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Aus der Stadt Frau fährt auf – und will Schadensersatz
Hannover Aus der Stadt Frau fährt auf – und will Schadensersatz
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00:15 11.02.2016
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Wer einem anderen Autofahrer mit dem eigenen Wagen ins Heck donnert, hat Schuld – normalerweise. Doch gibt es Auffahrunfälle, bei denen andere Beteiligte haften, ganz oder teilweise. Ein solcher Fall zeichnet sich gerade am Amtsgericht Hannover ab. Eine Frau, die mit ihrem Toyota Corolla von der Sallstraße nach links in die Marienstraße abbiegen wollte, war ihrem Vordermann draufgebrummt. Der Mann am Steuer eines Einser-BMW hatte kurz nach dem Anfahren unverhofft gebremst: Ihm kam ein Dreier-BMW aus Frankfurt entgegen, der von der Berliner Allee Richtung Sallstraße bei Rot über die Ampel gefahren war. Nun will die Toyota-Fahrerin den Schaden an ihrem Wagen von dem Frankfurter ersetzt bekommen – und ist nicht chancenlos. In vier Wochen sind weitere Zeugen geladen.

Die 54-jährige Klägerin war im Juli 2015 im Toyota ihres Schwiegervaters unterwegs, den sie zum Arzt fahren wollte. Wie sie der Zivilrichterin am Montag erzählte, war an der viel frequentierten Kreuzung zunächst alles nach Plan gelaufen: Sie stand an zweiter Stelle, die Ampel wurde grün, ihr Vordermann fuhr an und sie folgte. „Mein Abstand betrug ein bis anderthalb Meter“, sagte sie – eine durchaus übliche Distanz beim Anfahren. Doch dann ging es Schlag auf Schlag: Der schwarze BMW vor ihr machte eine Vollbremsung, fast gleichzeitig sah sie aus dem Augenwinkel heraus einen blauen BMW an sich vorbeihuschen, auf der Sallstraße Richtung Südstadt. Dieses Auto aus Frankfurt, so sagte am Montag ein Zeuge im Brustton der Überzeugung, sei bei Rotlicht durchgestartet. Offenbar war der Fahrer einen Moment unaufmerksam, hatte den Wechsel auf „Grün“ für die Richtung Braunschweiger Platz abbiegenden Autofahrer auf sich gemünzt und ebenfalls Gas gegeben. Ein solches Versehen ist im Stadtverkehr häufig zu beobachten, bleibt aber meist folgenlos.

In diesem Fall konnte die Toyota-Fahrerin nicht mehr rechtzeitig bremsen, prallte dem Vordermann ins Heck. Bei ihrem Wagen waren Scheinwerfer, Stoßstange und Kotflügel demoliert, sie möchte von dem Frankfurter knapp 3200 Euro Reparaturkosten erstattet bekommen. „Bei diesem BMW-Fahrer lag offenbar ein Augenblicksversagen vor“, formulierte es ihr Anwalt Matthias Sassenberg. Die Richterin wies darauf hin, dass zunächst einmal der „Anscheinsbeweis“ gelte: Ein Autofahrer muss immer genug Sicherheitsabstand zum Vordermann einhalten, und wenn er auf diesen auffährt, ist er Schuld. Allerdings könne es außergewöhnliche Verkehrssituationen geben, wo diese Gesetzmäßigkeit außer Kraft gesetzt ist.

Tatsächlich finden sich in der Rechtsprechung etliche Fälle, in denen auffahrende Automobilisten nur für 75, 50 oder 33 Prozent des Unfallschadens haften mussten – oder gar ungeschoren davonkamen. Voraussetzung ist, dass es um einen atypischen Fall geht und dem Vordermann ein schuldhaftes Verhalten anzukreiden ist. Das kann passieren, wenn dieser Gas und Bremse verwechselt und unverhofft in die Eisen geht. Auch das Abbremsen wegen eines über die Fahrbahn huschenden Eichhörnchens oder – im Falle eines Taxifahrers – wegen eines winkenden Fahrgasts kann eine Mithaftung zur Folge haben.

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