Ich bin 48 Jahre alt und war in einem Unternehmen mit mehreren Hundert Mitarbeitern als Führungskraft angestellt. Monatelang hatte ich starken Stress und war ständig überfordert. Ich hatte wochenlang Magendrücken, wenn ich in die Firma fuhr, ein beklemmendes Gefühl und konnte mich nicht konzentrieren. Außerdem leide ich unter Schlafstörungen. Auch die Stimmung ist im Keller. Den Job habe ich schließlich gekündigt, weil es nicht mehr weiterging. Jetzt habe ich eine Leere im Kopf und weiß nicht, was ich weiter machen soll. Momentan bin ich krankgeschrieben, will mich aber wieder bewerben. Wie gehe ich am besten vor?
Mir erscheint wichtig, dass Sie sich ein Stück weit stabilisieren, bevor Sie in eine neue Bewerbungsphase eintreten. Was Sie beschreiben, sind eindeutig depressive Symptome. Sie sollten sich deswegen frühzeitig fachärztlichen Rat holen. Das muss nicht unbedingt auf eine umfängliche Medikation hinauslaufen. Eine Möglichkeit wäre es, zunächst einmal mit einem milden Antidepressivum den Schlaf zu unterstützen. Das hellt gleichzeitig die Stimmung auf. Auch Gespräche können Unterstützung bieten, damit Sie im nächsten Job nicht wieder in die gleiche Situation geraten. Wenn Sie keinen zeitnahen Termin beim Facharzt bekommen, kann auch Ihr Hausarzt erst einmal ein mildes Antidepressivum verschreiben. Auf jeden Fall sollten Sie die Symptome ernst nehmen. Sie selbst können die Entwicklung durch sportliche Betätigung und Ihnen angenehme Aktivitäten positiv beeinflussen.
Mein 31-jähriger Sohn ist Bürokaufmann, arbeitslos und wohnt noch zu Hause. Seit Jahren leidet er an einer Depression. Er war in der Vergangenheit bei vier Ärzten, aber der Erfolg war nicht dauerhaft. Was können Sie empfehlen?
Es wäre gut, wenn sich Ihr Sohn Unterstützung bei einem Psychiater holt. Allein ist so eine Situation nicht zu bewältigen. Möglich ist auch die zeitweilige Behandlung in einer Tagesklinik. Dort hat er einen strukturierten Achtstundentag und bekommt intensive therapeutische Unterstützung. Daneben kann auch der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein, wo er sich mit anderen Betroffenen austauschen kann. Entsprechende Gruppen vermittelt die Koordinationsstelle KIBIS, Telefon (05 11) 66 65 67. Ihnen selbst empfehle ich zudem die „Arbeitsgruppe Angehöriger psychisch Kranker in Niedersachsen und Bremen“, Internet: aanb.de.
Ich bin 87 Jahre alt und habe seit einigen Wochen Depressionen. Seit drei Wochen nehme ich das Antidepressivum, das mir schon früher geholfen hat. Aber ich habe den Eindruck, die Dosis ist zu niedrig. Kann das sein?
Der Ansatz Ihrer Ärztin, das bewährte Medikament zu verschreiben, ist richtig. Ebenfalls korrekt ist es, bei Menschen in Ihrem Alter erst einmal mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese langsam zu steigern. Ich würde Ihnen raten, noch etwa drei Wochen zu warten, da antidepressive Medikamente ihre Wirkung nur langsam entfalten. Zeigt sich keine Besserung, sollten Sie mit Ihrer Ärztin über eine Dosiserhöhung reden.
Als Führungskraft habe ich bisher immer gute Ergebnisse abgeliefert und gerne gearbeitet. Sogar im Urlaub habe ich noch vieles von zu Hause aus organisiert. Durch die Wirtschaftskrise verstärkt sich jedoch der Druck. Mein Vorgesetzter möchte nun meine Position neu besetzen, will aber, dass ich weiter für die Firma arbeite. Ich fühle mich völlig ausgelaugt und unfähig, die Arbeit weiterzuführen. Ich bin reizbar, trinke zu viel Alkohol und habe den Kopf nicht mehr frei. Was soll ich tun?
Das klingt nach einer beginnenden depressiven Symptomatik. Das von Ihnen geschilderte Erschöpfungssyndrom tritt besonders bei sehr gewissenhaften Mitarbeitern auf und kann in eine Depression münden. Bei Ihnen könnten Medikamente helfen. Aber das wird wahrscheinlich nicht reichen. Sie bräuchten auch eine Psychotherapie oder ein Coaching. Ich kann Ihnen daher nur raten, sich an einen Psychiater zu wenden.
Ich leide seit Jahren unter Depressionen und bin deswegen schwerbehindert. Trotzdem würde ich gerne weiter in meinem alten Betrieb arbeiten. An wen kann ich mich wenden?
Bei der betrieblichen Wiedereingliederung kann beispielsweise das beim Versorgungsamt angesiedelte Integrationsamt helfen. Wenn Sie unsicher über die Belastung an Ihrem Arbeitsplatz sind, können Sie sich auch an den Betriebsarzt wenden, der gemeinsam mit einer Fachkraft für Arbeitssicherheit eine Gefährdungsbeurteilung machen wird. Manche größere Betriebe haben außerdem einen Betriebspsychologen.
Seit mehr als 30 Jahren bin ich als Vorgesetzter in einer Verwaltung tätig. Die Arbeit macht mir zwar immer noch Spaß, aber ich leide trotz Sport unter Schlafstörungen und Bluthochdruck. Ich habe jetzt Angst, dass daraus eine Depression wird. Was kann ich tun?
Als erste Maßnahme sollten Sie Ihren hohen Blutdruck behandeln lassen. Oft steigt dieser in den mittleren Lebensjahren, und Sport allein reicht zum Gegensteuern nicht mehr aus. Um Schlafstörungen, Herzrasen und Unruhe zu vermeiden, sollten Sie sich vom Arzt Blutdrucksenker verschreiben lassen. Dabei gibt es auch Mittel, die müde machen und abends zu einem guten Schlaf beitragen.
Meine Schwester ist seit Jahren depressiv. Obwohl sie das Medikament Tabor nimmt, bessert sich nichts. Warum?
Ihre Schwester sollte unbedingt einen Facharzt aufsuchen. Tabor ist ein Beruhigungsmittel, das nur kurzzeitig eingenommen werden sollte, weil es abhängig macht. Zudem wirkt dieses Medikament nicht antidepressiv.
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