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Aus der Stadt Schon wieder soll eine Straße umbenannt werden
Hannover Aus der Stadt Schon wieder soll eine Straße umbenannt werden
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00:16 10.08.2016
Von Andreas Schinkel
Wie lange noch liegt die Goetheschule im Franziusweg? „Wir müssen lernen, mit unliebsamen Dingen der Stadtgeschichte zu leben“, sagt Direktor Bredthauer. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Im Norden Hannovers gilt der Franziusweg als gute Adresse. Schicke Einfamilienhäuser säumen die Kopfsteinpflasterstraße. Jeden Morgen laufen Scharen von Gymnasiasten den Weg entlang zur Goetheschule. Franziusweg, das ist Klein-Kirchrode am Rande der Nordstadt. Nun aber droht Ärger. Die Anwohner fürchten, ihren Straßennamen aus dem Adresskopf tilgen zu müssen, und gehen auf die Barrikaden. Unterstützung bekommen sie jetzt vom Leiter der Goetheschule, Wilhelm Bredthauer. Derweil sind sich SPD und Grünen in den zuständigen Bezirksräten uneins, wie es mit dem Franziusweg weitergehen soll.

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Nach dem langjährigen Inhaber der Firma Pelikan ist die Fritz-Beindorff-Allee benannt. Für Pelikan wurden ab 1942 Gestapo-Zwangsarbeiterlager betrieben, ab April 1944 auch auf dem Firmengelände. Allerdings war er zu der Zeit schwer dement.

Eine Expertenkommission der Stadtverwaltung rät, den Weg umzubenennen. Otto Franzius, ehemaliger Rektor der Technischen Hochschule Hannover, habe sich die Ideologie der Nationalsozialisten zu eigen gemacht und sei mitverantwortlich gewesen, jüdische Studenten und Professoren aus der Hochschule zu drängen, lautet die Begründung. Dagegen laufen Anwohner Sturm. „Alle Nachbarn sprechen sich gegen einen neuen Namen aus“, sagt Anwohner Rolf Offeney, der den Protest mitorganisiert. Franzius sei nur anderthalb Jahre lang Rektor gewesen und habe sich dann nachweislich gegen Hitler gewandt. Zudem seien die Verdienste des Wasserbauingenieurs unübersehbar. „Er hat den Maschsee entworfen, und zwar schon 1926“, sagt Offeney.

Umbenennungen bei Bürgern meist unbeliebt

Sollen Straßen einen anderen Namen bekommen, ist Ärger meist programmiert, selbst in eindeutigen Fällen. So hagelte es Protest, als Anfang der Neunzigerjahre der Carl-Peters-Platz in der Südstadt umbenannt werden sollte. Dabei galt es als erwiesen, dass sich der Kolonialist Peters etlicher Verbrechen an der afrikanischen Bevölkerung schuldig gemacht hatte. 1994 wurde der Platz nach Bertha von Suttner benannt. Die aktuelle Liste der Straßennamen, die nach Ansicht des städtischen Beirats getilgt werden sollten, ist noch nicht abgearbeitet. Offen bleibt etwa, ob sich der Bezirksrat Mitte durchringt, der Hindenburgstraße einen anderen Namen zu geben. Vor der Kommunalwahl dürfte die rot-grüne Mehrheit aber die Finger von dem umstrittenen Thema lassen. Anders in der Südstadt: Dort ist die Entscheidung über die Sohnreystraße bereits gefallen. Ab dem 26. September wird sie Lola-Fischel-Straße heißen.

Auch Goetheschulleiter Wilhelm Bredthauer bezieht klar Position. „Wir müssen lernen, mit unliebsamen Dingen der Stadtgeschichte zu leben“, sagt er. Franzius habe 1936 einem Kollegen abgeraten, sich auf eine Professur zu bewerben, weil Wissenschaft nicht mehr frei zu betreiben sei, erzählt Bredthauer. Allenfalls ein erklärendes Legendenschild unter dem Straßennamen könne er sich vorstellen. „Aber das müssen andere entscheiden“, sagt der Schulleiter.

Tatsächlich hat der Rat der Stadt das letzte Wort und nicht, wie üblich, ein Bezirksrat. Das liegt daran, dass der Franziusweg zwei Stadtbezirke berührt, Herrenhausen-Stöcken und Nord. Die politische Debatte ist in beiden Bezirksräten geführt worden. Beide Bezirksräte sind sich darin einig, zunächst die Bürger-meinung einzuholen, doch die Wege sind verschieden.

Die Anwohner sollen befragt werden

Herrenhausen-Stöcken will die Anwohner befragen und drei Möglichkeiten zur Wahl stellen: beibehalten des Namens, ändern oder umwidmen. Die SPD tendiert zur Umwidmung. „Das scheint mit eine gute Lösung zu sein“, sagt der Herrenhäuser SPD-Ratsherr Lars Kelich.

Dabei wird ein Trick angewendet, der schon beim Franzius-Institut der Uni Hannover funktioniert hat. Das Institut für Wasserbau bezieht sich nicht allein auf Otto Franzius als Namensgeber, sondern auf die Ingenieursdynastie, die mit dem Familiennamen Franzius verbunden ist. Der Institutsname bleibt, und auch der Franziusweg wäre durchs Umwidmen gerettet. „Das ist eine perfekte Lösung“, sagt Anwohner Offeney. Der Meinung ist auch die CDU. „Ein neuer Name darf nicht über die Köpfe der Anwohner und der Goetheschule entschieden werden“, sagt Angelika Jagemann, CDU-Fraktionschefin im Bezirksrat Nord.

Namensgeber für eine Straße sein, sei höchste Ehre

Die Grünen aber treten auf die Bremse. „Soll eine Straße nach einem beliebigen Wasserbauingenieur benannt werden?“, fragt der Nordstädter Grünen-Ratsherr Patrick Drenske. Eine Straße nach einer Person zu benennen gehöre zu den höchsten Ehren, die eine Stadt zu vergeben habe. „Die Herrenhäuser SPD und die CDU im Bezirksrat Nord dürfen wahltaktische Erwägungen nicht über das Verfahren zur Umbenennung stellen“, sagt Drenske. Mit anderen Worten: Eine Umwidmung kommt für die Grünen nicht infrage, auch wenn das kurz vor der Kommunalwahl alle Gemüter beruhigen könnte.

Die geplante Bürgerbefragung, die seine Kollegen im benachbarten Bezirksrat planen, hält Drenske für sinnlos. „Dann dürften sie nur die Goetheschule befragen, weil sie als einzige im Bereich des Bezirksrats liegt“, sagt Drenske. Er stehe vielmehr hinter dem Beschluss des Bezirksrat Nord, eine öffentliche Diskussion zu veranstalten, mit Vertretern der städtischen Kommission, der jüdischen Gemeinde und Historikern. „Wir können dann mit Anwohnern über Alternativen diskutieren“, sagt Drenske. Das dürften vor allem alternative Namen für den Franziusweg sein.

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