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Aus der Stadt Früherer RAF-Terrorist Boock versteckte sich im Ihme-Zentrum
Hannover Aus der Stadt Früherer RAF-Terrorist Boock versteckte sich im Ihme-Zentrum
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09:41 04.02.2011
Von Wiebke Ramm
Der ehemalige RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock (r) am Donnerstag in Stuttgart im Verhandlungssaal der JVA Stammheim. Quelle: dpa

Entspannt saß Verena Becker am Donnerstag auf der Anklagebank und scherzte mit ihrem Verteidiger. Ihr früherer Kampfgenosse Peter-Jürgen Boock brach vor dem Oberlandesgericht Stuttgart zwar das Schweigegebot der RAF, gab einen Abriss der Geschichte des deutschen Linksterrorismus – doch das, wofür er eigentlich im Zeugenstand sitzt, tat er nicht. Der Hauptzeuge der Anklage gegen Becker wegen ihrer Beteiligung am Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback entlastet die 58-Jährige mehr, als dass er sie belastet. Aber er gibt einen Einblick in den „Deutschen Herbst“, in dem sich vieles um Hannover drehte.

Verena Becker wird vorgeworfen, maßgeblich an der Planung des Anschlags auf Buback am 7. April 1977 in Karlsruhe beteiligt gewesen zu sein. „Der General muss weg“, hieß es damals von den in Stammheim inhaftierten RAF-Mitgliedern. „Der Wille der Stammheimer war Gesetz“, sagte Boock am Donnerstag. Darin seien sich damals im Jemen, wo die Offensive 77 im Sommer 1976 geplant wurde, alle einig gewesen. Becker ebenso wie auch er selbst, Boock, und die anderen RAFler vor Ort. Die Offensive 77 ist als Deutscher Herbst in die Geschichte eingegangen.

Becker sei weder „Wortführerin“ gewesen noch habe sie zum Kommando „Ulrike Meinhof“ gehört, das für den Anschlag auf Buback verantwortlich war. Wer letztlich geschossen hat, wisse er nicht. Aber Becker sei es nicht gewesen. Er vermutet, dass Günter Sonnenberg das Motorrad gesteuert hat, vom dem aus die tödlichen Schüsse fielen. Der Name Stefan Wisniewski, den er mal als Schützen genannt hatte, fiel am Donnerstag nicht.

Der Richter fragte Boock nach seinem damaligen Drogenkonsum. Vor Gericht erinnerte er sich erst nur an Haschisch und Rotwein, schließlich räumte er Kokainkonsum und einen abgebrochenen Entzug ein. Weniger einsilbig sprach er über Hannover als operatives Zentrum des Deutschen Herbstes. Er selbst lebte in einer konspirativen Wohnung im Ihme-Zentrum in Hannover-Linden (Tarnname „Klotz“). Am Donnerstag räumte er erstmals ein, dass er dort nicht nur für einen Anschlag auf die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe zwei Raketenwerfer gebaut hat, und er diese Waffen in einem nicht näher benannten „Moorgebiet“ getestet hat. Er berichtete, dass er dort auch die Haftmine gebastelt hat, mit der Buback eigentlich getötet werden sollte.

Und Boock geht noch weiter: Er selbst habe diesen Sprengsatz „im Raum Hannover“ mit einem zweiten RAF-Mitglied, dessen Name er nun aber nicht mehr wisse, ausprobiert. Von einem Motorrad aus sollte die Mine mit Magneten auf dem Dach von Bubacks Dienstwagen angebracht werden. Bei den Tests „ist das Ding regelmäßig vom Autodach gefallen“, sagte er.

Der Plan wurde verworfen. Stattdessen habe die Gruppe über Schüsse vom Motorrad aus auf den Dienstwagen nachgedacht. Aber bei diesen Überlegungen sei Boock nicht mehr beteiligt gewesen. Von Becker spricht er da gar nicht mehr. Nach etwa fünf Stunden ist Boock mit seinen Kräften am Ende. Die Sitzung wird abgebrochen. Nächsten Donnerstag geht es weiter.

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