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Freispruch nach 18 Jahren

Unzureichende Beweislage Freispruch nach 18 Jahren

1997 soll ein polnischer Staatsbürger in Groß-Buchholz einen Landsmann in Hannover überfallen haben. Im Februar reiste der Mann erneut nach Deutschland ein und wurde festgenommen. Jetzt wurde der Mann wegen unzureichender Beweise freigesprochen. Er erhält 3.500 Euro Entschädigung für fünf Monate U-Haft.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Freispruch im Prozess um ein Verbrechen, das vor 18 Jahren in Hannovers Stadtteil Groß-Buchholz geschehen sein soll: Selten ist eine Anklage so schnell in sich zusammengefallen wie jüngst am Landgericht Hannover. Nach drei Stunden war alles vorbei, die Akte „räuberische Erpressung“ wurde ad acta gelegt.

1997 soll ein polnischer Staatsbürger gemeinsam mit einem Mittäter einen Landsmann in dessen Groß-Buchholzer Wohnung geschlagen und mit einem Messer bedroht haben, soll das Opfer zur Herausgabe von EC-Karte sowie Geheimnummer gezwungen und am gleichen Tag 950 Mark abgehoben haben. Im Februar dieses Jahres wurde der nach Deutschland eingereiste Mann, gegen den seit 1997 ein Haftbefehl bestand, am Hauptbahnhof Düsseldorf festgenommen. Seither saß er in Hannover in Untersuchungshaft. Doch schnell musste die 19. Große Strafkammer unter Vorsitz von Stefan Joseph erkennen, dass die Beweislage verheerend war.

Das angebliche Opfer, das - alkoholisiert - erst drei Tage nach der Tat bei der Polizei aufgetaucht war und eine wenig detaillierte Aussage gemacht hatte, ist tot. Der Mittäter? Ebenfalls tot, vor elf Jahren gestorben. Die damaligen Vernehmungsbeamten? Konnten sich an nichts mehr erinnern. Kameraüberwachung bei der Sparkasse? Gab es nicht. Selbst ein ärztliches Attest über die Verletzungen des Opfers lag nicht vor, und in der vorgeblichen Tatort-Wohnung gemeldet war der Mann auch nicht. So schloss sich die Kammer schnell den Plädoyers von Staatsanwalt Joachim Grupe und Verteidiger Marcin Raminski an, dass nur ein Freispruch infrage kommt.

Der vierfache Familienvater, der seit zehn Jahren in Polen als Straßenbauarbeiter tätig ist, darf nun zu seiner Familie zurückkehren. Pro Tag stehen ihm 25 Euro Haftentschädigung zu: Rund 3.500 Euro für knapp fünf Monate ­U-Haft. Bei einer Deutschland-Reise in zwei Jahren wäre dem 39-Jährigen übrigens gar nichts mehr passiert - dann wäre die Tat eh verjährt gewesen.

von Michael Zgoll

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