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Aus der Stadt Führte eine fehlerhafte Zahnbehandlung in den Tod?
Hannover Aus der Stadt Führte eine fehlerhafte Zahnbehandlung in den Tod?
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00:16 21.08.2016
Von Gunnar Menkens
War eine fehlerhafte Zahnbehandlung der Grund für den Selbstmord einer 63-Jährigen? Das soll jetzt das Landgericht klären. Quelle: HAZ (Symbolbild)
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Hannover

Im Juni 2014 machte eine 63 Jahre alte Frau aus Misburg ihrem Leben ein Ende. Sie schluckte in ihrer Wohnung eine Überdosis Antidepressiva, später fand ihr Ehemann sie tot im Badezimmer. Auf Zetteln hatte sie notiert, unter welchen Qualen sie noch Monate nach Beginn einer Behandlung litt, bei der ihr Zahnarzt 2013 etliche Zähne zog, Implantate und eine verschraubte Oberkieferprothese setzte. Monate später, im Februar 2014, schrieb sie: „Starke Schmerzen. Nichts passt. Ich kann nicht mehr.“

Die Familie der Frau glaubt seitdem, dass der Mediziner Schuld trägt am Tod seiner Patientin und fordert Schmerzensgeld. Die langen Qualen hätten sie in den Tod getrieben. Der Zahnarzt selbst will vor Gericht durchsetzen, dass der hinterbliebene Ehemann eine Rechnung für eine später angefertigte Ersatzprothese bezahlt. Dabei geht es um 8556 Euro.

Am Donnerstag begegneten sich die Prozessgegner vorm Landgericht Hannover, ein Gütetermin war angesetzt. Vater und Tochter saßen dem hannoverschen Zahnarzt gegenüber. Schnell war klar, dass der Vorsitzende Richter Uwe Fischer keinen Erfolg haben würde mit seinem Versuch, eine Verständigung herbeizuführen. Er beschrieb, auf welch vagem Terrain ein Prozess verlaufen würde. Gutachter müssten feststellen, ob Behandlungsfehler vorlagen, ob daraus Anspruch auf Schmerzensgeld entsteht, wie stark die Schmerzen waren und welche Rolle es spielt, dass die unter Depressionen leidende Frau bereits vor der Zahnoperation in psychotherapeutischer Behandlung war. Es sei dennoch „nicht unwahrscheinlich, dass das Gericht am Ende nicht alles feststellen kann“.

Rechtsanwalt Michael Fürst beharrt jedoch auf einer Entscheidung der Zivilkammer, um den Ruf seines Mandanten wieder herzustellen. „Wir denken nicht daran, Zahlungen zu leisten. Wir lassen nicht im Raum stehen, dass eine Patientin wegen eines Behandlungsfehlers gestorben sein soll.“ Nach der Sitzung sagte Fürst vor Journalisten, die verstorbene Frau habe im Juni 2014 nicht ihren ersten Selbstmordversuch unternommen. Sie sei auch nicht mehr in der Praxis erschienen, um sich eine bereits angepasste Ersatzprothese einsetzen zu lassen.

Eine Bewertung der Behandlung durch einen Sachverständigen gibt es bereits. Er kam für den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen zu dem Schluss, dass die Verschraubung der Prothese im Oberkiefer zu ausgeprägten und schmerzhaften Zahnrötungen geführt habe. „Es bestehen Mängel“, heißt es im Gutachten. Der Arzt betonte vor Gericht, er habe „keine Behandlungsfehler festgestellt“. Die Gegenseite wollte sich nicht äußern. Rechtsanwalt Marcus Vogeler sagte nur, man habe keine konkrete Summe gefordert, über die Höhe eines Schmerzensgelds solle das Gericht entscheiden.

Nun sucht das Gericht bei der Zahnärztekammer einen amtlichen Gutachter.

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