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Führte Bunker-Sprengung zu Rissen im Haus?

Villa an der Lönsstraße Führte Bunker-Sprengung zu Rissen im Haus?

Tiefe Risse durchziehen seit drei Jahren die Dreißigerjahre-Villa an der Lönsstraße. Damals war auf dem Nachbargrundstück ein Weltkriegsbunker gesprengt worden. Ohne die Analyse eines Gutachters dürfen die Schäden nicht behoben werden, doch dieser lässt sich Zeit - zum Ärger der Mieter, die viele Zimmer nicht mehr bewohnen können. 

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„Erst zog es nur kalt durch die Risse, jetzt ist alles abgesperrt“: Nicole Braesel und Florian Graap mit den Söhnen Kilian und Lennard (li.) vor ihrer Wohnung.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover . Eine massive Stahlkonstruktion soll das weitere Absacken der von der Feuerwehr gesperrten Wohnzimmer verhindern. Die Familie von Nicole Braesel und Florian Graap erlebt jetzt ihren mittlerweile dritten Jahreswechsel in dem rissigen Gebäude im Zooviertel. Auf dem Nachbargrundstück war ein Weltkriegsbunker monatelang gesprengt, anschließend für Neubauten eine Tiefgarage angelegt worden - seither gebe es die tiefen Risse im Haus.

Für Hausverwalter Eckard von Bodenhausen ist die Ursache klar: „Da wurde Grundwasser abgesenkt.“ Doch der vom Gericht bestellte Gutachter lässt sich Zeit mit der Analyse - und so verging auch das Jahr 2015, ohne dass die Schäden behoben werden durften. Das Haus steht zum Teil leer, weil es als nicht vermietbar gilt. Oben sind ein paar Studenten eingezogen - unten harrt die Familie aus.

Stützen sollen Absacken verhindern

Der dreigeschossige Anbau sieht gespenstisch aus. Im Inneren tragen stählerne Stützen die Last der Geschosse, außen verhindert eine schwere Holzkonstruktion das Zusammenbrechen der Garageneinfahrt. „Anfangs war es nur kalt wegen der Risse im Mauerwerk“, sagt Mieterin Nicole Braesel, „aber dass alles immer schlimmer wird, hätten wir nicht gedacht.“ Auf allen Etagen sind die Zimmer in dem Anbau gesperrt, den beiden Söhnen Kilian und Lennard fehlt der Platz zum Spielen. Die Risse sind gegen die Zugluft provisorisch mit Bauschaum geschlossen.

Hausverwalter von Bodenhausen, der die Immobilie für einen Verwandten betreut, hat inzwischen mehrere Kaufangebote aus der Nachbarschaft erhalten - zu „teils dreist niedrigen Preisen“, wie er sagt. „Dort denkt man wohl, dass wir nicht in der Lage sind, das Haus zu reparieren - kein Wunder bei der langen Wartezeit.“ Er hat Klage eingereicht gegen das Bauunternehmen, das auf dem Nachbargrundstück gebaut hat. Ursprünglich war es Hochtief Formart, inzwischen ist die Unternehmenssparte an einen Finanzinvestor verkauft worden.

Feuerwehr sperrt Zimmer wegen Einsturzgefahr

Der Abriss des Bunkers hatte im Stadtteil viele genervt: Monatelang waren zunächst Lockerungssprengungen vorgenommen worden, dann zerlegten Pressluftmeißel lautstark den Betonbau, ganze Straßenzüge vibrierten. 2014 sind dort moderne Reihenhäuser bezogen worden - mit Tiefgarageneinfahrt genau neben der Villa. Doch schon im April 2013 hatte die Feuerwehr erstmals Zimmer wegen Einsturzgefahr gesperrt, inzwischen ist eine Etage gar nicht mehr vermietbar, zwei andere nur mit Einschränkungen.

„Bis heute ist das Beweissicherungsverfahren nicht abgeschlossen“, sagt von Bodenhausen. Seit November 2014 sollte ein Gutachter Bodenproben nehmen - doch wegen angeblicher Frostgefahr verzögerte sich das bis Mai. Weder Hochtief noch der neue Eigentümer der Firma Formart wollten mit Verweis auf das laufende Verfahren Stellung nehmen. Von Bodenhausen kündigt jetzt an, im Januar mit der Sanierung des Gebäudes beginnen zu wollen: „Der Zustand ist ja niemandem mehr zuzumuten.“

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