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Aus der Stadt Friedhofsamt verliert Urne und will Vorgang vertuschen
Hannover Aus der Stadt Friedhofsamt verliert Urne und will Vorgang vertuschen
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17:01 04.12.2010
Im September 2009 sollten zwei Mitarbeiter des Friedhofsamtes das Grab neben dem der Familie Assmus nach Ablauf der Ruhezeit räumen, ebneten aber versehentlich das falsche ein. Quelle: Kristoffer Finn
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In einem Brief an die Familie räumt Umweltdezernent Hans Mönninghoff jetzt schwere Fehler seines Hauses ein und bittet die Hinterbliebenen „zutiefst um Entschuldigung“. Weiter schreibt er: „Ich schäme mich aufrichtig für die Stadtverwaltung.“ Er selbst sei erst durch Recherchen der HAZ auf den Vorgang aufmerksam geworden. Gegen die beteiligten Mitarbeiter lasse er jetzt disziplinarische Maßnahmen prüfen. All das teilte Mönninghoff der Hannoveranerin Wiebke Assmus in dieser Woche auch in einem persönlichen Gespräch mit.

Rekonstruieren lässt sich der Vorgang so weit: Im September 2009 sollten zwei Mitarbeiter des Friedhofsamtes das Grab neben dem der Familie Assmus nach Ablauf der Ruhezeit räumen, ebneten aber versehentlich das falsche ein. Bei dieser Gelegenheit entfernten die Friedhofsgärtner, wie ihnen geheißen, zwei Urnen – nur eben fälschlicherweise die der Eltern von Frau Assmus. Die Urnen wurden wie üblich in ein Sammelgrab gebracht. Dass in dem Familiengrab noch ein drittes, marmornes Aschebehältnis liegen sollte, wussten die Mitarbeiter nicht. In der Urne befinden sich die sterblichen Überreste von Assmus’ Neffen, der 1989 neunjährig verstarb.

Als die Familie im Oktober dieses Jahres bemerkte, dass das falsche Grab eingeebnet war, und sich darüber beschwerte, ließ das Amt heimlich die Grabstelle öffnen und fand dort keine Urne vor. Daraufhin sahen Mitarbeiter in dem Sammelgrab nach. Dort fanden sie zwei der Urnen und setzten sie wieder in der Grabstelle bei. Die dritte Urne aber blieb verschwunden, was mit ihr geschehen ist, ist bis heute unklar. Dennoch gaukelte das Amt der Familie vor, alle Urnen seien an Ort und Stelle. „Um den Vorgang zu vertuschen, behaupteten die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung Ihnen gegenüber, die Grabstätte sei nur oberflächennah geräumt worden und die Urnen seien noch im Grab“, schreibt der Dezernent den Hinterbliebenen jetzt.

Wiebke Assmus und ihre Schwester aber waren misstrauisch und verlangten Beweise. Den unrühmlichen Höhepunkt der Vertuschungsversuche stellte Anfang November ein Ortstermin am Grab dar. Dabei führten drei Mitarbeiter Assmus’ Schwester Heide eine sogenannte Sondierung vor, also das Abtasten der Grabstelle mit einem Eisenstab.

Drei Mitarbeiter stocherten also in der Erde und beteuerten danach, alle Urnen gefunden zu haben. Die Stadt teilte später schriftlich mit, das Grab wie gewünscht in Anwesenheit der Familie zu öffnen sei nicht möglich, weil strafbar. Grund: Die Totenruhe dürfe nicht gestört werden. Gleichzeitig verwahrte man sich gegen den Verdacht, man könnte eine Urne verloren haben.

Als sich die HAZ mit dem zweifelhaften Vorgang beschäftigte, nahm sich der zuständige Dezernent Mönninghoff der Sache an. Er rief seine Mitarbeiter zusammen und ließ sich reinen Wein einschenken. Danach bat er Wiebke Assmus um den Gesprächstermin, um sie zu unterrichten und sich zu entschuldigen.

Unterdessen scheint die dritte Urne unwiederbringlich verloren. Ob sie beim Einebnen des Grabes abhandenkam oder schon vorher, ist ungewiss. Inzwischen hat das Friedhofsamt die Umgebung des Grabes aufgegraben, sofern es sich dabei nicht um andere Grabstellen handelte. Fündig wurden die Mitarbeiter nicht.

Die Stadt hat der Familie jetzt angeboten, die Kosten für die noch bis 2020 laufende Grabstelle zu übernehmen. Auf eine Strafanzeige will Wiebke Assmus verzichten. „Wir müssen versuchen, mit der Situation zu leben“, sagt sie.

Felix Harbart

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