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Aus der Stadt Frühstück im Friedhofscafé Anna Blume
Hannover Aus der Stadt Frühstück im Friedhofscafé Anna Blume
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00:16 29.12.2017
Friedhofscafé Anna Blume: Michael Frese (Bild rechts außen), Merle Feldt (zweite von rechts) und ihre Kinder Leonard und Victoria genießen die entschleunigte Athmosphäre. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

 Nele Hengst hätte sich vermutlich nicht träumen lassen, dass ihr ein Haufen unbekannter Café-Besucher einmal ein Geburtstagsständchen bringen würde. Aber so geschieht es an ihrem 24. Geburtstag beim Weihnachtsfrühstück mit Kaffeehausmusik im Stöckener Friedhofscafé Anna Blume. Chefin Ute Wrede erfährt zufällig vom Festtag der jungen Frau und bittet Geigerin Marta Gadzina spontan statt des „Winters“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ oder eines Weihnachtsliedes  den Geburtstagsklassiker „Viel Glück und viel Segen“ anzustimmen. Vielstimmig schallt der musikalische Festgruß durch den Raum. 

Stören Cafébesucher auf dem Friedhof an Weihnachten die Friedhofsruhe? Die Gäste im Stöckener Friedhofscafé Anna Blume halten das dortige Weihnachtsfrühstück im Gegenteil für eine Bereicherung.

Es ist nicht das einzig Ungewöhnliche an diesem Tag im Café Anna Blume. Dass sich Menschen am zweiten Weihnachtstag zum Frühstück auf einem Friedhof treffen, genauer in dem im Stöckener Friedhof gelegenen Friedhofscafé Anna Blume,  ist ungewöhnlich genug.

Stört das ausgelassene Singen, das sich gemeinsam bei gutem Essen die Zeit vertreiben nicht die Totenruhe, Stille, die Andacht an so einem Ort? Barbara Minkwitz, 66, kann solche Bedenken überhaupt nicht nachvollziehen. Sie ist mit einer ganzen Gruppe Nachbarn aus Laatzen nach Stöcken gekommen, um mit ihnen gemeinsam beim Weihnachtsfrühstück im Café Anna Blume den Vormittag zu verbringen. Ihre Eltern liegen auf dem Stöckener Friedhof begraben. Sie ist oft hier und freut sich, dass es endlich einen Ort gibt, an dem man nach einem Besuch auf dem Friedhof einen Kaffee trinken oder eben auch einmal mit Freunden einen besinnlich heiteren Frühstücksvormittag verbingen kann. „Das Leben geht weiter“, sagt Minkwitz, „auch wenn man traurig ist.“

Michael Frese und Merle Feldt haben zum Friedhof in Stöcken selbst gar keinen Bezug. Sie waren aber schon einmal zu einer konzertanten Lesung in dem Café – und genießen die „entschleunigende Athmosphäre“, den originellen Ort.

Dass das Café als Integrationsbetrieb Menschen mit Handicap einen Arbeitsplatz im Service oder in der Küche bietet, finden beide zudem gut. “Es ist halt vieles besonders hier“, sagt Merle Feldt. Wenn Zeit bleibt, geht sie mit Mann und zwei Kindern auch noch über den Friedhof spazieren: „Dass man so einen Ort nicht immer mit gedrückter Stimmung verbindet, ist besonders schön.“

Von Jutta Rinas

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