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Das müssen Sie zum Blitzermarathon wissen
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Fragen und Antworten Das müssen Sie zum Blitzermarathon wissen

Der 24-Stunden-Blitzermarathon hat begonnen. Fast 15.000 Polizisten sind bis Freitag, 6 Uhr, an 8600 Kontrollpunkten in ganz Deutschland Temposündern auf der Spur. In der Region Hannover wird an 68 Stellen geblitzt. HAZ.de sagt Ihnen, was Sie zu den Tempokontrollen wissen müssen.

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Abzocke oder sinnvolle Maßnahme im Kampf gegen Raser? Am Donnerstag wird in ganz Deutschland intensiv kontrolliert.

Quelle: dpa/Symbolbild

Hannover. Raser haben es am Donnerstag in ganz Deutschland schwer: Mit Tempokontrollen will die Polizei das Bewusstsein für Tempolimits schärfen. Die Messstellen werden vorher sogar veröffentlicht. Was soll das Ganze eigentlich? Fragen und Antworten zum ersten bundesweiten Blitzermarathon:

Was passiert beim Blitzer-Marathon?

Kurz gesagt: 24 Stunden geballte Radar- und Laserkontrollen in ganz Deutschland. An mehr als 8700 Stellen sind von Donnerstag ab sechs Uhr morgens 24 Stunden lang fast 15.000 Polizisten im Einsatz, um so viele Temposünder wie möglich zu erwischen. Die Orte der Kontrollen stehen aber für jedes Bundesland schon fest und werden vorab veröffentlicht. Dabei wird allerdings nicht an allen angegebenen Orten 24 Stunden durchgängig geblitzt. Stattdessen ziehen die Beamten mit den Geräten von Ort zu Ort. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie im Vorbeifahren an einem der angekündigten Orte keine Blitzanlage entdecken.

Warum werden die Stellen, an denen geblitzt wird, veröffentlicht? 

Weil es den Behörden nach eigenen Aussagen nicht darum geht, möglichst viele Bußgelder einzunehmen, sondern das Bewusstsein für Tempolimits zu schärfen. Damit könnten noch mehr Leben im Straßenverkehr gerettet werden, heißt es. Demnach nehmen die Beamten vor allem Orte ins Visier, an denen besonders viele Unfälle stattfinden oder auffällig oft gerast wird – aber nicht nur diese. In Nordrhein-Westfalen und Hamburg gab es sogar eine Bürgerbeteiligung zur Auswahl der Standorte. Jeder konnte sich an die zuständigen Polizeistellen wenden und so genannte Wutpunkte melden. Dies sollten Orte sein, an denen eine Radarkontrolle gewünscht wird. Eine solche Bürgerbeteiligung traf in NRW beim letzten landesweiten Blitzmarathon auf viel Zuspruch und Interesse.

Wie viel Geld spült ein Blitzermarathon in die Staatskasse?

Der bundesweite Blitzermarathon am Donnerstag ist in seinen Ausmaßen einmalig, die Frage wird sich also erst danach beantworten lassen. Zahlen gibt es jedoch für die jüngsten Großkontrollen in Hannover und Niedersachsen: Am 25. September wurden an 61 Orten in Stadt und Umland insgesamt 7110 Fahrzeuge kontrolliert – 809 davon waren zu schnell unterwegs. Damit hat sich etwa jeder neunte Autofahrer nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit gehalten. Für 670 der Kontrollierten bedeutet dies ein Verwarngeld von bis zu 35 Euro. Die übrigen waren so schnell, dass sie mit einem (höheren) Bußgeld rechnen müssen.

Eine Beispielrechnung: Wenn die 670 mit geringen Übertretungen geblitzten Fahrer im Schnitt mit 25 Euro davonkommen und die verbleibenden 139 rund 40 Euro bezahlen müssen, ergibt sich für die Polizei in Hannover eine Einnahme von rund 22.000 Euro. Wie viel der Aufwand die Behörde durch eventuelle Sonderschichten, Nacht- und Überstundenzuschläge sowie Materialaufwand kostet, ist nicht bekannt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Einnahmen der aufwändigen Aktion kaum spürbar sind. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 bescherten die 28 Blitzer und Radarfallen der Landeshauptstadt Bußgelder in Höhe von 3,9 Millionen Euro. Die Region konnte im gleichen Jahr eine Bußgeld-Rekordeinnahme in Höhe von insgesamt 7,3 Millionen Euro verbuchen.

Wer organisiert die Aktion?

Die Innenministerkonferenz hatte im Mai beschlossen, die Initiative einheitlich in ganz Deutschland zu starten. Durchgeführt wird sie aber von der Polizei in den einzelnen Bundesländern. Die Idee stammt aus NRW, wo es schon vier solcher Marathon-Tage gab. Übrigens: Auch in Finnland, Portugal oder Australien wird inzwischen nach deutschem Vorbild geblitzt.

Macht das überhaupt Sinn?

Es gibt zumindest viele Befürworter. Der ADAC hält die Maßnahme für sinnvoll, um die Zahl der Verkehrstoten von 3600 (2012) weiter zu senken - zumindest, wenn die Polizisten die Temposünder direkt auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen. In NRW, wo es ja schon mehrere Blitzertage gab, ist die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten seit 2012 außerdem überdurchschnittlich stark gesunken.

Was sagt die Politik zu der Aktion?

Während sich CDU-Politiker vereinzelt kritisch äußern (siehe nächste Frage), unterstützen zumindest SPD und Grüne in Hannover die Aktion. „Die Aktion hat ihre volle Berechtigung“, sagt etwa SPD-Ratsmitglied Thomas Hermann. Er lobt, dass der bundesweite Aktionstag präventiv auf Gefahren im Verkehr aufmerksam mache. Ähnlich äußert sich auch der Fraktionsvize der Grünen, Michael Dette. „Nach meiner Einschätzung wird in Hannover oft zu schnell gefahren“, sagt Dette. Ein Tag, an dem gezielt kontrolliert werde, zeige den Autofahrern, dass ständiges Rasen nicht nötig sei. „Und da es alle vorher wissen, ist es auch keine Schikane.“

Und was sagen Kritiker dazu?

In Hannover hat sich erst kürzlich die CDU mit deutlicher Kritik an der Aktion zu Wort gemeldet. Die Großkontrolle sei „nutzlos“ und eine „groß angelegte Schikane der Autofahrer“, meint die Christdemokratin Petra Stittgen. „Wir bezweifeln nachhaltig die Wirkung von Blitzaktionen für die Sicherheit im Straßenverkehr“, sagt Stittgen.Ihre Bezirksratsfraktion hatte in der jüngsten Sitzung die Ergebnisse des Blitzmarathons in ihrem Bezirk bei der Verwaltung angefragt. Die Polizei hatte daraufhin mitgeteilt, dass für die jeweiligen Stadtteile keine Einzelergebnisse vorlägen. „Im Umkehrschluss sind also keine Zahlen bekannt, die belegen, dass solche Großaktionen wirksam sind“, argumentiert Stittgen. Auch der Verein "Mobil in Deutschland" ist beispielsweise der Meinung, dass es beim Blitz-Marathon nur darum geht, die Staatskasse zu füllen. Auch der hessische FDP-Justizminister Jörg-Uwe Hahn schimpfte: "Dies ist Volkserziehergehabe, wie es in autoritären Staaten üblich sein mag."

Auch die Leser von HAZ.de sehen den Blitzermarathon überwiegend kritisch: Bei unserer täglichen Umfrage haben wir am Tag der jüngsten Großkontrolle am 25. September gefragt, was Sie davon halten. Von den knapp 600 Teilnehmern hielten nur rund 36 % die Großkontrolle für sinnvoll. Knapp die Hälfte (48,8 %) hingegen verneinte die Frage, ob der Blitzermarathon für mehr Verkehrssicherheit sorge. Sie stimmten stattdessen der Aussage zu: "Wenn die Kontrollstellen bekannt sind, nutzen Raser einfach andere Strecken."

dpa/mic

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