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FDP-Politiker Detlef Kleinert gestorben

29 Jahre im Bundestag FDP-Politiker Detlef Kleinert gestorben

Der langjährige hannoversche FDP-Bundestagsabgeordnete Detlef Kleinert ist am Freitag im Alter von 83 Jahren gestorben. Das bestätigte der frühere FDP-Generalsekretär und politische Ziehsohn Kleinerts, Patrick Döring, der „Hannnoverschen Allgemeinen Zeitung“. Kleinert erlag einem Krebsleiden. 

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Quelle: dpa

Hannover. Er brauchte sich nur an den Rand einer Veranstaltung zu stellen, um wahrgenommen zu werden. Detlef Kleinert überragte sie alle. Er war ein Hüne in mehrfacher Hinsicht – mit seinen endlos langen Sätzen, die denen des Großschriftsstellers Thomas Mann in Nichts nachstanden, mit seiner Selbstironie, seiner Bildung und seinem tiefgründigen Witz überragte er die meisten Zeitgenossen. Gestern ist Detlef Kleinert im Alter von 83 Jahren gestorben.

Der langjährige FDP-Bundestagsabgeordnete war einer der einflussreichsten Parlamentarier in den Achtziger- und Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Ein Krebsleiden raffte ihn, den Stehaufmann, jetzt hin. „Das ist wirklich eine sehr traurige Nachricht, er wird uns sehr fehlen“, sagt Stefan Birkner, Landesvorsitzender der niedersächsischen FDP. Noch an Kleinerts 80. Geburtstag hatten sich viele, die in seinem Leben eine große Rolle spielten, im hannoverschen Congress-Centrum ein Stelldichein gegeben, die früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (inzwischen auch verstorben) sowie Klaus Kinkel oder auch Rainer Brüderle, der bislang letzte FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag. Denn Kleinert wirkte in der großen Politik stets mächtig mit – als überaus überzeugter Parlamentarier, der keine Lust hatte, die Seiten zu wechseln und auf der Regierungsbank Platz zu nehmen.

Er unterstützte lieber den Bundesjustizminister und half (im Hintergrund) bei der Absetzung einer Justizministerin. Ihm sei es wichtiger, im Bundesgesetzbuch zu erscheinen als in Illustrierten, pflegte er in seinem tiefen, sonoren Bass zu brummen. Als langjähriges Führungsmitglied des „Schaumburger Kreises“ sammelte Kleinert die Konservativen innerhalb der FDP. Dabei war er selbst ein Urliberaler, offen stets für Einwände, neue Ideen, wie sein politischer Ziehsohn, der frühere FDP-Generalsekretär Patrick Döring, betont: „Er hat beeindruckt, nicht jeden. Aber jedes gute Argument beeindruckte ihn.“

Moralisten konnte Kleinert, für den die Devise galt, dass sich im Leben schon alles irgendwie „zurechtschüttelt“, nicht ausstehen. Weil er einen scharfen Blick für die Widersprüche der menschlichen Natur hatte. Er war ein Mann der Wirtschaft durch und durch, der sich als Abgeordneter stets gegen Zugriffe des Staates wehrte. Legendär ist der Bundestagsauftritt Kleinerts im Jahre 1994, als er es selbst mit etwas schwerer Zunge noch schaffte, lange Sätze sinnvoll zu Ende zu bringen. Hier war er Opfer einer Parteiintrige geworden: Der Jurist hatte an diesem Tag eigentlich nicht mehr im Bundestag reden wollen und bereits mit einem Korrespondenten draußen gefeiert. Dann wurde er plötzlich doch noch ans Redepult genötigt.

Die Liste der Gesetze, an denen Kleinert mitgewirkt hat, ist lang – dazu gehören die Abschaffung des Paragrafen 218, der die Abtreibung unter Strafe stellte, die Abschaffung des Schuldprinzips bei Scheidungen in der Ehe und die Reform des Grundgesetzes nach der Deutschen Vereinigung. Kleinert war außerdem in Hannover noch wirtschaftlich erfolgreich, als Vorstandsmitglied der Wertgarantie und Gründer der Agila-Haustierversicherung. Er legte stets Wert darauf, als Abgeordneter wirtschaftlich unabhängig zu sein. Das hat ihn nicht davon abgehalten, sich ganze 29 Jahre (bis 1996) als Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Hannover zu behaupten. Daneben war Kleinert auch ein herzlicher und großzügiger Gastgeber. Seine Sommerfeste in Isernhagen waren legendär.

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