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Aus der Stadt „Wir wollten beide berühmt werden“
Hannover Aus der Stadt „Wir wollten beide berühmt werden“
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00:25 13.07.2015
Alte Freunde: Karl-Heinz Schmeing (links) und Hanspeter Dickel teilen alte Udo-Erinnerungen. Quelle: Kutter
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Hannover

Zwei ältere Herren im Café. „Guck mal, der Bauer“, sagt einer der beiden, als ein Typ mit Rockstarklamotten an der Terrasse des Courtyard-Hotels vorbeigeht. „Der Bauer“ ist Lindenberg-Gitarrist Hannes Bauer, und die beiden älteren Herren sind echte Lindenberg-Experten – viel länger als der Bauer. Sie kommen aus Lindenbergs Heimat Gronau, sind mit dem späteren Rockstar zur Schule gegangen und haben mit ihm musiziert. Karl-Heinz Schmeing war damals, Ende der Fünfziger, bei den Dixie Devils, „eher so der Manager“, wie er sagt. „Ach was“, fährt ihm Hanspeter Dickel in die Parade „Kalle hat, wie man im Westfälischen sagt, die Mädchen am Singen gebracht“, lacht er. Schmeing wird verlegen. Jetzt lachen beide.

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Udo Lindenberg in der HDI-Arena.

Schmeing, 70, lebt schon lange in Hannover, der andere, Hanspeter Dickel, ist in Gronau Stadtarchivar geworden und hat heute noch mit Lindenberg zu tun – er organisiert Führungen durch die Stadt, „panikhistorische Rundgänge“, wie er es nennt. Nun trifft er sich vorm Konzert mit seinem alten Schulfreund, hat alte Fotos mitgebracht und andere Erinnerungen wie die verräterischen Zeilen aus einem Jahrbuch: „Auch der Mitschüler Udo Lindenberg fiel schulisch nicht besonders auf, außer durch sein starkes Interesse für die Jazzmusik und sein Können als Schlagzeuger.“

Dickel hat später sogar als Bassist noch mit Lindenberg zusammengespielt, bei den Lightnings, einer Beat-Band. „Aber ich muss klarstellen, er durfte nur manchmal bei uns mitspielen, denn wer entweder zu spät kommt oder schon um halb elf besoffen ist – da kannst du der beste Schlagzeuger sein, das bringt nix.“ Dickel versuchte es selbst als Rockmusiker, schwenkte dann aber mit Verspätung ins geregelte Berufsleben um. Schmeing wurde kein Musiker, hatte aber indirekt mit Rock ’n’ Roll zu tun – als „Reisender bei der Firma Underberg“. Drei Monate im Jahr habe er in Hamburg zu tun gehabt, dann habe er seinen alten Schulfreund Udo besucht. „Geld hatten wir beide nicht. Aber ich hatte ja immer paar Püllken Underberg dabei.“ Und dann war da noch das Konzert im Theater am Aegi, 1972, nicht gut besucht, aber für Schmeing mit einer interessanten Nachgeschichte.

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Promigastronom Norbert Schuh mit seiner Frau Heike.

Auf dem Weg ins Hotel seien er und Lindenberg noch in eine Kellerkneipe eingekehrt, und Schmeing habe zu seinem mittlerweile fast berühmten Kumpel gesagt: „Udo, ich bin jetzt dein Manager, und wenn die Mädchen kommen: Erst ich, dann du.“ Die Sache endete tatsächlich mit Mädchen im Hotel, im Badezimmer, aber „ohne mich“, sagt Schmeing. Er muss zwischendurch vor Lachen absetzen. Es wird ein anekdotenreicher Nachmittag für die beiden. Und das Konzert am Abend? Schmeing hat keine Karte bekommen und fährt mit dem Fahrrad wieder nach Kleefeld. Dickel will noch Handzettel verteilen vor dem Stadion, für seine eigene Udo-Show in Gronau. „Wir wollten beide berühmt werden“, sagt er versonnen mit Blick auf ein altes Udo-Foto, „aber ich bin auch nicht unglücklich geworden.“

Von Uwe Janssen

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