

Ist die Sache nun beschlossen?

Nein, den letztlichen Beschluss haben die Politiker dann doch nochmal vertagt. Aber in der nächsten Sitzung soll bestimmt abgestimmt werden.

Downloads

Hier finden Sie die wichtigsten Karten zum geplanten Bau der D-Linie.

Anlage1 1,32 MB
Anlage9 465,30 kB
Anlage10 337,58 kB
Anlage11 332,30 kB
Anlage12 444,45 kB
Anlage13 423,12 kB
Anlage14 340,51 kB
Anlage15 293,34 kB
Anlage16 316,49 kB
Anlage17 422,93 kB
Anlage18 437,70 kB
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