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Aus der Stadt „Diese Szene ist ein Zeichen bitterer Armut“
Hannover Aus der Stadt „Diese Szene ist ein Zeichen bitterer Armut“
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00:16 26.04.2017
Von Simon Benne
Wie groß muss die Armut sein? Zwei Frauen ziehen in Linden Kleidung aus einem Altkleidercontainer. Quelle: Wolfgang Reese
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Hannover

Anfangs konnte er das, was er da aus dem Augenwinkel sah, nicht einordnen. „Der rote Rock erinnerte an einen Weihnachtsmann“, sagt Wolfgang Reese. Es war ein verstörender Anblick, der sich dem Fotografen bot, als er jüngst in Linden unterwegs war. „So etwas hatte ich noch nicht gesehen“, sagt der 57-Jährige. Aus einem Reflex heraus drückte er auf den Auslöser.

Zwei Frauen machten sich an den Altkleidercontainern vor dem Bunker an der Ottenstraße zu schaffen. Eine von ihnen kroch in den Einwurfschacht hinein und warf Kleidungsstücke auf den Gehweg. „Die Frau hätte in den Container fallen können“, sagt Reese.

In der Vergangenheit sind Menschen beim Versuch, in solche Container zu klettern, zu Tode gekommen. Anwohner in Linden beklagen immer wieder, dass vor den Containern Kleidungsstücke herumliegen. Tatsächlich kann man in der Szene, die Reese fotografierte, vor allem einen Akt des Vandalismus sehen - oder aber einen Moment, der ein Schlaglicht auf das Elend in der Stadt wirft.

Wolfgang Reeses erste Reaktion war nicht Empörung über den Altkleiderdiebstahl, sondern Mitgefühl: „Wie groß muss die Armut sein?“, sagt er.

Für Diakonie-Pastor Rainer Müller-Brandes illustriert das Foto eine Verschärfung der sozialen Lage für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe. Seit Jahresbeginn gilt ein neues Gesetz, nach dem EU-Bürger erst nach fünf Jahren Sozialleistungen in Deutschland beziehen können. Davon seien besonders Zuwanderer aus Osteuropa betroffen: „Diese Szene ist ein Zeichen bitterer Armut“, sagt er.

Ob dies im konkreten Fall der beiden Frauen auch so ist oder ob sie die Kleidungsstücke nicht vielleicht doch verkaufen wollten, lässt sich nicht mehr klären, weil niemand mit den beiden gesprochen hat.

Müller-Brandes weist auch darauf hin, dass es bei der Diakonie Kleiderkammern gibt, in denen Bedürftige kostenlos Kleidung bekommen. Ohne Diebstahl und waghalsige Kletterpartien.

Hubi dringt da durch, wo andere nur auf Mauern des Schweigens treffen. Diana Jopp (48) erreicht mit ihrer großen Handpuppe Demenzkranke, die sonst kaum noch zugänglich sind. Sie bringt die Senioren zum Lachen und Singen, erinnert sie auf ganz einfühlsame Art an glückliche Zeiten von früher.

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