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Aus der Stadt Das wissen wir wirklich über den Terror-Alarm
Hannover Aus der Stadt Das wissen wir wirklich über den Terror-Alarm
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21:08 20.11.2015
Hunderte Polizisten sicherten das Gelände rund ums Stadion nach der Terror-Warnung in Hannover. Quelle: dpa
Hannover

Wenige Tage nach den Anschlägen in Paris mit 129 Toten sollte am Dienstagabend das Test-Länderspiel zwischen den Teams aus Deutschland und den Niederlanden in Hannover ein Zeichen für Frieden und Freiheit sein. Doch kurz rund eine Stunde vor dem Anpfiff wurde es wegen einer Terrorwarnung abgesagt.  HAZ.de gibt den Überblick über die gesicherten Fakten.

Waren wirklich Terroristen in Hannover?

Das lässt sich noch nicht abschließend beantworten. Fest steht, dass den Behörden konkrete Hinweise auf vier Männer und eine Frau sowie deren Pläne für mehrere Anschläge im Stadion und im Stadtgebiet vorlagen. Aus Sicherheitskreisen heißt es, dass der mutmaßliche Anführer der Gruppe über einen deutschen Pass verfügen soll. Zudem hat die Quelle einen der Verdächtigen als Faiz A. identifiziert. Am Dienstag bekamen die Einsatzkräfte kurz nach der Absage des Länderspiels die Information, dass ein Terrorkommando in der Landeshauptstadt unterwegs sei und die Beamten entsprechend vorsichtig Personenkontrollen durchführen sollten. Fest­nahmen gab es weder in der Nacht auf Mittwoch noch in den folgenden Tagen.

Am Tag nach der Terrorwarnung ist in Hannover wieder Ruhe eingekehrt. Allerdings sind noch viele Fragen offen.

Wie ist die Theorie des mit Sprengstoff beladenen Rettungswagens entstanden und was ist davon wahr?

Nach Informationen der Bundesanwaltschaft wurde kein Sprengstoff gefunden. Fest steht aber, dass es Hinweise von einem französischen Geheimdienst gab, wonach Terroristen geplant haben sollen, Sprengstoff in die Fußballarena zu bringen und dort zur Explosion zu bringen. Dafür sollen sie sich einen Durchfahrtschein für den Sicherheitsbereich besorgt oder gefälscht haben. Zu den Fahrzeugen, die so einen Passierschein bekommen können, gehören Polizei-, Feuerwehr- und Rettungswagen sowie die Übertragungswagen von TV-Sendern.

Das Länderspiel Deutschland-Niederlande wurde im November 2015 abgesagt. Für die ganze Stadt Hannover wurden scharfe Sicherheitsmaßnahmen getroffen.

Nach der Spielabsage sorgte ein verdächtiges Gepäckstück in einem Zug am Hauptbahnhof für einen Einsatz. Was steckt dahinter?

Inzwischen steht fest, dass das Päckchen vollkommen harmlos war. Es war etwa eine Stunde nach der Absage des Spiels in einem Intercity gefunden worden. Sein Besitzer, ein Ingenieur aus dem Ruhrgebiet, meldete das Paket bei einem Fundbüro der Bahn in Dortmund als verloren. Bei der Befragung durch die Polizei machte er glaubhaft, dass er es in dem Zug vergessen hatte. Allerdings stellte der Jutebeutel mitsamt seinem Inhalt für die Polizei zunächst ein so großes Risiko dar, dass sie ihn kontrolliert sprengte. Andere Reisende hatten berichtet, dass der Besitzer den Beutel zurückgelassen hatte, obwohl man ihn darauf angesprochen habe. Danach hatte ein Sprengstoffspürhund an dem Beutel geschnüffelt und angeschlagen. Ein Fehlalarm: „Es gibt Gegenstände und Materialien, die ähnlich riechen können wie Sprengstoff“, erklärte der Präsident der Bundespolizei in Hannover, Thomas Osterroth, am Donnerstag. Die anschließende Röntgenuntersuchung des Beutels zeigte Kabel, Platinen und ein Handy – so entstand der Bombenverdacht. Die Polizei sprach auch am Tag nach dem Einsatz noch von einer Bombenattrappe, Bundespolizeipräsident Osterroth ließ damals aber schon offen, ob sie absichtlich gebaut oder platziert worden sei. Zurecht, wie sich jetzt herausgestellt hat.

Einsatzkräfte haben am Hauptbahnhof eine mutmaßliche Bombe in einem Zug gesprengt. Der Zug stand auf Gleis 11. Nach der Sprengung stellte sich heraus, dass es sich ein harmloses Paket handelte.

Gab es nur die Hinweise aus Frankreich oder noch andere Informanten?

Offiziell wurde bislang weder von der Polizei noch vom Innenministerium genauer erklärt, woher die Informationen stammen, die zur Absage des Länderspiels führten. Aus Sicherheitskreisen heißt es jedoch, dass der Hinweis auf den geplanten Anschlag von einem ­V-Mann eines französischen Geheimdienstes gekommen sein soll. Das auf Englisch verfasste Schreiben ging demnach beim Bundeskriminalamt ein, wo es übersetzt und ausgewertet wurde.

Wird der Informant als vertrauenswürdig eingeschätzt?

Das ist weiterhin unklar. Fest steht aber, dass die deutschen Behörden, die etwa zwei Stunden vor dem Anpfiff von einem Anschlagsplan in Hannover Kenntnis erhielten, keine andere Möglichkeit hatten, als das Länderspiel abzusagen.

Gibt es Zusammenhänge mit dem Braunschweiger Karnevalsumzug Schoduvel, der Anfang des Jahres wegen einer Terrordrohung kurzfristig abgesagt wurde?

Nach Informationen aus Berliner Sicherheitskreisen sollen in der Nacht zu Dienstag auch in deutschen Salafistengruppen Nachrichten aufgetaucht sein, die auf einen Anschlag auf das Länderspiel hindeuteten. Diese Informationen, die aus derselben Quelle stammen sollen wie die Hinweise auf den möglicherweise geplanten Schoduvel-Anschlag, waren laut hohen Polizeibeamten jedoch „eher unpräzise“. Die „Detailschärfe“ der Informationen vom französischen Geheimdienst sei „viel tiefer“ gewesen.

Wer ermittelt jetzt und warum?

Die Ermittlungen rund um die Terrorwarnung hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernommen. Dort geht man dem Anfangsverdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung einer Sprengstoffexplosion nach. Bei der Polizeidirektion Hannover kümmert sich eine eigens eingerichtet Ermittlungsgruppe um die Hinweise und die Auswertung der Spuren.

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