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Vollgas und ein bisschen Gnade

Führerschein bleibt im Poststreik hängen Vollgas und ein bisschen Gnade

Fast hätte Thomasz Szajlikowski seinen Urlaub vergessen können. Der 35-Jährige musste seinen Führerschein abgeben, weil er zu schnell gefahren war. Doch durch den Poststreik ging der „Lappen" so spät bei der Verwaltung ein, dass Szajlikowski ihn  fast nicht rechtzeitig zurück bekam.

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Thomasz Szajlikowski darf wieder Auto fahren – rechtzeitig für den Urlaub in Kroatien.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover . Ein wichtiges Dokument gerät zwischen die Mahlsteine des Poststreiks, und plötzlich wird aus einem Problemchen eine mittlere persönliche Katastrophe - diese Schreckensvision haben in den vergangenen Wochen viele Hannoveraner im Geiste durchgespielt. Für den 35-jährigen Thomasz Szajlikowski ist sie Wirklichkeit geworden und hätte beinahe eine lange geplante Urlaubsreise nach Kroatien unmöglich gemacht.

Alles hat damit angefangen, das Szajlikowski im vergangenen Jahr eines Abends gegen 23 Uhr auf der Vahrenwalder Straße zu sehr auf die Tube gedrückt hat. Mehr als das, um genau zu sein. Mit Tempo 90 wurde er geblitzt; 50 Kilometer pro Stunde sind erlaubt. 40 drüber. Das macht 160 Euro Bußgeld und einen Monat Führerscheinentzug, verhängt im Januar 2015. Den Zeitpunkt konnte Szajlikowski selbst wählen, und er entschied sich, den Führerschein so abzugeben, dass er ihn rechtzeitig für die Abreise nach Kroatien wieder hat.

Und dann kam der Poststreik. Der Temposünder schickte seinen „Lappen“ am 15. Juni ab, belegt ist das durch einen Posteinlieferungschein. Aber bei der entsprechenden Stelle der Stadtverwaltung ist er erst am 9. Juli eingegangen. 24 Tagen später. Streng nach Vorschrift beginnt die Vierwochenfrist erst dann, wenn der Schein auf dem Tisch im Amt „in amtlicher Verwahrung“ liegt. Folglich sollte der Führerschein erst am 8. August wieder herausgegeben werden - zu spät für die Kroatien-Reise.

Szajlikowski suchte Rat beim hannoverschen Anwalt Albrecht-Paul Wegener, der schließlich ein sogenanntes Gnadengesuch ans Innenministerium schickte. „Mein Mandant ist da in eine echte Gesetzeslücke gerutscht, denn ein Poststreik ist an dieser Stelle vom Gesetz einfach nicht berücksichtigt. Ich betrachte den Streik als höhere Gewalt. Wenn ich einen solchen Fall sehe, sträubt sich bei mir alles“, meint der Anwalt zur Begründung. Der Klient habe keine andere Möglichkeit als den Postversand gehabt.

Im Innenministerium gab es dann aber einen Mitarbeiter, der offensichtlich die Kunst, ein Auge zuzudrücken, noch nicht ganz verlernt hat. Er ließ zwar - rein formal- und verwaltungsjuristisch - nicht Gnade vor Recht ergehen, aber immerhin Vernunft vor Prinzip. Der Mann vom Innenministerium rief bei einem Mitarbeiter in der Stadtverwaltung an, und seit gestern hat Thomasz Szajlikowski hat seinen Führerschein wieder. Der Urlaubsreise steht nun nichts mehr im Wege. Und die Urlaubskasse ist sogar etwas besser gefüllt als zunächst vermutet. „Die Bearbeitungsgebühr für ein Gnadengesuch kostet immerhin 200 Euro“, sagt Anwalt Wegener. Diese Summe hat sein Klient gespart.

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