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Aus der Stadt Das müssen Sie zu den Altlasten in der List wissen
Hannover Aus der Stadt Das müssen Sie zu den Altlasten in der List wissen
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00:18 21.10.2017
Von Bernd Haase
Bereits 2013 musste der De-Haën-Platz von Experten in Schutzmontur auf eine erhöhte radioaktive Strahlung hin überprüft werden.Foto: Archiv Quelle: Rainer Surrey
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Wie kam es vor mittlerweile neun Jahren zu dem Altlastenfall?

Das Seelzer Chemieunternehmen Honeywell stellte im Februar 2008 auf seinem eigenen Gelände erhöhte Strahlenwerte fest. Daraufhin ließ die Region im folgende Juli auch den Standort der bis 1902 in der List ansässigen Vorgängerfirma von Eugen de Haën untersuchen und wurde fündig.

Was wurde entdeckt?

Schwermetalle im Boden des De-Haën-Platzes sowie in den Gärten und Innenhöfen angrenzender Häuser, zudem eine Belastung durch radioaktive Stoffe wie Uran, Thorium und Radium. Betroffen waren auch Wohnungen.

Wie gefährlich sind die Altlasten?

Selbst an Punkten mit den höchsten Messwerten müsste man sich 200 Stunden am Stück hinsetzen, um Auswirkungen auf die Gesundheit zu riskieren, erklärten seinerzeit Strahlenschutzexperten. 

Wie viele Anlieger waren bisher betroffen?

Außer auf den öffentlichen Flächen wie dem Platz selbst waren es 44 Grundstücke mit 250 Wohnungseigentümern in der Fraunhoferstraße und am Wittekamp.

Wie wurde saniert?

Unterschiedlich. Teilweise wurde belastetes Erdreich 35 Zentimeter tief abgetragen und durch eine 60 Zentimeter hohe Aufschüttung ersetzt. In anderen Bereichen kofferten die Arbeiter 60 Zentimeter tief aus und verzichteten auf eine Aufschüttung. Um die belasteten Innenhöfe sanieren zu können, musste das Material mit einem Kran über die Hausdächer gehievt werden. In zwei Gebäuden mussten wegen erhöhter Radonkonzentration die Kellerwände speziell beschichtet werden. Die Arbeiten begannen im Juli 2012 und waren im Herbst 2013 beendet.

Wie wurde das Material entsorgt?

2860 Tonnen radiologisch belasteter Boden ließ die Niedersächsische Gesellschaft für Sonderabfall auf die Spezialdeponie Puschwitzer Feld in Sachsen bringen. Weitere 2470 Tonnen ausschließlich chemisch verseuchtes Material wurden in einer Bodenwaschanlage gereinigt.

Was kostete das alles?

Am Ende kamen rund 2,4 Millionen Euro zusammen.

Wer hat gezahlt?

Versuche, den US-Konzern Honeywell als möglichen Rechtsnachfolger von Eugen de Haëns Chemiefabrik zur Kasse zu bitten, scheiterten nach juristischen Auseinandersetzungen. Um die Kosten für die Grundstücksbesitzer - in Einzelfällen bis zu 200 000 Euro pro Mehrfamilienhaus - abzufedern, übernahmen Stadt und Region je 500 000 Euro an der Gesamtsumme und legten zudem einen mit 100 000 Euro bestückten Härtefallfonds auf. Der Rest wurde unter den Grundstücksbesitzern aufgeteilt.

Warum kocht der Fall wieder hoch?

Bekannt war, dass Eugen de Haën früher weitere verstreut liegende Grundstücke in der List und angrenzenden Stadtteilen besessen hatte. Wozu sie dienten, wusste man nicht. Deshalb haben Stadt und Region 2014 Historiker mit entsprechenden Recherchen beauftragt. Ihre Gutachten liegen nun vor und empfehlen, weitere Areale auf Strahlenbelastung zu untersuchen - darunter einen Wohnblock an der Constantinstraße sowie Kleingärten und Sportanlagen.

Wie geht es nun weiter?

Die Region hat die Immobilieneigentümer in der Constantinstraße angeschrieben und gefragt, ob sie auf freiwilliger Basis mit Untersuchungen einverstanden sind. Die weiteren Flächen - rund 450 Kleingartenparzellen, Anlagen der Sportvereine Fortuna Sachsenross und TSV Schwarz-Weiß Hannover sowie ein Regenrückhaltebecken - gehören der Stadt. Die will auf jeden Fall ab Anfang 2018 die Grundstücke abschnittsweise auf eine mögliche Schadstoffbelastung hin messen lassen und Anfang 2019 Ergebnisse vorlegen.

Wie wahrscheinlich ist, dass erneut erhöhte Werte gemessen werden?

Die Stadt betont, dass bisher keine konkreten Anhaltspunkte für Belastungen vorliegen. Es bestehe bisher nur die theoretische Möglichkeit, dass die Grundstücke vorübergehend von de Haën als Produktions- oder Lagerflächen genutzt worden sein könnten. Das galt auch für das Lister Bad, wo bereits durchgemessen worden, ohne dass die Geräte ausschlugen.

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