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Frenssenufer soll umbenannt werden

Groß-Buchholz Frenssenufer soll umbenannt werden

Der Schriftsteller Gustav Frenssen war ein bekennender Antisemit und Nationalsozialist. Jetzt soll die Straße in Groß-Buchholz, die nach ihm benannt ist, einen neuen Namen bekommen.

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Bekennender Antisemit und Nationalsozialist: Gustav Frenssen.

Quelle: Menkens

Hannover. Sehr hübsch ist es hier, am Frenssenufer in Groß-Buchholz. Nicht die allerneuesten Reihenhäuser auf der einen Straßenseite, gegenüber, von einer schmalen Straße getrennt, ein breiter Grünstreifen, Baum bestanden und mit Gebüsch. Dahinter fließt der Mittellandkanal in seiner Spur. Eben kommt Helga Metz mit einem Einkaufskorb aus dem Haus. Seit 1973 wohnt sie hier am Wasser, schon damals hieß es Frenssenufer.

Lange dürfte das nicht mehr so sein. Vor ein paar Tagen lag ein Schreiben vom Bezirksbürgermeister in ihrem Briefkasten, der Straßenname soll geändert werden. Ein Beirat der Stadt hat das vorgeschlagen, weil der Schriftsteller Gustav Frenssen ein bekennender Antisemit und Nationalsozialist war. Helga Metz ist von dem Plan nicht sehr begeistert. „Wir haben mit dem Namen gelebt. Es wäre einfacher gewesen, ihn zu lassen. Jetzt müssen wir hier alle Adressen ändern, Führerschein, Bank, alles. “ Dass ihre Anschrift einen Nazi im Namen führt, sieht sie eher pragmatisch. So sei eben die Zeit gewesen und dieser Vergangenheit habe sich Deutschland gestellt.

Der 1863 in Dithmarschen geborene Gustav Frenssen war einem breiten Publikum bekannt, Leser fand er besonders in bürgerlichen Kreisen. Der Beirat kam zu dem Ergebnis, dass Frenssen in seinen Werken „kolonialistische, rassistische und antisemitische Wertvorstellungen“ verbreitete. Über keine andere Person urteilte das Gremium im Rahmen möglicher Straßenumbenennungen so deutlich. Frenssen habe „radikale Maßnahmen der Euthanasie“ befürwortet, Antisemitismus und Judenverfolgung gerechtfertigt und „Hitler-Verehrung“ gepredigt.

Kaum zu erklären, warum solch ein Mann noch 1967 für würdig gefunden wurde, öffentlich geehrt zu werden. Damals stimmte der mehrheitlich sozialdemokratisch geführte Rat der Stadt einmütig dafür, das Ufer am Mittellandkanal nach dem Schriftsteller zu benennen. Zuvor waren die wenigen Hundert Meter Teil des Meersmannufers. Bei der Erforschung von Spuren des Kolonialismus stießen Historiker der Universität Hannover später auf eine Unterlage im Stadtvermessungsamt, die wenigstens eine kleinen Hinweis zur Begründung gab. In Misburg, hieß es in der Vorlage für den Rat, seien bereits Straßen nach norddeutschen Autoren benannt worden. Dies sei „Veranlassung, des norddeutschen Heimatdichters Gustav Frenssen zu gedenken“. Mehr interessierte im Hannover des Jahres 1967 offenkundig niemanden in Politik und Verwaltung.

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