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Aus der Stadt Frau wird kopfüber aufgehängt und missbraucht
Hannover Aus der Stadt Frau wird kopfüber aufgehängt und missbraucht
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17:54 09.09.2015
Auf der Anklagebank in vorderer Reihe sitzen (v.l.): Artur K. mit seinem Verteidiger Holger Nitz, Rechtsanwalt Manfred Döbel mit seinem Mandanten Klaudio L., Anwalt Ernst-Otto Nolte und Verteidigerin Tanja Brettschneider. Der Angeklagte Tim O. verdeckt sein Gesicht mit einem Aktendeckel, neben ihm sitzt Frank W.      Quelle: Zgoll
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Hannover

Es war grausam, was eine 50-jährige Frau an einem Sonnabendabend im März dieses Jahres erdulden musste. In einem Hochhaus im Sahlkamp wurde sie bei einem Trinkgelage von drei Männern vergewaltigt, ein vierter sah zu. Die Details, die zum Auftakt des Landgerichtsprozesses zur Sprache kamen, ließen die Anwesenden im Saal den Atem stocken.

Laut Anklage – und am Mittwoch durch Aussagen von drei mutmaßlichen Tätern untermauert – soll die Frau mit Pfefferspray angegriffen, entkleidet und an Armen und Beinen gefesselt worden sein. Sie wurde kopfüber an einer Reckstange aufgehängt und auf vielfache Weise missbraucht und geschlagen. Ihre Schreie erstickte ein Knebel, ein um ihren Kopf geschlungenes Tuch nahm ihr die Sicht. Kurzzeitig verlor die Frau das Bewusstsein, ihre Verletzungen waren erheblich.

Der Haupttäter scheint Frank W. zu sein, der 54-Jährige sitzt in U-Haft. In seiner Wohnung wurde das Verbrechen verübt, er hatte mit dem Opfer eine sexuelle Beziehung, und er soll die Frau in jener Märznacht besonders heftig missbraucht haben. Dabei hätte es für die 50-Jährige noch schlimmer kommen können, denn sie befand sich in der Gewalt eines Mörders: 1998 war W. wegen des Mordes an einer Frau zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach einer Zechtour, bei der das 41-jährige Opfer seine Annäherungsversuche abgeblockt hatte, erwürgte der gelernte Tischler die Frau und verging sich an der Leiche. W. kam um „lebenslang“ herum, weil er zur Tatzeit stark betrunken war und ihm eine Persönlichkeitsstörung attestiert wurde: Er war als Kind selbst Opfer eines Sittlichkeitsverbrechers geworden.

Neben W. sitzt Tim O. auf der Anklagebank. Auch er muss sich vor der 19. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Stefan Joseph wegen besonders schwerer, gemeinschaftlich begangener Vergewaltigung verantworten. Der 26-Jährige, dessen Intelligenzquotient sehr niedrig sein soll, war wohl in erheblichem Maß an dem Verbrechen beteiligt. Klaudio L., 39 Jahre alt und wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt, will lediglich zugeguckt haben. Ebenso wie die anderen Männer konsumierte er an jenem Abend reichlich Bier, Wodka und Cannabis.

Artur K. der seit einem Unfall 2014 im Rollstuhl sitzt, war vielleicht nur in geringem Umfang an der Tat beteiligt. Der 42-Jährige sei, so sein Verteidiger Holger Nitz, in dem für Alkoholexzesse berüchtigten Hochhaus an der Elmstraße schon häufig selbst Opfer gewesen und werde gern gequält. So stellten ihn seine Trinkkumpane in der Schreckensnacht im März mit dem Rollstuhl auf einen Tisch und wickelten ihn mit Klopapier ein.

Die 50-Jährige, der so Entsetzliches widerfuhr, tauchte nur kurz im Gerichtssaal auf. Die zierliche Frau mit den dunklen Haaren wird erst nächste Woche als Zeugin vernommen. Offenbar möchte sie, dass die Öffentlichkeit schonungslos über die Taten ihrer Peiniger in Kenntnis gesetzt wird. Denn während die Verteidiger von drei Angeklagten einen Ausschluss der Öffentlichkeit vom weiteren Prozess beantragten – was das Gericht später ablehnte –, erklärte ihr Anwalt Frank Ressel überraschenderweise, dass seine Mandantin keinerlei Wert auf einen solchen Ausschluss lege.

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